EMDR: Puzzleteile fügen sich zu einem Bild

Eye Movement Desensitization and Reprocessing

Abgekürzt: EMDR

Was soll das sein?

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Hinter diesem sperrigen Namen verbirgt sich eine der interessantesten psychotherapeutischen Methoden, die in den letzten zwanzig Jahren entwickelt wurde. Zusätzlich zu bekanntem therapeutischen Vorgehen wird bei EMDR etwas Neuartiges eingesetzt: Durch so genannte “bilaterale Stimulation” werden neurologische Mechanismen aktiviert, die innere Verarbeitungs- und Heilungsprozesse in Gang setzen. Man kann es sich vielleicht vorstellen, wie wenn eine körperliche Blockade vom Physiotherapeuten gelöst wird. Nach dem (nicht immer schmerzfreien) Kunstgriff tut der Körper nicht mehr weh und kann wieder seine gewohnten Funktionen aufnehmen. Nur dass EMDR keine körperlichen, sondern seelische Blockaden löst.

EMDR wurde 2006 vom Deutschen Wissenschaftlichen Beirat für Psychotherapie als effektive, wissenschaftlich begründete Psychotherapieform anerkannt, zunächst für die Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen (“PTSD“). Die Methode war zuvor über Jahre hinweg gründlich erforscht (mehr als jede andere Psychotherapieform!), mit bereits vorhandenen Therapieformen verglichen und als äußerst wirksam bezeichnet worden.

Zuvor hatte ich EMDR als eine dieser Modetherapien eingeordnet, die in der Psychotherapie-Welt immer einmal wieder auftauchen, um bald zu verschwinden. Nachdem ich jedoch das Gutachten des wissenschaftlichen Beirats gelesen und mich in Workshops von den außergewöhnlichen, raschen und nachhaltigen Erfolgen der Methode überzeugt hatte, begann ich mich intensiv mit ihr zu beschäftigen.

Was kann man sich ganz konkret unter EMDR vorstellen?

Es gibt ein standardisiertes Vorgehen, dem EMDR-Therapeutinnen* folgen sollten. Zu diesem Vorgehen gehört einiges an Vorarbeit, wie in jeder guten Psychotherapie: In der Regel das Erfassen der kompletten Vorgeschichte und das Stellen einer Diagnose. Darüber hinaus das Erarbeiten von Stabilisierungstechniken, das Herausarbeiten der zu bearbeitenden Erinnerung oder der jeweiligen Problematik.

Während der EMDR-Behandlung selbst wird die Patientin* angeleitet, sich innerlich in kurzen Abschnitten mit der belastenden Erinnerung beziehungsweise der Problematik zu konfrontieren. Dann beginnt die so genannte “bilaterale Stimulation”, der merkwürdig und ungewohnt wirkende Teil der Behandlung:

Die Therapeutin bewegt die Finger in mehreren Phasen, jeweils etwa 1-2  Minuten lang vor den Augen der Patientin, die weiterhin an das belastende Ereignis denkt. Erreicht werden soll eine schnelle Bewegung der Augen, wie im REM-Schlaf (REM = Rapid Eye Movement), der Traumphase, in der das Gehirn Erlebnisse verarbeitet. Alternativ können auch z.B. beide Handrücken abwechselnd schnell berührt werden (“tapping”). Jedenfalls werden beide Gehirnhälften abwechselnd “stimuliert” und damit aktiviert. In diesen Phasen wird Geschehenes intensiv und teilweise schmerzhaft gespürt, zum Teil noch einmal durchlebt -  und dann meist zügig und gründlich verarbeitet. Oft kommt es bei dieser Arbeit auch zu tiefen Erkenntnissen, die Veränderungen alter und eingefahrener Verhaltensmuster ermöglichen. Es gibt sogar eine Hypothese, dass das Suchtgedächtnis über EMDR beeinflusst und verändert werden kann.

