Psychotherapeutische Sprechstunde

Der Beginn einer psychotherapeutischen Behandlung ist seit der Veränderung der Psychotherapierichtlinien am 01.04.2017 für gesetzlich Versicherte nur noch möglich, wenn ein/e Patient/in zuvor (mindestens) eine „psychotherapeutische Sprechstunde“ in Anspruch genommen hat und dort „Behandlungsbedürftigkeit“ festgestellt wurde.

Die Sprechstunde kann 25 Minuten oder 50 Minuten dauern.

Ich selbst führe nur 50-minütige Sprechstunden durch. Denn ich kann mir nicht vorstellen, wie all die wichtigen Dinge, die in einem ersten psychotherapeutischen Gespräch (egal, wie es heißt) besprochen werden sollen, in 25 Minuten passen könnten.

Es können bis zu drei 50-minütige Sprechstunden bei einer/m PsychotherapeutIn durchgeführt werden. Meines Wissens können bei Bedarf weitere Sprechstunden bei anderen PsychotherapeutInnen in Anspruch genommen werden.

Sollte in der Sprechstunde deutlich werden, dass eine psychotherapeutische Behandlung nicht das ist, was gebraucht wird, dann kann immerhin gemeinsam mit der/dem Ratsuchenden darüber nachgedacht werden, was anstehende und passende nächste Schritte sein können.

Es kann sein, dass das Anliegen damit geklärt ist.

Wenn sich hingegen zeigt, dass eine Psychotherapie notwendig ist und ich selbst Ihnen dann keinen Therapieplatz anbieten kann oder Sie die Therapie nicht bei mir durchführen möchten, müssen Sie sich  mit der Bescheinigung aus der Sprechstunde an die „Terminservicestelle“ der Kassenärztlichen Vereinigung wenden (hier). Dort werden Termine für Sprechstunden und freie Therapieplätze gesammelt und vergeben.

Ich bin verpflichtet, für gesetzlich Versicherte zwei therapeutische Sprechstunden pro Woche anzubieten und mache das auch sehr gerne. Durch diese Regelung fehlen mir allerdings zwei Therapieplätze pro Woche, wodurch die Wartezeit noch länger geworden ist. Privat Versicherte haben keinen Anspruch auf eine therapeutische Sprechstunde und müssen auf ein Erstgespräch warten, bis die Warteliste dies zulässt.

Probatorische Sitzungen

Im Anschluss an die Sprechstunde (unabhängig davon, ob 1, 2 oder 3 davon in Anspruch genommen wurden) werden „Probatorische Sitzungen“ durchgeführt, wenn eine Therapie empfohlen wurde. Davon können nun im Anschluss an die Sprechstunde bis zu vier durchgeführt werden. In diesen Sitzungen soll geklärt werden, was genau Behandlungsinhalt sein wird, welche Therapieziele erreicht werden sollen, was genau die behandelte Diagnose ist etc.

Für privat Versicherte gilt weiterhin, dass direkt mit den probatorischen Sitzungen gestartet wird, hier dürfen dafür fünf Sitzungen durchgeführt werden.

Im Anschluss an die „Probatorischen Sitzungen“  kann jeweils eine Kurzzeit- oder Langzeit-Psychotherapie beantragt werden.

Für gesetzlich Versicherte besteht eine Kurzzeittherapie aus 2x12 Sitzungen (also insgesamt max. 24) und eine Langzeittherapie aus 60 Sitzungen, die bei entsprechendem Bedarf auf bis zu 80 verlängert werden können. Eine Kurzzeittherapie kann natürlich auch in eine Langzeittherapie verwandelt werden, wenn sich das im Verlauf als sinnvoll zeigen sollte.

Privat Versicherte müssen bei ihrer Versicherung bzw. bei der Beihilfe nachfragen, was die konkreten Bedingungen für eine Psychotherapie sind, das hängt vom jeweiligen Vertrag ab.

Akutbehandlung

In besonders dringenden Fällen kann für gesetzlich Versicherte im Anschluss an eine Psychotherapeutische Sprechstunde auch direkt eine „Akutbehandlung“ beantragt werden –  ohne probatorische Sitzungen und im besten Fall ohne Wartezeit.

Eine Akutbehandlung umfasst bis zu 12 Sitzungen (à 50 Minuten) und kann bei Bedarf in eine reguläre Kurzzeit- oder Langzeittherapie umgewandelt werden. Dann allerdings müssen noch mindestens zwei Probatorische Sitzungen vorgeschaltet werden.

 

Claudia Frey
Diplom-Psychologin Psychologische Psychotherapeutin

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