Nina K. Roberts: „I Do It My Way“


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In der Interview-Serie „I Do It My Way“ stelle ich Menschen vor, die einen nicht ganz gradlinigen Weg hinter sich und einiges zu erzählen haben: Diese Interviews sollen Mut machen und aufzeigen, dass „Erfolg“ nicht immer stromlinienförmig aussieht.

Viel Freude damit!


Nina K. Roberts nennt sich „Karriere Stylistin“ – das ist eine Berufsbezeichnung, die ich noch nie gehört habe, die aber sehr spannend und außergewöhnlich für mich klingt. Ich freue mich sehr, dass sie uns hier verrät, was sich dahinter verbirgt und wie ihre persönliche Entwicklung sie zu dahin gebracht hat.


Wie haben Sie beruflich gestartet? Warum auf diese Art? Und was ist ihr Beruf, was Ihr wichtigstes Tätigkeitsfeld heute?

#IDoItMyWay @Frl_KarriereMit klassischer Schulbildung konnte ich zu meinen Teenager Zeiten leider nicht viel anfangen. Denn ich hatte das Gefühl, dass alles was ich lernen wollte, alles an dem ich interessiert war und für mein Leben wissen wollte, nicht in meinem Gymnasium unterrichtet wurde.

Also habe mich mit 17 heimlich an einem College in London beworben, um Interior Design zu studieren – kurz danach saß ich im Flieger nach London, um das Studium zu beginnen. Wunderbares Studium, das ich abschloss und eine wahnsinnig wichtige Entscheidung für mich damals. Ich liebte Kunst, Design und Architektur, hatte großes Interesse für Geschichte, und all dies kam sehr gut in dem Studium zusammen. Aber ich wusste damals nicht, ob ich das mein Leben lang oder überhaupt beruflich tun wollte.

Das war ja schon einmal ein mutiger und ungewöhnlicher Start. Wie ging es dann weiter?

Während des Studiums hatte ich begonnen, für das Londoner Kaufhaus Harrods zu arbeiten. Dort  habe ich  zum ersten Mal perfekte Rekrutierungsschritte (alsoPersonalbeschaffungsstrategien & Bewerbermanagement), Bewerberauswahlverfahren und auch hochprofessionelles Employerbranding (also Arbeitgebermarketing) erleben dürfen. Und zwar zuerst als Bewerberin und dann als Mitarbeiterin. Ich  war sofort Feuer und Flamme für das Thema.

Dazu ist zu sagen, dass meine Mutter früher selbständige Unternehmerin war und seit ich gerade mal laufen konnte habe ich immer sehr viel Zeit in ihren Büros verbracht. Ich habe Meetings gelauscht, Mitarbeitertrainings beobachtet, stundenlangen Telefonaten zugehört. Erst später habe ich realisiert was ich dort über Jahre hinweg rein durch zuhören, erleben und beobachten alles lernen durfte – jahrelang machte ich mir Gedanken, weil ich über keine `klassische´ kaufmännische Ausbildung oder das alles-abdeckende BWL Studium verfügte, dabei hätte ich eine bessere Management-Ausbildung nicht haben können. Nach dem Studium zurück in Deutschland, wo ich in verschiedenen Jobs in die Personalarbeit reinschnupperte, wurde mir eine Stelle bei einem internationalen Personaldienstleistungsunternehmen angeboten, die ich annahm. Die folgenden 10 Jahre war ich erfolgreich im Bereich des Rekrutierungsmanagements und Beratung von nationale und internationale Unternehmen tätig.

Heute arbeite ich als selbstständige Karriere Stylistin und Mentorin für Frauen, die sich in ihren Beruf und Karriere wieder neu verlieben wollen.