Vermutlich, denn genau weiß man es trotz aller Forschung noch nicht,  kommt es durch die Einbeziehung und Aktivierung beider Hirnhälften zu dieser inneren Weiterverarbeitung von zuvor blockierten Themen. Man nennt das “Prozessierung”, eine Art Turbo-Verarbeitung. Wissenschaftlich nachweisbar ist: EMDR-Behandlungen führen zu dauerhaften Veränderungen auf hirnphysiologischer Ebene.

Ist EMDR so etwas wie Hypnose?

Nein, es werden andere Hirnareale aktiviert, was per MRT (=Magentresonanztomographie) nachgewiesen ist. Man ist während einer EMDR-Sitzung  im Gegensatz zu einer Hypnosesitzung auch bei vollstem Bewusstsein und kann jederzeit Einfluss darauf nehmen was geschieht. Beispielsweise kann man die Sitzung sofort abbrechen, wenn man das möchte.

Wann wird EMDR angewendet?

EMDR wurde zur Behandlung belastender Erinnerungen und anderer schwerer Symptome nach erlittenen Traumata, z.B. nach schweren Verkehrsunfällen, Kriegsfolgen oder sexueller Gewalt (“PTSD“) entwickelt und hier am gründlichsten erforscht. Doch zeigt sich inzwischen (selbst wenn es noch nicht im streng wissenschaftlichen Sinn nachgewiesen ist), dass diese Methode auch bei anderen Störungsbildern wirksam ist. Zum Beispiel bei:

  • nicht verblassender Trauer nach Verlusterlebnissen
  • Essstörungen
  • Psychosomatische Erkrankungen
  • Phantomschmerzen
  • Suchterkrankungen
  • Ängsten und Zwängen
  • Nicht erklärbaren (Leistungs-)Blockaden

In welchem Bereich auch immer EMDR eingesetzt wird: Die Methode wirkt so schlicht, dass man die große Bandbreite an Möglichkeiten die sie bietet, kaum fassen kann. So geht es mir zumindest, aber inzwischen aber weiß ich, wie eindrücklich und tiefgreifend EMDR wirken kann.

Oft passen nach einer EMDR-Sitzung innere Puzzlestücke zusammen, die lange Zeit unsinnig oder störend schienen. Oft kann durch eine EMDR-Sitzung auch eine stimmige und nachhaltige Lösung aus einem Dilemma oder ein Weg aus einem Symptom, innerer Frieden nach schrecklichen Erfahrungen gefunden werden.

Gibt es bei EMDR auch Ausschlusskriterien, Nebenwirkungen etc.?

Allerdings! Wie bei allen wirksamen Heilmethoden ist es so, dass es auch bei EMDR Nebenwirkungen und unerwünschte Ergebnisse geben kann.

Auch wenn die Ergebnisse von EMDR beeindruckend sein können und oft rascher und nachhaltiger eintreten als bei konventioneller Therapie: Es darf gerade deshalb nicht leichtfertig oder ohne ausreichende therapeutische Kompetenz eingesetzt werden. Denn selbstverständlich kann es auch zu unerwünschten Effekten und Nebenwirkungen kommen, so können z.B. Erinnerungen oder Emotionen aufgedeckt werden, die zuvor verborgen waren. Dies kann stark destabilisierend wirken und den gesamten Therapieerfolg zunichte machen.

Deshalb sollte und darf die Methode nicht immer eingesetzt werden: Wann sie sinnvoll und nützlich ist, kann letztlich nur eine ausgebildete EMDR-Therapeutin gemeinsam mit der PatientIn entscheiden.

Wie passen EMDR und Verhaltenstherapie zusammen?

Sehr gut. EMDR ist inzwischen als Behandlungsmethode im Rahmen der Verhaltenstherapie anerkannt und kann von Vertragspsychotherapeutinnen (=kassenärztlich zugelassenen Psychotherapeutinnen) bei der Behandlung der “PTSD” mit den gesetzlichen Kassen problemlos abgerechnet werden.

