Psychotherapie wird sich verändern

Zumindest die Rahmenbedingungen. Denn ab 1. April gelten die neuen „Psychotherapierichtlinien“ (hier im Detail nachzulesen auf der Website der KV Baden-Württemberg).

Das Ziel dieser „Strukturreform“ ist war löblich, ich kann das aus ganzem Herzen unterstützen:

Der Zugang zur Psychotherapie soll für PatientInnen erleichtert werden, mehr Plätze sollen angeboten werden. Der sehr wichtige und richtige Hintergrund ist, dass man die faktische Unterversorgung an Psychotherapie mit oft monatelangen Wartezeiten auf einen Therapieplatz beenden möchte.

Deshalb werden wir Psychotherapeuten verpflichtet, jede Woche mehrere Stunden telefonische Sprechzeit anzubieten, in der wir persönlich oder jemand, den wir dafür an- abstellen, ans Telefon geht. Allerdings soll das ausdrücklich nur dazu dienen, Termine zu vereinbaren und nicht etwa, telefonisch zu beraten.

Für die Beratung soll die neu geschaffene „Psychotherapeutische Sprechstunde“ da sein, die nun alle Psychotherapeuten zwei Stunden lang jede Woche anbieten müssen.

Ich sehe allerdings nicht,  wie diese beiden neuen Vorschriften (Telefonzeit und Sprechstunde) die Therapieplatz-Situation verbessern können.

Ich bekomme jeden Tag etwa 10 Anfragen nach Psychotherapie und kann 1-2x im Monat einen Platz vergeben. Wieso soll sich das verbessern, wenn ich 3-4 Stunden pro Woche nicht therapeutisch (oder immerhin bürokratische Dinge ab-) arbeiten kann, weil ich am Telefon sitze? Das Argument, ich könne ja Büroarbeiten verrichten, während ich auf Anrufe warte, ist übrigens kein besonders Gutes: Sobald ich mein Telefon einstelle, klingelt es ununterbrochen. Dabei kann ich nicht arbeiten, weder therapeutisch noch am Schreibtisch. Also muss ich jemanden einstellen. Wofür? Um den Anrufenden mitzuteilen, dass ich keine Plätze frei habe. Prima.

Oder um einen Termin für eine Sprechstunde zu vereinbaren. In der ich dann Ratsuchende darüber beraten soll, ob Psychotherapie sinnvoll für sie ist oder nicht. Ich kann mir vorstellen, dass das für manche Menschen wichtig und hilfreich ist und sich manchmal schon in dieser Sprechstunde ein Problem lösen lässt. Ich frage mich nur, was passiert, wenn ich dazu raten muss, eine Psychotherapie zu machen – aber selbst nun noch weniger Plätze als zuvor anbieten kann, weil ja schon die Telefonsprechzeit Zeit frisst, die ich nicht mehr verteilen kann und außerdem auch an diesen beiden Stunden Sprechzeit pro Woche nun keine Therapie mehr stattfinden kann.

Darüber hinaus soll nun eine „Akutbehandlung“ möglich sein, so dass man PatientInnen, die sofort Unterstützung brauchen, bis zu 12  Sitzungen sofort anbieten kann. Auch das sehe ich kritisch. Denn genauso habe ich das bisher immer gehandhabt: Wenn ich ein Erstgespräch geführt habe (das ich bisher nur angeboten habe, wenn ich einen Platz zu vergeben hatte) und einen dringenden Handlungsbedarf gesehen habe (sehr oft), habe ich direkt einen Therapieplatz angeboten (zu meinem Vorgehen bezüglich der Therapieplatzvergabe hier).

Das wird nun also seltener möglich sein, weil Plätze durch Telefonzeiten und Sprechstundenzeiten blockiert sind.

Was soll ich den Menschen sagen, die dringend einen Platz brauchen, den ich ihnen aber aus Zeitgründen nicht anbieten kann? Die sollen sich an die „Terminservicestelle“ der KV wenden. In der Hoffnung, dass sich dort ein Psychotherapeut meldet, der Däumchen dreht (ich kenne keinen).

Übrigens konnte ich bisher „akute Behandlungsbedürftigkeit“ mit 25 Sitzungen behandeln, künftig nur mit 12. Die kann man zwar nochmal um 12 verlängern – aber damit ist erstens trotzdem eine Stunde verloren, außerdem ist der bürokratische Aufwand höher, was wiederum dazu führt, weniger Patienten behandeln zu können. Traurig, aber wahr.

Natürlich gibt es auch jede Menge neuer Formulare, in die wir uns einarbeiten müssen, wobei das vermutlich das geringste Problem sein wird.  Übrigens ist die Finanzierung der neuen Bedingungen bisher noch völlig unklar (2 Wochen vor Beginn) – wird z.B. die vorgeschriebene Telefonzeit vergütet, so dass ich überhaupt jemanden anstellen könnte, der ankommende Anrufe entgegennehmen kann (so wie das vorgeschlagen wird)? Wir werden sehen.

Derzeit wird von unseren Berufsverbänden die Parole ausgegeben, dass bestimmt auch dieses Mal nicht alles so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. Vermutlich wird das stimmen. Hoffentlich.

 

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Susan Graul: „I Do It My Way“

logoIn der Interview-Serie „I Do It My Way“ stelle ich Menschen vor, die einen nicht ganz gradlinigen Weg hinter sich und einiges zu erzählen haben: Diese Interviews sollen Mut machen und aufzeigen, dass „Erfolg“ nicht immer stromlinienförmig aussieht.

Viel Freude damit!


„Storytelling“ – was ist das? Und was ist eine „Storybank-Party Challenge“??? Lesen Sie dieses spannende Interview mit Susan Graul, die über viele Umwege dahin gekommen ist, wo sie sich jetzt richtig wohl fühlt: Sie unterstützt ihre Kunden dabei, ihre eigene Geschichte besser zu verstehen und dann so zu vermitteln, dass auch andere viel damit anfangen können. Denn das ist es, was man unter „Storytelling“ versteht.


Wie haben Sie beruflich gestartet? Warum auf diese Art? Und was ist ihr Beruf, was Ihr wichtigstes Tätigkeitsfeld heute?

Interview mit Susan GraulAls Kind wollte ich unbedingt Rechtsanwältin werden. Ich hatte einen Onkel, der war Strafverteidiger und auf Familienfeiern erzählte er die faszinierendsten Geschichten von seinen Mandanten. Er machte es immer sehr spannend, indem er uns einen Blick hinter die Kulissen gewährte: Was war die ungeschminkte Wahrheit, worin lag die Motivation für die Taten und für welche Verteidigungsstrategie hatte er sich entschieden? Dann durften wir raten, wie das Urteil ausgefallen war. Es war herrlich!

Heute arbeite ich in meinem Traumberuf als Storytelling Beraterin. Das heißt, ich unterstütze Online-Unternehmer dabei, ihr Business mit Hilfe ihrer eigenen Geschichten klar, attraktiv und erfolgreich zu machen. Good Stories, Better Business ist mein Motto.

Witzigerweise empfinde ich meine heutige Arbeit als „same same, but different“ zu dem, was ich mir als Kind unter dem Beruf der Anwältin vorgestellt hatte: Geschichten anhören, Kontext betrachten, Klarheit reinbringen und eine Strategie entwickeln, wie die Kernelemente wirksam vermittelt werden können, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.


Was waren Ihre persönlichen „Meilensteine“ auf Ihrem Weg? Gibt es eine Erfahrung/eine Lehre daraus? Was hat Ihnen geholfen, diese Meilensteine jeweils zu „knacken“/zu überwinden?

Ich bin in Wernigerode im Ostharz, also der damaligen DDR, aufgewachsen und mit 18 war ich noch 1.000 %ig auf Jura und die Laufbahn als Anwältin programmiert. Auch insgesamt rechnete man in meiner Familie oder auch sonst üblicherweise in der DDR wohl eher mit einem klaren Lebensverlauf. Bei mir hielt der Berufswunsch Anwältin allerdings nur bis zum Abbruch meines Jurastudiums Ende des zweiten Semesters vor. Danach hatte ich keine Ahnung was mein neues berufliches Ziel sein sollte.



