Verhaltenstherapie und Psychoanalyse

Im deutschen gesetzlichen Krankenkassensystem gibt es grundsätzlich (nur) zwei psychotherapeutische Ausrichtungen, die anerkannt sind. Das heißt, wer sich psychotherapeutisch behandeln lassen möchte, kann dies nur dann auf Kosten der Kasse tun, wenn eines der beiden so genannten „Richtlinienverfahren“ angewendet wird.

Es handelt sich dabei um die Verhaltenstherapie und um die Psychoanalyse/Tiefenpsychologie.

Seit einiger Zeit kann auch EMDR über die gesetzlichen Kassen abgerechnet werden, jedenfalls wenn es im Rahmen eines der beiden genannten Verfahren angewendet wird und es um die Behandlung einer Posttraumatischen Belastungsstörung bei Erwachsenen geht.

Es gibt natürlich sehr viel mehr psychotherapeutische Verfahren (z.B. die Systemische Therapie). Allerdings erfordert die Anerkennung durch die Krankenkassen sehr viele und eindeutige wissenschaftliche Nachweise über die Wirksamkeit der Verfahren zur Behandlung. Außerdem spielt natürlich auch Berufspolitik eine Rolle.

Wenn ein Hammer das einzige Werkzeug ist, hält man jedes Problem für einen Nagel.

— Abraham Maslow

Was ist der Unterschied zwischen Psychoanalyse und Verhaltenstherapie?

Beide Therapieschulen haben einen weitreichenden theoretischen Hintergrund, den ich hier nicht erläutern kann.

Grundsätzlich ist es so, dass die Verhaltenstherapie eher an aktuellen, heutigen Problemen arbeitet und bei Bedarf die Vergangenheit mit einbezieht.

Bei der Psychoanalyse/Tiefenpsychologie ist es umgekehrt: Die Therapie hat den Schwerpunkt, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Wenn die – nach Überzeugung der Analytiker – zugrunde liegenden Probleme gelöst sind, dann wird erwartet, dass sich auch heutige Probleme auflösen.

Meine Ausrichtung

Ich selbst arbeite „kognitiv verhaltenstherapeutisch“.

Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist eine Weiterentwicklung der klassischen Verhaltenstherapie – und der heutige „Goldstandard“ der Psychotherapie.

Einerseits stehen in der KVT die aktuellen, heutigen Probleme und deren Veränderung im Mittelpunkt der Therapie. Andererseits wird viel Wert auf die dahinter liegenden inneren Muster gelegt, die uns steuern. Diese zu erkennen und zu verändern führt i.a. zu langfristigen, tief gehenden Veränderungen.

Außerdem habe ich psychotherapeutische Weiterbildungen in verschiedenen Richtungen gemacht, die wichtigste davon ist sicherlich EMDR, eine hoch wirksame Methode zur Bearbeitung z.B. der Posttraumatischen Belastungsstörung.

Psychologie und Psychiatrie

Und dann gibt es ja noch PsychologInnen,  Psychiaterinnen, und PsychotherapeutInnen.

Was unterscheidet die voneinander?

 

PsychologIn

Ein/e PsychologIn ist jemand, die/der Psychologie studiert hat, heute meist als Bachelor (meist 2-3 Jahre) und oft zusätzlich als Master (2-4 Jahre), früher als Diplom. Ein/e PsychologIn ist nicht automatisch PsychotherapeutIn.

 

PsychiaterIn

Ein/e Ärzt/in hat Medizin studiert (je nachdem 6-8 Jahre). Ein/e PsychiaterIn hat Medizin studiert und danach eine Facharztausbildung in „Psychiatrie“ (oft in Kombination mit „Neurologie“) absolviert. Auch sie/er ist nicht notwendigerweise PsychotherapeutIn und ist vor allem zuständig für die medikamentöse Behandlung schwerer psychischer Erkrankungen, wie z.B. der Schizophrenie.

 

PsychotherapeutIn

Ein/e PsychotherapeutIn ist nach heutigen gesetzlichen Vorgaben jemand, die/der zunächst entweder Medizin oder Psychologie (Diplom oder Bachelor + Master) studiert hat und anschließend eine mindestens 3jährige (meist aber 5jährige) Zusatzausbildung in einem der „Richtlinienverfahren“ (Verhaltenstherapie oder Psychoanalyse/ tiefenpsychologische Therapie) absolviert hat.

Der offizielle Titel einer/s PsychologIn mit dieser qualifizierten Zusatzausbildung ist „Psychologische/r PsychotherapeutIn“, der einer/s MedizinerIn entsprechend „Ärztliche/r PsychotherapeutIn“.

Ein/e PsychotherapeutIn kann entweder VerhaltenstherapeutIn oder PsychoanalytikerIn/TiefenpsychologIn (oder beides) sein.

Claudia Frey
Diplom-Psychologin Psychologische Psychotherapeutin

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