Die EMDR-Behandlung muss dafür in ein psychotherapeutisches Gesamtkonzept eingebettet werden, das Ihre Therapeutin zu Beginn der Psychychotherapie erarbeitet und mit Ihnen bespricht. Aspekte, die neben der EMDR eine Rolle spielen können, sind z.B.: Der Aufbau von Stabilisierungstechniken, die Erarbeitung von verhaltentherapeutischen Strategien gegen Ängste oder Depressionen, die Bearbeitung von selbstschädigenden Denkmustern, der Aufbau von neuen, heute stimmigen Verhaltensweisen etc.

EMDR in meiner Praxis

2011 habe ich meine EMDR-Ausbildung mit der Europa-Zertifizierung abgeschlossen und kann seither die Behandlung meiner Patientinnen durch EMDR bereichern. Über diese wunderbare Möglichkeit, die ich nun schon vielfach erprobt habe, freue ich mich sehr. Ich werde sie sicherlich auch künftig gerne nutzen.

Ich bin von meiner psychotherapeutschen Grundausbildung – und Grundüberzeugung – kognitive Verhaltenstherapeutin. Die kognitive Verhaltenstherapie ist die wirksamste und hilfreichste der “großen” Psychotherapiemethoden – das ist nicht nur meine überzeugte Meinung, sondern wissenschaftlich klar nachgewiesen. Selbstverständlich bleibe ich trotz meiner Begeisterung für EMDR überzeugte kognitive Verhaltenstherapeutin. Beides passt – wie oben beschrieben- wunderbar zusammen.

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* die meisten meiner PatientEN sind Frauen, ebenso wie ich und die Mehrzahl der PsychotherapeutEn. Deshalb verwende ich zur besseren Lesbarkeit ausschließlich die weibliche Form. Das soll natürlich nicht im Geringsten bedeuten, dass männliche Patienten oder Kollegen sich von meinen Ausführungen nicht angesprochen fühlen sollen.

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Strudelwurm gegen Schweinehund

Sie kennen das bestimmt, oder?  Ich kenne es jedenfalls:  Es wäre sooo vernünftig,  in den Apfel zu beißen (der gar nicht so sauer sein muss). Und auf die Praline zu verzichten. Oder endlich Aufgabe xy zu erledigen, statt im Internet zu surfen oder herum zu zappen.

Und statt dessen? Übernimmt der Autopilot und schon ist es um die guten Vorsätze geschehen.

Was passiert da eigentlich? Und wie damit umgehen?

In ihrem kleinen Büchlein “Machen Sie doch, was Sie wollen” (Hans Huber-Verlag, 2010) stellt die Psychoanalytikerin Maja Storch ein liebenswürdiges, aber manchmal etwas schwer-von-kapito “Würmli” dem schrecklichen inneren Schweinehund entgegen (den es nicht gibt, meint sie – und ich schließe mich aus vollstem Herzen an).

Denn “das Würmli” meint es eigentlich gut mit uns. Es handelt sich dabei übrigens um eine Abkürzung für “Strudelwurm”. Diese Bezeichung hat Maja Storch für ein entwicklungsgeschichtlich uraltes, aber durchaus sinnvolles Gehirnareal eingeführt, das ganz schlicht – und ganz schnell – reagiert und alte Erfahrungen fest abgespeichert hat.

Gut/schlecht, Belohnung/Bestrafung, das sind die Kategorien, auf die das “Würmli” blitzschnell reagiert, schneller als man denken kann. Und schaltet damit zuweilen unser “bewußtes” oder vernünftiges Denken aus. Immer dann, wenn es Widersprüche gibt.

Dabei ist “das Würmli” wie gesagt nicht dumm oder faul. Sondern stellt uns alte Erfahrungen und Überlebensstrategien jederzeit mit den besten Absichten zur Verfügung.