Darf ich fragen, warum Sie Ihr Jura-Studium abgebrochen haben?

Es war kurz nach der Wende und ich war so hungrig danach, die Welt zu sehen. Ich erinnere mich noch, wie ich im ersten Semester an der Uni in Göttingen die Aushänge und Flyer über Bewerbungen um Auslandssemester las und es klang alles so niederschmetternd kompliziert und unerreichbar. Schließlich teilte ich doch mit 700 anderen Studenten den Hörsaal. Dazu wurden einige Profs nicht müde uns zu erzählen, dass eh nur 1/3 von uns das 1. Staatsexamen schaffen würden … das sah überhaupt nicht nach einem lustigem Studentenleben aus, irgendwie konnte ich mir nicht vorstellen, so meine nächsten Jahre zu verbringen.


Wie ging es denn nach dem abgebrochenen Jurastudium weiter mit Ihnen?

Nach dem Studienabbruch ging ich dann erstmal als AuPair nach Südengland. Dann studierte ich Betriebswirtschaftslehre. Der Abschluss hat dann auch geklappt und war natürlich ein Meilenstein. Während meines BWL-Studiums habe ich dann in den USA und in UK studiert und in Finnland und Spanien ein Praktikum gemacht 😊 All diese tollen Gelegenheiten haben mich absolut durch dieses Studium getragen.

Leider blieb jedoch die Begeisterung für dieses Fach aus. Ich traute mich zwar, weiter nach dem Richtigen für mich zu suchen und war bereit, dafür das Aufgabengebiet, die Branche oder gar die Stadt zu wechseln, doch innerlich bekam ich die Handbremse einfach nicht gelöst, war immer sehr zurückhaltend. Wenn es bei Meetings oder Präsentationen zur Sache ging, zweifelte ich schnell an meinem eigenen Wort, ging immer davon aus, dass andere es besser wüssten, denn ich war ja erst kurz dabei.

2006 entdeckte ich dann die Kunst des Drehbuchschreibens und es eröffnete sich eine völlig neue Welt. Ich liebte es, über Geschichten und Figuren nachzudenken, ins eigenständige Machen und Durchziehen zu kommen und genoss den Kontakt zu anderen Autoren, die sich auch gerne Gedanken zu diversen menschlichen Themen machten.

2008 wurde ich plötzlich gekündigt. Ich arbeitete inzwischen in einem Mode-Startup, das leider nicht funktionierte. Ich bin dort zwar voller Hoffnung und mit einem guten Vertrag eingestiegen aber nach einen knappen Jahr war dann auch schon wieder alles vorbei. Die Firma löste sich kurz nachdem ich entlassen wurde komplett auf.

Daraufhin entschloss ich mich, es beruflich selbst zu versuchen. Mit einer Vollzeit-Anstellung würde ich wohl nicht mehr glücklich. Ich gründete eine Videomarketing- und Imagefilmberatungsfirma. Für ein paar Jahre leistete ich mir den “Luxus der finanziellen Unsicherheit” wie ich es mit einem lachenden und einem weinenden Auge gegenüber Freunden, die weiter die Karriereleiter erklommen, bezeichnete.

Interview mit Susan GraulDoch die finanziellen Einbußen waren irgendwann nicht mehr lustig. Der Berliner Leitspruch „arm aber sexy“ tröstet ein Weilchen , aber dann tut es einfach nur noch weh. Die Lösung lag in einer Mischung aus Teilzeitjob und eigenem Business. Das entspannte so viele Dinge in meinem Businessaufbau, gab Raum fürs Erforschen meiner Stärken und ließ ein Fortschreiten in meinem eigenen Tempo und Stil zu.

Der rote Faden

Mein liebster Meilenstein war jedoch der Aha-Moment, in dem ich die oben erwähnte „Same same, but different“ Story fand. Da saß ich in der Bibliothek am Hackeschen Markt in Berlin, arbeitete am Storytelling für eine Testkundin und plötzlich wurde mir der rote Faden in meinem bisherigen Leben bewusst. Mit Menschen und ihren Geschichten arbeiten, das wollte ich schon immer.

Auf der einen Seite war ich super glücklich darüber, mich endlich beruflich angekommen zu fühlen, auf der anderen Seite tat es mir ein bisschen leid, dass ich bis dahin so oft mit mir gehadert und mir diesen unsteten Weg selbst vorgeworfen hatte. Und dabei hat mich meine Intuition ganz wunderbar geleitet!

Also, die Lehre aus all den Meilensteinen wäre wohl: auch wenn man gefühlt in einer dicken Nebelsuppe herumläuft, kann es gut sein, dass man schon viel weiter auf seinem Weg vorangeschritten ist, als man denkt. Trial and Error ist zwar machmal mühsam aber nie ein Fehler.


Hat Ihr beruflicher Weg Ihr Privatleben beeinflusst? Wie?

Ja, sehr. Es gab immer wieder Freundschaften, die nur über den aktuellen Job funktionierten.

Das war manchmal nicht leicht zu verstehen, doch so ist das eben, auch Freundschaften kommen und gehen und die, die bleiben sind natürlich das Allerschönste!


Ich finde, Sie sind einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Stimmt das aus Ihrer Sicht? Was ist für Sie persönlich das Ungewöhnliche daran?

Worüber ich manchmal staune ist, wie beharrlich ich dran blieb und gewillt war, nach „meinem Ding“ zu suchen, nicht aufzugeben und trotz so vieler innerlicher und äußerlicher Unsicherheiten darauf zu vertrauen, dass ich es schon irgendwie schaffen würde.

Doch letztendlich ist dies wohl einfach eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen, um sich ein authentisches, attraktives und auf langfristigen Erfolg ausgerichtetes Business aufzubauen – jeder Leser möge mal die Geschichten seiner Lieblingsunternehmer anschauen, ich bin sicher da sind etliche solcher Beispiele dabei.


Gab es Kritik an Ihrem Weg und wie sind Sie damit umgegangen?

Für meine Eltern waren die vielen Wechsel nicht leicht und die Enttäuschung über das abgebrochene Jurastudium saß anfangs tief. Da half es teilweise nur, das Thema auch mal auszublenden, einfach im Kontakt so weiter zu machen. Ansonsten traf ich sicherlich häufig auf freundliches Unverständnis. Doch das war absolut ok, ich habe es ja häufig selbst nicht richtig verstanden.


Gab es Zeiten in Ihrem Leben, in denen (auch) Sie gezweifelt haben? Wenn ja: Wie sahen diese Zweifel aus? Warum haben Sie gezweifelt? Und wie sind Sie damit umgegangen, was hat Ihnen besonders geholfen?

Ich habe oft gezweifelt. Mein erklärungsbedürftiger Lebenslauf wuchs und wuchs und die Klarheit zu dem, was ich in meinem Business machen wollte, dauerte deutlich länger als ich es gebraucht hätte. Dankbar bin ich für die Freunde, die mir, auch wenn sie meine Entscheidungen nicht komplett nachvollziehen konnten, bedingungslos herzlich begegnet sind und mich auf vielfältige Weise unterstützt haben. Und ich bin glücklich darüber, einen wundervollen Partner an meiner Seite zu haben, der einfach auf dieser Reise dabei ist und mich sowohl durch seine realistische als auch positive Einstellung bei vielen Entscheidungen unterstützt.


Wenn Sie sich in die Zeit zurückversetzen, in der Sie – sagen wir – 18 Jahre alt waren: Wie hätten Sie über Ihre heutige Situation gedacht?

Interview mit Susan GraulIch würde sagen, ich bin relativ gemütlich aufgewachsen, ohne viel Druck. Meine Eltern waren sehr liebevoll mit mir. Meine schulischen Leistungen waren gut, da gab es wenig Stress und wir alle waren ganz entspannt miteinander. Vielleicht kommt ja daher mein gutes Urvertrauen.

Als ich siebzehn war, kam dann Ostdeutschland gerade frisch zum Westen dazu. Dieses unglaubliche „Jetzt-ist-alles-möglich“ – Gefühl, das da aufkam, war großartig.

Dass man so etwas wie Storytelling Beratung machen kann, war dann aber absolut jenseits meines Horizontes, vielmehr war ich zu der Zeit ja noch komplett auf die Anwaltskarriere ausgerichtet. Dass mein Weg so verlaufen würde, hätte mich eher gewundert – so ein Hin und Her war in der DDR nicht vorgesehen.


Gab es – rückblickend gesehen – einen Moment, an dem Sie sich ganz bewusst für genau diesen Weg entschieden haben? Oder wie verlief das für Sie?

Mit der Entdeckung des Drehbuchschreiben begann für mich ein neuer Abschnitt. Ich wurde innerlich mutiger, selbstbewusster, ich hatte etwas gefunden, hinter dem ich 100% stand. Das bedeutete mir viel und half mir dabei, aus mir raus zu kommen, meine Gedanken und Ideen auszudrücken, mich zu zeigen. 2012 startete ich meinen ersten Blog, auf dem ich Tipps zum Plotting & Pitching von Geschichten für Drehbuchautoren teilte.

Das war auch der Start für meine Reise in der Online-Business-Welt und definitiv der Vorläufer meiner heutigen Arbeit bei Good Stories, Better Business.


Gibt es derzeit ein Thema, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Neben dem Erzählen von Geschichten, finde ich es genau so wichtig, dass wir einander auch immer wieder mal gut zuhören. Geduld füreinander aufbringen und dem anderen Raum geben, einfach zu erzählen. Muss nicht immer alles superwichtig und druckreif gesprochen sein. Im privaten Bereich ist das ein Geschenk, das jeder für jeden in petto haben kann.


Haben Sie einen Tipp für jemanden, der an einem Punkt im Leben steht, an dem er/sie nicht genau weiß, wie es weitergehen soll? An dem er/sie sich vielleicht sehr alleine fühlt?

Sei nicht so hart zu Dir selbst!

Ich habe es oben ja schon ein bisschen beschrieben, Andreas Bourani bringt es mit diesem Lied auch noch mal wunderschön auf den Punkt.


 Das Thema dieser Interview-Serie ist „I do it my Way“, angelehnt an den Titel eines bekannten Frank Sinatra Titels, in dem er seinen Umgang mit Niederlagen und seinen persönlichen Weg beschreibt. Gibt es einen Song, ein Buch, ein Gedicht, ein Kunstwerk oder ähnliches, das Ihre Haltung zu diesem Thema einfängt?

Da mache ich gleich bei der Musik weiter. Sixto Rodriguez, US amerikanischer Singer-/Songwriter mit mexikanischen Wurzeln ist einer meiner Lieblingskünstler. Seine Geschichte ist ziemlich unglaublich und auf jeden Fall sind seine zwei Alben aus den 1970er Jahren brillant, kein Song davon ist bisher alt geworden.

Das Lied “To whom it may concern” handelt davon, nach Enttäuschungen wieder aufzustehen und weiter nach seiner Liebe zu suchen. Ich denke das gilt genauso für das Traumbusiness, nach dem wir uns auch sehnen:

Don’t sit and wait
. Don’t sit and dream
. Put on a smile
. Go find a scene
. I’m sure you’d meet
. Someone who would really love you.
Don’t sit and hope
. Don’t sit and pine
. If you’ve been hurt
. Make up your mind. 
I’m sure you’d find
. Someone who would really love you.
I don’t know why you sit around. 
I only know if love is gone
. Don’t sit alone with your pride.
To whom this may concern to say
. Don’t wait for love to come your way. 
Don’t waste your time
. Make up your mind
. And make it happen.
I don’t know why you sit around. 
I only know if love is gone
. Don’t sit alone with your pride. 
Listen to me and you would see
. Just how fine your romance could be.
I don’t know why you sit around
. I only know if love is gone. 
Don’t sit alone with your pride
. Listen to me and you would see
. Just how fine your romance could be.


Gibt es noch etwas, das Ihnen für dieses Interview wichtig ist?

Ja. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Geschichten führt vor allem auch erstmal zu sich selbst und legt ganz viel Kraft und Energie frei, um sein Leben stimmig zu gestalten.

Meiner Arbeit liegen drei Annahmen zu Grunde, die ich gerne den Lesern mit auf den Weg geben möchte:

1.) Unsere Geschichten sind unser größtes Kapital

2.) Wenn wir unsere Geschichten erzählen, werden wir gefunden – und zwar (auch) von unseren Traumkunden

3.) Wir alle tragen erzählenswerte Geschichten in uns, auch wenn wir nicht alle das Glück haben, dass eine alles überspannende Signature Story (= ine Geschichte die auf Anhieb Kernelemente einer Person oder eines Businesses vermittelt) dabei ist.

Der einzige Fehler, den man beim Storytelling machen kann ist, Storytelling zu ignorieren.


Ganz herzlichen Dank für dieses interessante Interview, bei dem ich wieder viel gelernt habe! Wie können unsere Leser/innen Sie im Internet finden?

Meine Website ist www.susangraul.de

Bei Twitter bin ich derzeit noch hier zu finden und bei facebook hier.

Alle Fotos, Links, Texte: susangraul.de


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Isabella von Philippovich: „I Do It My Way“

logoIn der Interview-Serie „I Do It My Way“ stelle ich Menschen vor, die einen nicht ganz gradlinigen Weg hinter sich und einiges zu erzählen haben: Diese Interviews sollen Mut machen und aufzeigen, dass „Erfolg“ nicht immer stromlinienförmig aussieht.

Viel Freude damit!


„Sich vermarkten“ klingt für mich nicht wirklich nach etwas Gutem. So, als würde man lügen oder die eigenen Leistungen aufbauschen –  um sein Gegenüber mit eher unlauteren Methoden von sich zu überzeugen. Ich bin froh, dass mich Isabella von Philippovich eines Besseren belehrt hat. Sie ist Marketing-Expertin aus Leidenschaft und davon überzeugt, dass Marketing nur dann funktioniert, wenn man authentisch ist und seine Persönlichkeit zeigt – und nicht, wenn man so tut „als ob“. Ich freue mich sehr, dass sie uns hier einiges über sich und Ihre Gedanken erzählt.


Wie haben Sie beruflich gestartet? Warum auf diese Art? Und was ist ihr Beruf, was Ihr wichtigstes Tätigkeitsfeld heute?

authentisches Marketing

Photo von: Swandhild Kruckelmann

Ich habe als Unternehmensberaterin im strategischen Marketing gestartet und es über etliche Jahre geliebt. Ich habe die verschiedensten Orte gesehen, mit tollen Kollegen zusammengearbeitet un lösungsorientierte und langfristig Marketingstrategien entworfen. Dazu Projektvorhaben und Prozesse moderiert und dabei irsinnig viel gelernt und ausprobieren können. Das lag mir und passte auch gut zu meinen damaligen beruflichen Vorstellungen. Es war ein glücklicher Zufall, man hat mich direkt von der Uni abgeworben und ich war dankbar, diese Erfahrungen machen zu dürfen.

Nach ein paar Jahren habe ich gewissermaßen die Seite gewechselt und den Schritt in die Tourismusbranche gewagt. Ich wurde Geschäftsführerin einer Marketingorganisation und hatte nicht nur ein Team von Mitarbeitern zu führen, sondern auch das Unternehmen völlig neu zu strukturieren. Das war auch schon ein Vorgschmack auf die Selbstständigkeit, denn als Geschäftsführung einer GmbH ist man mit allen Rechten, Pflichten und der Verantwortung die man trägt sehr nah am Unternehmertum.

Heute bin ich rundherum meine eigene Chefin und verbinde meine Erfahrung aus diesen beiden – für mich nach wie vor hochspannenden – beruflichen Phasen in meinem eigenen Unternehmen. Dem Thema Marketing bin ich treu geblieben, nur die Perspektive hat sich verändert. Ich helfe Persönlichkeiten und Menschen, die ihr Profil schärfen möchten, ihr Personal Branding zu entwickeln und sich damit authentisch zu vermarkten, ohne das ganze innere Unbehagen das dabei entstehen kann, und welches viele davon abhält mit ihren Talenten nach außen zu treten. Im Kern geht es eben um Business mit Persönlichkeit.