“Nix wie weg”, kann z.B. so eine alte, tief verwurzelte Strategie sein, wenn es darum geht, seine Leistungen zu zeigen (und sich womöglich zu blamieren – wie damals in der 3. Klasse an der Tafel…). Das kann der Grund dafür sein, wichtige Aufgaben immer wieder vor sich herzuschieben. Sich nicht weg zu bewerben, obwohl es doch wirklich so gut wäre, eine andere Stelle mit passenderen Aufgabe zu finden.

Die Kunst ist es nun, unsere Vernunft, unser Bewußtsein so einzusetzen, dass “das Würmli” mitzieht. Manchmal, so meint Frau Storch, muss und darf man es auch zwingen, sich zusammen reißen, “das Würmli an die Kette nehmen”. Aber allzu oft sollte man es nicht tun. Schlecht für die Lebensqualität. Und es funktioniert auf Dauer auch nicht. Klüger ist es da schon, die Beweggründe zu verstehen und Alternativen zu finden, quasi mit dem “Würmli” zu verhandeln.

Maja Storch stellt richtig gehend liebevolle Methoden und Wege vor, wie wir mit diesem oft gescholtenen Teil von uns gut und sinnvoll umgehen können. Lesenswert.

Foto: © negrobike – Fotolia.com

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Equal Pay Day

Am 26. März 2010 haben die deutschen Frauen im Durchschnitt so viel verdient, wie die deutschen Männer am 31.12.2009.

Unglaublich, aber wahr.

Der sogenannte “Gender Gap” beläuft sich in Deutschland – einem der Schlusslichter in Europa – auf 23%. Also knapp ein Viertel weniger verdienen hier die Frauen als die Männer im Durchschnitt (sagt das statistische Bundesamt, also nicht irgendein feminsitisch-tendenziöser Verein). Und klar, es gibt genügend Stimmen, die sagen, die Frauen seien selbst schuld. Verkaufen sich schlecht. Aber wie kann das stimmen, wenn es so viele von uns in diesem Ausmaß betrifft? Und offensichtlich in anderen Ländern deutlich anders aussieht? Dort werden Frauen sich auch nicht komplett anders verhalten, als hierzulande, vermute ich mal. Obwohl – vielleicht läßt es Frauen schon selbstbewußter auftreten, wenn der Wert ihrer Arbeit in einer Gesellschaft anerkannt wird.

Um gegen die Ungleichheit und Ungerechtigkeit des Gehaltsunterschieds zu protestieren und vorzugehen, wurde ein nationales Aktionsbündnis, “Equal Pay Day”, gegründet. Am 26. März sind viele konkrete Aktionen geplant, die auf der Website des Bündnisses nachzulesen sind.

Symbolisch für das Bündnis sind übrigens rote Taschen – wer am Freitag zeigen will, dass er/sie zumindest in Gedanken mitmacht, kann dies also mit einem roten Täschchen tun.

Foto:© Fantasista – Fotolia.com

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Das Rhinozeros von Belém

Spaß am kreativen Unsinn, unbändige Freude beim Gestalten und Tun? Unabhängig von einem fiesen, lähmenden Perfektionsanspruch. Genial! Und durchaus inspirierend über das entsprechende Projekt hinaus.

Das war meine Erfahrung und die meiner Co-AutorInnen bei dem Internet-Projekt “Das Rhinozeros von Belém“, das ich 2004 mit Hilfe meiner Webmasterin (und Mitaurorin) Birthe Stuijts gestartet hatte. Auf einer extra von ihr dafür programmierten Website (existiert nicht mehr) hatte ich den Beginn einer Geschichte veröffentlicht.
Ich war damals von einer Portugal-Reise zurück gekehrt und hatte im Reiseführer von einem Rhinozeros gelesen, das im 17. Jahrhundert als exotisches Ausstellungsstück im Lissabonner Vorort Belém gefangen gehalten wurde. Dieses Kuriosum war mir gerade präsent, als ich ein paar Zeilen zusammen schrieb, die genügend Raum für Fantasie lassen sollten. Denn die Idee war, dass jedeR, der/die Lust hatte, das nächste Kapitel schreiben konnte. Das dann wiederum auf der Website veröffentlicht wurde und vom nächsten, der/die wollte, fortgeführt werden konnte. Es war wie ein Staffellauf.