Was waren Ihre persönlichen „Meilensteine“ auf Ihrem Weg? Gibt es eine Lehre daraus? Was hat Ihnen geholfen, diese Meilensteine jeweils zu überwinden?

Zwei Meilensteine markieren meinen Weg bis zu dem Punkt an dem ich heute stehe.

Zum einen hatte ich schon sehr jung eine hohe Führungsverantwortung für Mitarbeiter und Projekte, ich war quasi immer gleich Chefin, es fehlten die bei anderen üblichen Zwischenschritte. Das war Fluch und Segen zugleich und es hat mich in jedem Fall zur Weiterentwicklung angetrieben. Daraus habe ich für mich mitgenommen, dass ich mir viel zutrauen kann, denn die Dinge ergeben sich immer aus der Notwendigkeit und der Sache heraus.

Zum anderen stand und arbeitete ich im Lichte der Öffentlichkeit. Ich wurde zu einer öffentlichen Person aufgrund meiner Position. Leider ging jedoch das öffentliche Interesse weit darüber hinaus. Das war ungewohnt und eine Lernkurve, um eine Balance zu finden zwischen mir und der Rolle, die ich ausfüllte. Diese Herausfoderung und Erfahrung hat mich schlussendlich zu dem geführt, was ich heute mache. Nämlich Menschen zu helfen mit der gewollten oder ungewollten öffentlichen Aufmerksamkeit umzugehen, sich selbst dabei treu zu bleiben und eben nicht zu verbiegen und dabei die Kontrolle zu behalten, wie man in der Öffentlichkeit gesehen wird.


Hat Ihr beruflicher Weg Ihr Privatleben beeinflusst? Wie? 

Ich denke das ist untrennbar miteinander verbunden. In meinem Fall hatte das zeitweise durchaus seine Kehrseite. Als öffentliche Person ist man Projektionsfläche für allerlei Erwartungen. Ich habe versucht meine Aufgabe bestmöglich auszufüllen, beruflich und privat war schwer zu trennen, bis ich irgendwann merkte, dass ich zu dieser Rolle wurde. Das war natürlich auch ein Schutz, aber ich spielte eine Rolle in einem Stück, das ich nicht selbst geschrieben hatte.

Mittlerweile laufe ich nicht mehr in einem fremden Hamsterrad, sondern bin gerne Unternehmerin, da gerate ich nicht mehr so leicht aus dem Gleichgewicht, denn ich kann mir Dinge viel freier einteilen. Das ist ein Riesenvorteil für mich im Vergleich.


Ich finde, Sie sind einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Stimmt das aus Ihrer Sicht? Was ist für Sie persönlich das Ungewöhnliche daran?

 

Ungewöhnliche Wege ergeben sich, man kann sie nicht absichtlich gehen. Gemessen an geradlinigen Karrierewegen, wo sich ein Schritt aus dem nächsten logisch ergibt, mag mein Weg eher von Umwegen geprägt sein, aber aus meiner Sicht und für mich nicht weniger sinnvoll. Wo wir beim Bild des Weges sind: Ich hatte immer die Einstellung meinen Weg mit offenen Augen und einer gehörigen Portion Flexibilität zu gehen. Denn wer weiß, welche Chance an der nächsten Weggabelung warten kann und so war es häufig bei mir. Und letztendlich haben mich die Umwege zu meinem heutigen Weg geführt.


Gab es Kritik an Ihrem Weg und wie sind Sie damit umgegangen?

Kritik gab es permanent an meiner Rolle bzw. wie ich sie ausgefüllt habe. Wie in der Politik oder im Fußball hat jeder eine Meinung, wie es sein müsste. Von daher bin ich es gewöhnt, mit Kritik umzugehen und das sachlich und nicht persönlich zu nehmen. Das versuche ich auch immer meinen Klienten zu vermitteln, dass es okay ist zu polarisieren und für seinen Standpunkt und das was einem wichtig ist einzustehen, um nicht in der Masse unterzugehen.


Gab es Zeiten in Ihrem Leben, in denen auch Sie gezweifelt haben? Wenn ja: Wie sahen diese Zweifel aus? Warum haben Sie gezweifelt? Und wie sind Sie damit umgegangen, was hat Ihnen besonders geholfen?

Zwangsläufig, das bleibt ja nicht aus! Und passiert regelmäßig immer wieder. Das gehört zum Unternehmerdasein wie natürlich aus zum Menschsein dazu! Und es schadet auch nicht, sich ab und an auch neu zu hinterfragen. Glücklicherweise lerne ich ja seit meinen Berufsanfängen ständig dazu, wie ich mein Leben entspannen und die Gedanken freier machen kann. Da sind auch Methoden dabei, die ich, wenn die Zweiflerei größer wird nutze und mit denen ich z. B. negative Glaubensmuster aus dem Weg räume. Das klappt bei mir und auch bei meinen Klienten, bei denen ich diese Methoden bei Bedarf auch anwende. Daran kann ich dann selbst spüren wie effektiv das ist und positiv aufgeladen und voller Tatendrang die nächsten Herausforderungen angehen.


Wenn Sie sich in die Zeit zurückversetzen, in der Sie – sagen wir – 18 Jahre alt waren: Wie hätten Sie über Ihre heutige Situation gedacht? Hatten Sie eine Ahnung davon, geplant/gedacht/gehofft, dass Sie diesen Weg gehen würden?

Mir war immer klar, dass ich etwas schaffen und gestalten will. Wie das aussehen könnte, davon hatte ich damals keine Idee, aber das Grundgefühl war da.


Gab es – rückblickend gesehen – einen Moment, an dem Sie sich ganz bewusst für genau diesen Weg entschieden haben? 

Ja, nachdem ich meine öffentliche Position verlassen hatte wusste ich, dass ich auf ähnliche Art nicht weitermachen wollte, und der Zeitpunkt gekommen war etwas Neues zu kreieren. Daraus ist Business with Personality entstanden. Über die Jahre habe ich viele Menschen erlebt, die fachlich wunderbare Experten sind, aber extreme Mühe haben, das rüber zu bringen und sich selbst zu präsentieren. Darunter auch Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit stehen. Teilweise auch solche, die ein angelerntes Auftreten haben, was einfach farblos wirkt. Damit fehlt diesen Persönlichkeiten die Strahlkraft, die sie eigentlich für sich und ihre Arbeit bzw. ihr Anliegen in der Welt benötigen. Dahingegen gibt es andere, die mit Geschwafel viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen und scheinbar mehr Kompetenz vermitteln. Deshalb habe ich mir zum Ziel gesetzt, Menschen zu helfen ihre Präsenz und ihr Personal Branding zu entwickeln, ohne sich verbiegen zum müssen und dem eigenen Stil und der eigenen Persönlichkeit treu zu bleiben. Ich sage immer, Persönlichkeit ist das beste Marketing!


Eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt, lautet: Wie findet man neue, spannende Ziele, wenn ein ursprüngliches Ziel erreicht ist? Wie lautet Ihre Antwort darauf?

Für mich ist die Frage vielmehr, wie schaffe ich es alle Ziele die ich habe umzusetzen bzw. in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen, um sie alle zu erreichen. Ich persönlich glaube, dass es an Zielen nie mangelt. Manche tauchen ganz unvermittelt auf.


Gibt es derzeit ein Thema, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

authentisches Marketing

Ja, echtes Marketing. Und das ist wirklich ein Herzensthema für mich. Es gibt so viele Missverständnisse über Marketing, die Menschen davon abhalten sich der guten Seiten des Marketings zu bedienen. Zum einen will ich das aufräumen und – noch viel wichtiger – zeigen, wie man sich ehrlich und authentisch vermarkten kann. Und zwar ohne das Gefühl haben zu müssen anderen eine Bären aufzubinden, zu manipulieren oder gar sich selbst zu verbiegen um in ein vermeintlich vermarktbares Schema zu passen. Das ist alles Quatsch! Und ich glaube felsenfest, dass authentisches Marketing der einzige Weg zu langfristigem Erfolg ist. Zudem glaube ich das Echtheit und Authentizität der neue Maßstab im Marketing ist. Heutzutage kann jeder sich im Internet darstellen wie er mag und da ist häufig mehr Schein als Sein dabei. Fake riecht 10 Meilen gegen den Wind und die Leute merken das zunehmend.


Work-Life-Balance ist für viele ein großes Thema. (Wie) schaffen Sie das bzw. welchen Tipp können Sie aus Ihrer Erfahrung zu dieser Herausforderung geben?

In arbeitsintensiven Phasen hilft es mir immer sehr zu wissen, dass es eine Phase danach geben wird, in der Zeit für Entspannung und Muße ist. Ich brauche diese Perspektive, die trägt mich durch Anspannung und Intensität. Wichtig ist nur, sich dann die Entspannung und das Vergnügen auch wirklich zu gönnen. Langfristig aus der Balance zu sein hindert den Zugang zu Inspiration und Kreativität, allein schon deshalb ist es wichtig auf sich selbst zu achten und sich auch Gutes zu tun, damit die eigene Quelle nicht versiegt.


Haben Sie einen Tipp für jemanden, der an einem Punkt im Leben steht, an dem er/sie nicht genau weiß, wie es weitergehen soll? An dem er/sie sich vielleicht sehr alleine fühlt?

Eine meiner Überzeugungen ist, dass sich immer eine Lösung findet. Manchmal ist es auch so, dass man sie einfach nur zulassen muss. Bisher hat sich das in meinem Leben immer bewahrheitet und ich habe erfahren, dass ich aus jeder schwierigen Situation gestärkt hervorgehe, ob beruflich oder privat. Heute begleitet mich diese Einstellung im Hinterkopf in schwierigen Momenten und Phasen. Das macht es gefühlt natürlich in keiner Weise einfacher, aber ein kleines Bisschen zuversichtlicher schon. Zum anderen bin ich die Akteurin meines Lebens und führe Regie. Andere für Missstände in meine Leben verantwortlich zu machen ist auf Dauer wenig hilfreich, deshalb bevorzuge ich den aktiven Part und frage mich, was kann ich lernen und wie kann ich zu einer guten Lösung kommen. Zu diesem Perspektivwechsel kann ich nur jeden ermuntern.


Das Thema dieser Interview-Serie ist „I did it my Way“, angelehnt an den Titel eines bekannten Frank Sinatra Titels, in dem er seinen Umgang mit Niederlagen und seinen persönlichen Weg beschreibt. Gibt es einen Song, ein Buch, ein Gedicht, ein Kunstwerk oder ähnliches, das Ihre Haltung zu diesem Thema einfängt? 

Das Gedicht “Vorschlag” von Günter Kunert hat eine dynamische Kraft und bringt unsere Vergänglichkeit aber auch unser Entfaltungspotenzial im Leben gut auf den Punkt, wie ich finde.

Vorschlag

Ramme einen Pfahl
in die dahinschießende Zeit.

Durch Deine Hand rinnt der Sand
und bildet Formlosigkeiten,
die sogleich auf Nimmerwiedersehen
in sich selbst einsinken:
vertanes Leben.

Was Du nicht erschaffst, du
bist es nicht. Dein Sein, die Gleichung
nur für Tätigsein: Wie will denn
wer nicht Treppen zimmert
über sich hinausgelangen?
Wie will heim zu sich selber finden,
der ohne Weggenossen?

Hinterlass mehr als nur die Spur
deiner Tatze, das Testament
ausgestorbener Bestien, davon die Welt
übergenug schon erblickt.

Ramme einen Pfahl ein. Ramme
einen einzigen, einen neuen Gedanken
als geheimes Denkmal
deiner einmaligen Gegenwart
in den Deich
gegen die Flut.

Günter Kunert

Das Gedicht ist auch online zu finden, z.B. hier.


Wie können unsere Leser/innen Sie im Internet finden (Website, Blogs, Facebook, twitter etc)?

Bisher läuft bei mir alles auf Englisch, so langsam fange ich aber an, Dinge ins Deutsche zu bringen und auch mit deutschsprachigen Klienten zu arbeiten. Deshalb bitte nicht davon abschrecken lassen, das meine Website und die Socialmediakanäle (bisher) nur auf Englisch sind.

Hier ist meine Website zu finden, hier findet man mich auf facebook. Hier gibt es eine Facebook-Gruppe zum Thema, die ich initiiert habe, und hier bin ich auf Twitter zu finden.

 


Vielen Dank für dieses interessante Interview!

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Nina K. Roberts: „I Do It My Way“


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In der Interview-Serie „I Do It My Way“ stelle ich Menschen vor, die einen nicht ganz gradlinigen Weg hinter sich und einiges zu erzählen haben: Diese Interviews sollen Mut machen und aufzeigen, dass „Erfolg“ nicht immer stromlinienförmig aussieht.

Viel Freude damit!


Nina K. Roberts nennt sich „Karriere Stylistin“ – das ist eine Berufsbezeichnung, die ich noch nie gehört habe, die aber sehr spannend und außergewöhnlich für mich klingt. Ich freue mich sehr, dass sie uns hier verrät, was sich dahinter verbirgt und wie ihre persönliche Entwicklung sie zu dahin gebracht hat.


Wie haben Sie beruflich gestartet? Warum auf diese Art? Und was ist ihr Beruf, was Ihr wichtigstes Tätigkeitsfeld heute?

#IDoItMyWay @Frl_KarriereMit klassischer Schulbildung konnte ich zu meinen Teenager Zeiten leider nicht viel anfangen. Denn ich hatte das Gefühl, dass alles was ich lernen wollte, alles an dem ich interessiert war und für mein Leben wissen wollte, nicht in meinem Gymnasium unterrichtet wurde.

Also habe mich mit 17 heimlich an einem College in London beworben, um Interior Design zu studieren – kurz danach saß ich im Flieger nach London, um das Studium zu beginnen. Wunderbares Studium, das ich abschloss und eine wahnsinnig wichtige Entscheidung für mich damals. Ich liebte Kunst, Design und Architektur, hatte großes Interesse für Geschichte, und all dies kam sehr gut in dem Studium zusammen. Aber ich wusste damals nicht, ob ich das mein Leben lang oder überhaupt beruflich tun wollte.

Das war ja schon einmal ein mutiger und ungewöhnlicher Start. Wie ging es dann weiter?

Während des Studiums hatte ich begonnen, für das Londoner Kaufhaus Harrods zu arbeiten. Dort  habe ich  zum ersten Mal perfekte Rekrutierungsschritte (alsoPersonalbeschaffungsstrategien & Bewerbermanagement), Bewerberauswahlverfahren und auch hochprofessionelles Employerbranding (also Arbeitgebermarketing) erleben dürfen. Und zwar zuerst als Bewerberin und dann als Mitarbeiterin. Ich  war sofort Feuer und Flamme für das Thema.

Dazu ist zu sagen, dass meine Mutter früher selbständige Unternehmerin war und seit ich gerade mal laufen konnte habe ich immer sehr viel Zeit in ihren Büros verbracht. Ich habe Meetings gelauscht, Mitarbeitertrainings beobachtet, stundenlangen Telefonaten zugehört. Erst später habe ich realisiert was ich dort über Jahre hinweg rein durch zuhören, erleben und beobachten alles lernen durfte – jahrelang machte ich mir Gedanken, weil ich über keine `klassische´ kaufmännische Ausbildung oder das alles-abdeckende BWL Studium verfügte, dabei hätte ich eine bessere Management-Ausbildung nicht haben können. Nach dem Studium zurück in Deutschland, wo ich in verschiedenen Jobs in die Personalarbeit reinschnupperte, wurde mir eine Stelle bei einem internationalen Personaldienstleistungsunternehmen angeboten, die ich annahm. Die folgenden 10 Jahre war ich erfolgreich im Bereich des Rekrutierungsmanagements und Beratung von nationale und internationale Unternehmen tätig.

Heute arbeite ich als selbstständige Karriere Stylistin und Mentorin für Frauen, die sich in ihren Beruf und Karriere wieder neu verlieben wollen.