Eine der wenigen Forderungen an “neue” Autoren war, dass sie sich in die bestehende Geschichte einklinken – also nicht etwas schreiben, das sich nicht auf die vorherigen Kapitel bezieht.

Das Projekt lief über zwei Jahre lang. Und jedes Mal, wenn ein neues Kapitel erschien, war das ein Highlight. Wurde von allen bisherigen AutorInnen und sonstigen InteressentInnen mit großer Spannung, großem Interesse und natürlich mit einem riesigen Spaß gelesen und verdaut. Denn es musste oft wirklich regelrecht erst verarbeitet werden, wenn ein Handlungsstrang ganz anders weiter ging, als von der ursprungsautorin gedacht. Und dann ratterten die Köpfe weiter. In alle Richtungen. Die Handlung wurde zum Teil ziemlich abstrus, dann wieder trashig, dann wieder witzig. Einfach klasse, wie ich finde.

Irgendwann wurde es dann aber schwierig. Zuviele Handlungsstränge und Personen, die berücksichtigt werden mussten. Das ging nicht mehr “einfach so”. Einige Kapitel brauchten ziemlich lange, um geschrieben zu werden, kosteten richtig Mühe. Schließlich schien das gesamte Projekt gestoppt. Viele Monate passierte gar nichts mehr. Bis dann eine meiner Co-Autorinnen, die Künstlerin Sanvja Bühler und ich uns an einem langen Samstag zusammen setzten und brainstormten. Das war Kreativität pur! Und Spaß pur! Schließlich hatten wir einen Handlungsfaden für die letzten paar Kapitel kreiert und sie zum Schreiben zwischen uns aufgeteilt. Und dann war die Geschichte zu Ende.

Das war toll. Aber auch richtig traurig – das “Rhino”, wie manche von uns es inzwischen nannten, hatte uns nun doch schon lange begleitet und immer einmal wieder für ein Lachen im Alltag gesorgt. Deshalb habe ich beschlossen, es drucken zu lassen – damit es nicht ganz im WWW versinkt.

Über BoD gibt es eine super Möglichkeit, recht günstig professionell aussehende Bücher in Auftrag zu geben – gedruckt werden sie nur, wenn sie bestellt werden. Und das ist jederzeit z.B. über amazon oder auch einen lokalen Buchhändler möglich (wobei sich letzteres zuweilen als schwierig heraus gestellt hat). Allerdings ist auch das nicht ohne Tücken. So brauchte es zwei Auflagen des “Rhino”, um eine zufriedenstellende Version zu errreichen. Nach der ersten, frustrierenden Ausgabe (viel zu kleine Schrift!) dauerte es wieder eine Weile, bis ich mich dann erst kürzlich an die Überarbeitung setzte und nun eine 2. Auflage vermelden kann.

Pro verkauftem Buch werde ich daran 1,- € verdienen (alles andere behält BoD). Da ich dieses Geld nicht für mich behalten möchte und ich nicht mehr alle Autoren erreiche, um es zu verteilen (ich gehe mal davon aus, dass das “Rhino” kein Bestseller wird, aber trotzdem…), will ich den Gewinn meiner Freundin, Kollegin und Mitautorin Elsa Timm spenden, die mit ihren großartigen Projekten in Brasilien schon viele Leben zum besseren verändert hat. Das Buch spielt übrigens auch zu größeren Teilen in Brasilien, was natürlich durch sie in die Handlung eingebracht wurde.

Das Rhinozeros von Bélem ist also bei amazon erhältlich. Erwarten Sie keinen Nobelpreis verdächtigen Roman, sondern eine überraschende Geschichte mit vielen Wendungen. Und lassen Sie sich anregen, Ihre Kreativität sprudeln zu lassen und vielleicht selbst ein Projekt ons Leben zu rufen.