Liebe Dein LebenIch begleite Karriereveränderungswege, berate bei Bewerbungsprozessen von Auswahl der Position bis zur Gehaltsverhandlung oder unterstütze auch kleine Unternehmen dabei ihre Rekrutierung bestmöglich anzugehen, und die richtigen Mitarbeiter zu finden. Es gibt viele klassische Karriereberater da draußen, dem bin ich mir bewusst und auch, dass ich eine sehr bestimmte Gruppe von Frauen anspreche. Mir geht es bei meiner Arbeit darum den persönlichen Service und Beratung anzubieten, von dem ich die letzten 10 Jahre immer wieder sah, wie dringend er von manchen Frauen benötigt und gesucht wird und den ich mir selbst zu Start meiner Karriere gewünscht hätte.


Hat Ihr beruflicher Weg Ihr Privatleben beeinflusst? Wie?

Definitiv hat es das. Für mich hat erfolgreiche berufliche Entwicklung auch mit erfolgreicher, stets glücklicher persönlicher Entwicklung zu tun und umgekehrt. Speziell in meinem Beruf konnte ich immer wieder sehr nah sehen, dass Erfolg im Job und Glücklich im Job zwei sehr unterschiedliche Dinge sind, und leider sehr oft miteinander verwechselt werden.

Auch hat mein privates Leben mein berufliches Leben geprägt: Während ich eines Abends mit meinem Ehemann japanisch essen war und wieder leidenschaftlich philosophierte über meine Idee der Methode des Karriere Stylings – eine glückliche und erfolgreiche Karriere für Frauen – von innen, von außen und auf dem Papier! begann er mir so viele Fragen dazu zu stellen und zu hinterfragen, bis ich am Ende des Gespräches merkte, dass er versuchte mir klarzumachen, dass ich keine Argumente mehr hatte (die ich lange versuchte mir selbst einzureden), die gegen meine Idee der Selbstständigkeit und Leidenschaft sprachen. Er sagte: You gotta walk your talk! und mir war sofort klar, was das für mich bedeutete. Am nächsten Tag startete ich damit das Konzept für meine Selbstständigkeit niederzuschreiben und mit meiner Homepage. Also ja, beruflicher Weg und Privatleben haben einander schon oft beeinflusst.


Ich finde, Sie sind einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Stimmt das aus Ihrer Sicht? Was ist für Sie persönlich das Ungewöhnliche daran?

canva-photo-editor (1)Ja, das könnte man so sagen… Oft ist mein Weg aber für andere Menschen wesentlich ungewöhnlicher als er mir erscheint, denn für mich ist es einfach mein eigener Weg, der hoffentlich noch lange nicht zu Ende ist.

Im Auge des Betrachters gelten Punkte wie mit 17 alleine nach England zum Studieren gezogen, mit einem Design Studium eine Karriere im Personalbereich gestartet ohne jegliche klassische kaufmännische Ausbildung damals, eine Selbstständigkeit zu wagen wenn man doch eine sichere Anstellung und Karriere haben könnte oder einen Mann zu heiraten, mit dem man auf Grund seines Berufs maximal 3 Jahre an einem Ort auf der Welt verbringen wird, oft als ungewöhnlich…für mich ist es einfach mein Leben, das ich gegen nichts in der Welt eintauschen wollen würde.


Gab es Kritik an Ihrem Weg und wie sind Sie damit umgegangen?

Die gab es, gibt es bestimmt auch immer noch und wird es immer geben. Konstruktive Kritik kann immer weiterhelfen, voranbringen oder vor Fehlern bewahren. Kritik um Kritik auszuüben wiederum…weniger schön. Meist wenn man das, was für die nächste Umgebung im Leben als Gewohntes erscheint verlässt und etwas Neues wagt, stößt man auf diese Form der Kritik. Veränderung ist für viele Menschen schwer und wenn wir uns verändern, dann kann das leicht auf Kritik stoßen. Auch ich muss mir immer wieder bewusst machen, dass es unmöglich und auch nicht sinnvoll ist, es allen Menschen recht zu machen aber auch, dass es Kritik gibt, für die ich offene Ohren und ein offenes Herz haben muss.


Gab es Zeiten in Ihrem Leben, in denen Sie auch gezweifelt haben? 

Momente des Zweifelns sind vollkommen menschlich und dem muss man sich bewusst sein. Wenn ich zu wenig geschlafen habe und zu wenig Zeit mich alleine habe zum Beispiel, dann können sich Gedanken des Zweifels auch schnell bei mir breit machen. Wir alle kennen das, erst ist es nur ein Mini-Gedanke, ein Art Gedankenfetzen, der dann heimlich aber schnell mehr Zweifel wie magisch anzieht. Gegen Zweifel anzukämpfen sehe ich als vergeudete Energie. Für mich ist es besser sie zu erkennen, sie kurz zu würdigen, mir klar zu machen was in meinem Leben die Zweifel gerade hervorruft und mich ganz bewusst etwas zu widmen, dass mich entweder aus meiner Komfortzone bewegt, denn das benötigt meist Mut. Oder mich ganz bewusst etwas zu widmen, dass mich tief erfreut. Und schon verpuffen diese Zweifel von ganz alleine.


Wenn Sie sich in die Zeit zurückversetzen, in der Sie – sagen wir – 18 Jahre alt waren: Wie hätten Sie über Ihre heutige Situation gedacht? Hatten Sie eine Ahnung davon, geplant/gedacht/gehofft, dass Sie diesen Weg gehen/an diesem „Ort“ landen würden?

Jein…haha. Mit 18 lebte ich in London, studierte, genoss mein Leben in vollen Zügen und habe nicht viel darüber nachgedacht wie ganz genau mein Leben mit 34 aussehen könnte. Aber ich wusste immer wie mein Weg/mein Leben sich anfühlen sollte, wie ich mich in meinem Leben fühlen möchte. Dafür hatte ich immer eine klare Vision. Auch heute mache ich mir keine Gedanken für einen ganz genauen Plan, darüber wie mein Leben in 30 Jahren genau aussehen soll. Aber ich weiß ganz genau wie mein Weg dahin sich anfühlen soll, wer ich auf diesem Weg sein möchte, wie ich mich in meinem Leben fühlen möchte. Das ist für mich auch immer ein sehr gutes Barometer um festzustellen, ob ich auf dem richtigen Weg bin oder vielleicht abgekommen bin…Wie fühle ich mich? Fühle ich mich gut, glücklich, voller Begeisterung, dann bin ich auf dem richtigen Weg. Sind meine Gefühle längerfristig nicht so, dann müsste ich definitiv meinen Weg neu gestalten.


Gab es – rückblickend gesehen – einen Moment, an dem Sie sich ganz bewusst für genau diesen Weg entschieden haben? Oder wie verlief das für Sie?

Nein, es gab nicht einen speziellen Moment, an dem ich mich ganz bewusst für diesen Weg entschieden habe. Vielmehr unzählige kleine Momente, Entscheidungen, Erfahrungen und Ah-Momente, die mich immer wieder weitergehen, stehen bleiben, Abkürzungen nehmen oder rechts / links abbiegen ließen auf meinem Weg bis heute.


Eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt, lautet: Wie findet man neue, spannende Ziele, wenn ein ursprüngliches Ziel erreicht ist? Wie lautet Ihre Antwort darauf?

Spannende Frage, wirklich! Ich glaube, dass es hier für verschiedene Menschentypen verschiedene richtige Antworten gibt. Die alles erklärende Antwort hierzu habe auch ich nicht. Kundinnen hilft es oft weiter, wenn wir vorab eine Art aktuell generelles Lebenszielthema/-motto festlegen, etwas an dem sich dann alle anderen Ziele orientieren. So entwickeln sich immer automatisch neue Etappenziele, das funktioniert für das private wie das berufliche Leben sehr gut.


Gibt es derzeit ein Thema, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Es sind immer die gleichen Themen, die mich rumtreiben und mir wahnsinnig am Herzen liegen: Dass Frauen sich wieder trauen Karriere machen zu wollen, ganz entspannt und ohne schlechtes Gewissen. Dass Karriere nicht bedeutet, dass man mit Ellenbogen raus, im schwarzen Hosenanzug und null eigener Persönlichkeit und ohne Rücksicht auf Verluste eine steile Karriereleiter erklimmen muss, um das Gefühl von Karriere zu haben. Dass Karriere ganz viel mit Selbstwert zu tun hat. Dass speziell wir Frauen uns nicht immer unter Wert verkaufen, ob in den Jobs, die wir wählen, in Bewerbungsgesprächen oder Gehaltsverhandlungen. Dass man wahnsinnig weiblich Karriere machen darf.


Work-Life- Balance ist für viele ein großes Thema. (Wie) schaffen Sie das bzw. welchen Tipp können Sie aus Ihrer Erfahrung zu dieser Herausforderung geben?

Ich liebe die Frage, denn ich muss gestehen, dass ich kein großer Fan der Begrifflichkeit `Work-Bindestrich- Life-Bindestrich- Balance` bin…und das aus zwei Gründen.

Zum einen habe ich in meiner HR-Arbeit die Erfahrung gemacht, dass das Wort Balance vielen Menschen unbewusst Druck vermittelt, dass sie hier ständig zwischen zwei Themen, die ihnen sehr unterschiedlich erscheinen, die Waage finden und dann halten müssen.

Zum anderen bringt für mich der Work-Life- Balance eine so starke Separierung der Wörter Arbeit und Leben mit sich. Genau wie mit dem Wort Karriere verbinden wir heute mit dem Wort Arbeit meist viele negative Gefühle. Als ginge es um Leben ODER Arbeit. Ich sehe es mehr als Integration und Zusammenspiel von beiden. Wenn wir uns einreden, dass es Work-Life- Balance ist, wenn wir um 17.00 Uhr gestresst mit dem Handy noch am Ohr aus dem Büro rennen in der Hoffnung, dass pünktlich zum Start des 17.30 Uhr-Pilateskurs im Sportstudio die Entspannung und Work-Life-Balance auf Knopfdruck einsetzt (überspitzt gesagt), dann hat das für mich wenig mit Balance und Wagen halten zu tun.

Für mich selbst war es wichtig und wahnsinnig entspannend zu erkennen, dass ich nicht immer alles in Balance haben muss und dass es viel mehr eine entspannte Integration und Zusammenspiel von Arbeit und Leben ist, ob als Angestellte oder Selbstständige und dem privaten Leben. LifeWork…WorkLife…es ist Eins und für möglich entspannt eins zu sein, wenn ich auch wieder Wert in dem was ich tue finde. Meine Arbeit besteht auch darin Menschen zu zeigen, dass ein glückliches und erfolgreiches Zusammenspiel immer möglich ist.


Haben Sie einen Tipp für jemanden, der an einem Punkt im Leben steht, an dem er/sie nicht genau weiß, wie es weitergehen soll? An dem er/sie sich vielleicht sehr alleine fühlt?

Es mag sich wie ein abgedroschener Kalenderspruch anhören aber es ist so wahnsinnig wahr – Frage Dich: was soll ich in der aktuellen Situation lernen? Wenn Du nicht weiter weißt dann suche externen Rat. Wenn unser Auto liegen geblieben ist, dann rufen wir auch die Werkstatt an, holen uns Hilfe und lassen es nicht einfach da, wo es liegen geblieben ist, zurück. Es geht immer weiter! Meist wissen wir nur nicht wie es weitergehen soll, weil unser Kopf noch keine neue, schönere Version und Vision unserer Zukunft ausgemalt hat, also beginne damit! Mache einen Schritt, den ersten Schritt. Mache den ersten Schritt und es wird sich ein Weg finden, es wird sich dein Weg finden.

Wie können unsere Leser/innen Sie im Internet finden?

Online bin ich über www.ninakroberts.de zu finden sowie bei Facebook  und  Twitter .

Ich lebe und liebe meinen Job, also bitte schickt mir einfach eine Email oder meldet Euch bei mir solltet Ihr das hier lesen und Fragen haben. Ich freue mich über jeden persönlichen Kontakt.


Vielen herzlichen Dank, liebe Nina K. Roberts für diese interessanten Gedanken. Ich wusste bisher nicht, dass es eine solche Form der Karriere-Beratung gibt!

Veröffentlicht unter I do it my Way, Interviews | Kommentare deaktiviert für Nina K. Roberts: „I Do It My Way“

Nathalie de Ahna: „I Do It My Way“

logoIn der Interview-Serie „I Do It My Way“ stelle ich Menschen vor, die einen nicht ganz gradlinigen Weg hinter sich und einiges zu erzählen haben: Diese Interviews sollen Mut machen und aufzeigen, dass „Erfolg“ nicht immer stromlinienförmig aussieht.

Viel Freude damit!


Nathalie de Ahna ist ein ganz wunderbares Beispiel für einen Menschen, der nicht in die üblichen Schablonen passt. Sie hat viele Interessen – zu viele vielleicht, für einen 0/8/15-Weg. Aber für das, was Sie heute macht, ist sie damit bestens aufgestellt.

Ich freue mich sehr über das Interview mit Nathalie de Ahna.


Wie haben Sie beruflich gestartet? Warum auf diese Art? Und was ist ihr Beruf, was Ihr wichtigstes Tätigkeitsfeld heute?

nathalieAls typische „Unternehmerin mit vielen Leidenschaften“ habe ich eine ganze Reihe an Studiengängen und Ausbildungen hinter mir: Mein Examen habe ich für das Gymnasiallehramt in Englisch und Französisch gemacht, danach kam die zertifizierte Wirtschaftsübersetzerin mit eigener Agentur (die habe ich übrigens heute noch).

Nach der Geburt meiner Kinder habe ich ein Studium zur orthomolekularen Ernährungstherapeutin absolviert mit Zusatzausbildung in Phytotherapie und Homöopathie.

Zudem bin ich NLP Master Practitioner, studiere gerade Hypnotherapie und bringe mir im Prinzip alles selber bei, was ich für meine Online-Unternehmen brauche.

Mein Schwerpunkt liegt heute bei meiner Seite www.pimpyourvisuals.com, wo ich DIY Unternehmern, die sich systematisch und ohne angsteinflößende Investitionen ihr eigenes Business aufbauen möchten, unter die Arme greife.


Was waren Ihre persönlichen „Meilensteine“ auf Ihrem Weg? Gibt es eine Erfahrung/eine Lehre daraus? Was hat Ihnen geholfen, diese Meilensteine jeweils zu „knacken“/zu überwinden?

Ein ganz großer Meilenstein war meine Bruchlandung in der Notaufnahme. Dahin hatte es mich mit Verdacht auf Herzinfarkt verschlagen – in der Nacht vor dem 6. Geburtstag meines Sohnes. Ich war alleine, angeschlossen an ein Dutzend Maschinen, und davon überzeugt, dass ich den nächsten Morgen nicht mehr erleben würde. Nach dieser Nacht hatte sich endlich bei mir eingebrannt, was wir natürlich alle wissen, aber nur allzu gerne ignorieren:

Kein Job, Projekt oder Kunde der Welt ist es Wert, die eigene Gesundheit auf‘s Spiel zu setzen.

Auch wenn ich noch nicht ganz so entspannt bin, wie ich es gerne wäre, arbeite ich seitdem deutlich anders und versuche, den Unternehmer-Wahnsinn mit viel Sinn für die Realität und einer kräftigen Prise Humor aufzumischen.


Hat Ihr beruflicher Weg Ihr Privatleben beeinflusst? Wie?

Eigentlich ist es bei mir vor allem umgekehrt: mein Privatleben hat immer meinen beruflichen Weg beeinflusst. Ich war schon immer etwas eigensinnig und schrullig, von daher war früh klar, dass ich in einem Büro vollkommen fehl am Platz sein würde. Interessen und Leidenschaften habe ich so einige, und da ich außerdem an unheilbarem „Ideendurchfall“ leide, liegt es bei mir immer nahe, dass ich das, woran ich Spaß habe, auch zu meinem Beruf mache. Phasenweise wurden mir meine Projekte zwar wie gesagt zu viel, aber die Lektionen, die ich daraus gelernt habe, teile ich nun wiederum mit meinen Kunden.