Übrigens: Kaufen Sie die billigere 2nd Hand Version (wird bei amazon unkommentiert angeboten) nur, wenn Sie gute Augen haben! Die 2. Auflage für 12,90€ ist aber sehr gut lesbar.

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Wir lernen, so lange wir leben

In den letzten Jahren gab es eine regelrechte Inflation von neurowissenschaftlichen Erkenntnissen. Durch bildgebende Verfahren (also z.B. Computertomographie des Gehirns) konnten Dinge nachgewiesen werden, die zuvor ins Reich der Spinnerei verwiesen worden wären (oder sind).

In meinem Studium (das ich 1990 abschloss) habe ich gelernt, dass die Fähigkeit zu lernen, also die Möglichkeit der Veränderung des Gehirns ab etwa dem 30. Lebensjahr rapide abnimmt. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

Beängstigend. Aber einleuchtend. Wer kennt sie nicht, diese eingerosteten Typen, die alles so machen, wie sie es schon immer machen, einfach weil sie es schon immer so machen. Andererseits. Gab es nicht genau solche Typen in meinem Semester? Die genau so alt waren wie ich? Und was war mit meinem Onkel Hermann, der mit 35 sein bisheriges Leben auflöste, um in Südamerika noch einmal neu zu starten?

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Neurowissenschaften haben in den letzten 20 – 30 Jahren alles durcheinander gewirbelt, was man als gegeben sah. Life long learning, heisst jetzt das Schlagwort. Bis ins hohe Alter kann jeder von und lernen und sich weiter entwickeln, wenn wir nur innerlich beweglich bleiben und dafür sorgen, dass unsere Hirnstrukturen lebendig bleiben und nicht abbauen (durch denken und lernen!).

Nun lese ich in einer aktuellen Ausgabe des Psychotherapeutenjournals einen sehr spannenden Artikel (Manfred E. Beutel: “Vom Nutzen der bisherigen neurobiologischen Forschung für die Praxis der Psychotherapie”), in dem Forschungsergebnisse zusammengetragen werden, die für die Psychotherapie spannend sind. Sehr spannend!

Das Thema ist recht kompliziert und ausufernd, deshalb rate ich jedem und jeder, die sich dafür interessiert, Fachartikel darüber zu lesen. Hier möchte ich nur zwei der für mich spannendsten Ergebnisse (deren Hintergründe z.B. in dem genannten Artikel nachgelsen werden können) benennen:

Frühkindliche Traumata, frühe Trennungen, frühe Vernachlässigung etc.führt über Veränderungsprozesse im Gehirn zu einer lebenslangen höheren Anfälligkeit für Stress und einem erhöhten Risiko für psychosomatische Erkrankungen.

Dies weiß man übrigens schon seit den 70er Jahren, aber 2007 konnte zusätzlich gezeigt werden, dass dies sogar das mütterliche Verhalten der Betroffenen der kommenden Generation gegenüber und darüber deren Gehirnentwicklung beeinflussen kann – schlimme Erfahrungen werden also sozusagen vererbt.

Sehr spannend finde ich auch, dass in mehreren Studien gezeigt werden konnte, wie durch Psychotherapie (übrigens verschiedener Fachrichtungen) Gehirnaktivitäten z.T. dauerhaft verändert wurden. So konnte man z.B. bei Sozialphobikern und Depressiven nach einer erfolgreichen Psychotherapie ähnliche Veränderungen in mehreren Gehirnarealen feststellen, wie nach einer Behandlung mit Medikamenten.

Meine Quintessenz: Wenn’s in eine Richtung funktioniert, funktioniert’s auch in die andere. Vielleicht haben wir schlimme Dinge erlebt, die sich in uns festgekrallt haben. Aber wenn wir an uns arbeiten, uns hinterfragen, überkommene Muster bearbeiten – dann wird auch das wieder Spuren und bleibende Veränderungen hinterlassen und das Leben verändern, das wir führen (können).

Es ist nicht immer einfach. Aber es lohnt sich!

Foto:© James Thew – Fotolia.com

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