Wie heisst es so schön? Es passiert ja nichts ohne Grund…


Ich finde, Sie sind einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Stimmt das aus Ihrer Sicht? Was ist für Sie persönlich das Ungewöhnliche daran?

Das Besondere an meinem Weg ist, dass mir nach Umwegen wieder bewusst wurde, was mir eigentlich von Anfang an klar war: Ich passe nicht ins Schema F und „Erfolgsformeln“ sind bei mir vollkommene Zeit-und Geldverschwendung.

Das liegt zum großen Teil daran, dass ich hochsensitiv bin, was ich bis vor einiger Zeit gar nicht wusste. (Ich dachte immer, ich sei eben einfach etwas „schräg“). Ich finde „Verkaufen“ z.B. grauenvoll, weshalb ich früher oft lieber gratis gecoacht habe, als Kunden nach den Regeln des Mainstream-Marketings in mein Spinnennetz zu locken.

Natürlich kann auch ich nicht von Luft und Liebe leben, aber da ich extrem viel Wert auf echte Beziehungen lege, ist der Verkaufsprozess bei mir eher eine natürliche Nebensache geworden.

Meine Kunden kommen zu mir, weil sie wissen, dass ich mich vollkommen auf sie einlasse und ihnen einen bunten Schatz an Strategien und Wissen biete – und nicht, weil ich sie mit großen roten Buchstaben bedrohe oder ihnen am laufenden Band Schimpfwörter und Military-Drill in die Newsletter-Suppe spucke.


Gab es Kritik an Ihrem Weg und wie sind Sie damit umgegangen?

Na klar – es gibt immer Leute, die einen nicht mögen. Ich mag’s z.B. gerne locker und humorvoll, auch wenn ich ernsthaft an meinen Unternehmen arbeite. Oft höre ich, dass Leute meine Texte u.a. auch deswegen so gerne lesen, weil sie unterhaltsam sind. Ich schreibe, wie es mir in den Sinn kommt, und wenn dazwischen mal kleine Schweinereien rausrutschen, finde ich das kein Problem. Der Ein oder Andere stört sich daran und dann kommt auch mal eine weniger nette Reaktion. Ich bin ehrlich – das tut schon weh. Aber ich mag mich nicht verbiegen und da ich vieeel mehr positive Resonanz bekomme als Kritik, klicke ich bei gemeinen Kommentaren immer zügig auf „löschen!“.


Gab es Zeiten in Ihrem Leben, in denen  Sie gezweifelt haben? Wenn ja:Wie sahen diese Zweifel aus? Warum haben Sie gezweifelt? Und wie sind Sie damit umgegangen, was hat Ihnen besonders geholfen?

Hahaha. Ich zweifle regelmäßig! Und ich bin mir sicher, dass das allen Unternehmern so geht (auch denen, die das Gegenteil behaupten). Eine Wunderpille gegen das Zweifeln habe ich zwar noch nicht entdeckt, NLP- Strategien helfen mir aber dabei, meine Zweifel zu zerlegen und immer wieder mit neuem Elan weiter zu arbeiten.


Eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt, lautet: Wie findet man neue, spannende Ziele, wenn ein ursprüngliches Ziel erreicht ist? Wie lautet Ihre Antwort darauf?

Wenn ich ehrlich bin: ich muss eher darauf achten, dass ich mir nicht zu viele Ziele gleichzeitig vornehme. Das ist wieder so eine hochsensible Eigenschaft: Ich bin kreativ ohne Ende. Wenn ich bei meinem Zieldrachen einen Kopf abschlage, wachsen gleich drei neue hinterher. Leuten, denen das nicht so geht, kann ich Mastermind-Gruppen oder Coachings nur wärmstens empfehlen. Ich selber nehme daran zwar nicht teil, aber ich helfe meinen Kunden regelmäßig auf die Sprünge. Austausch und neuer Input. Die Welt mal durch andere Augen sehen. Dann kommt das nächste Ziel von ganz alleine auf den Tisch.


Gibt es derzeit ein Thema, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Ja! Unternehmerinnen unterstützen, die auch NEBEN der Arbeit noch ein Leben haben wollen. Ich möchte mit Menschen arbeiten, die kein Dauer-Abo beim Babysitter wollen und die nicht scharf sind auf schweißtreibende Investitionen. Ich habe gemerkt, dass neben Frauen, die ihr Unternehmen auf der Überholspur aufbauen (und die dann u.U. gesundheitlich oder finanziell einen Totalschaden erleiden), die „stilleren“ Damen oft gefühlt auf der Strecke bleiben. Weil sie nicht schnell genug wachsen. Nicht hart genug verkaufen. Finanzielle Risiken scheuen.

Gerade diesen Frauen – die übrigens auch oft hochsensibel sind ohne es überhaupt zu wissen – will ich neue Wege zeigen. Mit Fokus. Mit System. Mit meinen Sing-Along Kursen, die ich so aufbaue, dass wir zusammen tatkräftig ein Projekt von A bis Z durchziehen.


Work-Life- Balance ist für viele ein großes Thema.  Schaffen Sie das und welchen Tipp können Sie aus Ihrer Erfahrung zu dieser Herausforderung geben?

Das mit der Work-Life Balance ist so eine Sache: manchmal muss man einfach mehr tun als einem lieb ist. Wenn mein Mann z.B. regelmäßig zwei Wochen am Stück auf Geschäftsreise ist, und ich Kinder, Hunde, Haushalt, Arbeit und den ganzen Rest alleine schmeißen muss OHNE dass ich die Pausen nehmen kann, die ich brauche, dann gehe ich am Ende auf dem Zahnfleisch und will danach auch mal Zeit für mich. Offene Kommunikation ist deswegen unheimlich wichtig. Mit dem Partner, mit den Kindern (insofern das möglich ist) aber auch mit den Kunden. Ich nehme in diesen Phasen z.B. keine neuen Coaching-Termine an und ich sage meinen Kunden auch, warum. Es gibt so unglaublich viele Unternehmer, die einem das perfekte Leben vorgaukeln und die kluge Tipps geben, an die sie sich selber nicht halten. Perfekt ist das Leben allerdings höchstens auf Facebook .


Diese Interviews sollen ja Mut machen, wenn jemand einen etwas holprigeren Weg geht – und vielleicht auch einmal strauchelt. Haben Sie vielleicht einen Tipp für jemanden, der an einem Punkt im Leben steht, an dem er/sie nicht genau weiß, wie es weitergehen soll? An dem er/sie sich vielleicht sehr alleine fühlt?

Ich denke, an diesen Punkt kommt jeder einmal. Wichtig ist es in so einer Situation, dass man sich selber kennt bzw. dass man herausfindet, was man eigentlich tickt. Mit meinen Coaching-Kunden durchlaufe ich z.B. ein ganz bestimmtes Training, bei dem wir herausfinden, wie sie genau gestrickt sind und was sie brauchen, um sich richtig entfalten zu können. Wenn man seine eigene Basis genau kennt, dann finden sich auch immer Strategien, die man anwenden kann, wenn es mal nicht rund läuft.



Interviews, die Mut machen wollenDas Thema dieser Interview-Serie ist „I do it my Way“, angelehnt an den Titel eines bekannten Frank Sinatra Titels, in dem er seinen Umgang mit Niederlagen und seinen persönlichen Weg beschreibt. Gibt es einen Song, ein Buch, ein Gedicht, ein Kunstwerk oder ähnliches, das Ihre Haltung zu diesem Thema einfängt? 

„I do it my Way“ trifft meine eigene Einstellung eigentlich schon sehr gut.

Ansonsten fällt mir dazu auch dieser Satz von Coco Chanel sehr gut: “The most courageous act is still to think for yourself. Aloud.”


Wie können unsere Leser/innen Sie im Internet finden ?

Auf meiner  Website, auf facebook, auf twitter und auf youtube


Ganz herzlichen Dank für dieses Interview!

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