Liebe Dein LebenIch begleite Karriereveränderungswege, berate bei Bewerbungsprozessen von Auswahl der Position bis zur Gehaltsverhandlung oder unterstütze auch kleine Unternehmen dabei ihre Rekrutierung bestmöglich anzugehen, und die richtigen Mitarbeiter zu finden. Es gibt viele klassische Karriereberater da draußen, dem bin ich mir bewusst und auch, dass ich eine sehr bestimmte Gruppe von Frauen anspreche. Mir geht es bei meiner Arbeit darum den persönlichen Service und Beratung anzubieten, von dem ich die letzten 10 Jahre immer wieder sah, wie dringend er von manchen Frauen benötigt und gesucht wird und den ich mir selbst zu Start meiner Karriere gewünscht hätte.


Hat Ihr beruflicher Weg Ihr Privatleben beeinflusst? Wie?

Definitiv hat es das. Für mich hat erfolgreiche berufliche Entwicklung auch mit erfolgreicher, stets glücklicher persönlicher Entwicklung zu tun und umgekehrt. Speziell in meinem Beruf konnte ich immer wieder sehr nah sehen, dass Erfolg im Job und Glücklich im Job zwei sehr unterschiedliche Dinge sind, und leider sehr oft miteinander verwechselt werden.

Auch hat mein privates Leben mein berufliches Leben geprägt: Während ich eines Abends mit meinem Ehemann japanisch essen war und wieder leidenschaftlich philosophierte über meine Idee der Methode des Karriere Stylings – eine glückliche und erfolgreiche Karriere für Frauen – von innen, von außen und auf dem Papier! begann er mir so viele Fragen dazu zu stellen und zu hinterfragen, bis ich am Ende des Gespräches merkte, dass er versuchte mir klarzumachen, dass ich keine Argumente mehr hatte (die ich lange versuchte mir selbst einzureden), die gegen meine Idee der Selbstständigkeit und Leidenschaft sprachen. Er sagte: You gotta walk your talk! und mir war sofort klar, was das für mich bedeutete. Am nächsten Tag startete ich damit das Konzept für meine Selbstständigkeit niederzuschreiben und mit meiner Homepage. Also ja, beruflicher Weg und Privatleben haben einander schon oft beeinflusst.


Ich finde, Sie sind einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Stimmt das aus Ihrer Sicht? Was ist für Sie persönlich das Ungewöhnliche daran?

canva-photo-editor (1)Ja, das könnte man so sagen… Oft ist mein Weg aber für andere Menschen wesentlich ungewöhnlicher als er mir erscheint, denn für mich ist es einfach mein eigener Weg, der hoffentlich noch lange nicht zu Ende ist.

Im Auge des Betrachters gelten Punkte wie mit 17 alleine nach England zum Studieren gezogen, mit einem Design Studium eine Karriere im Personalbereich gestartet ohne jegliche klassische kaufmännische Ausbildung damals, eine Selbstständigkeit zu wagen wenn man doch eine sichere Anstellung und Karriere haben könnte oder einen Mann zu heiraten, mit dem man auf Grund seines Berufs maximal 3 Jahre an einem Ort auf der Welt verbringen wird, oft als ungewöhnlich…für mich ist es einfach mein Leben, das ich gegen nichts in der Welt eintauschen wollen würde.


Gab es Kritik an Ihrem Weg und wie sind Sie damit umgegangen?

Die gab es, gibt es bestimmt auch immer noch und wird es immer geben. Konstruktive Kritik kann immer weiterhelfen, voranbringen oder vor Fehlern bewahren. Kritik um Kritik auszuüben wiederum…weniger schön. Meist wenn man das, was für die nächste Umgebung im Leben als Gewohntes erscheint verlässt und etwas Neues wagt, stößt man auf diese Form der Kritik. Veränderung ist für viele Menschen schwer und wenn wir uns verändern, dann kann das leicht auf Kritik stoßen. Auch ich muss mir immer wieder bewusst machen, dass es unmöglich und auch nicht sinnvoll ist, es allen Menschen recht zu machen aber auch, dass es Kritik gibt, für die ich offene Ohren und ein offenes Herz haben muss.


Gab es Zeiten in Ihrem Leben, in denen Sie auch gezweifelt haben? 

Momente des Zweifelns sind vollkommen menschlich und dem muss man sich bewusst sein. Wenn ich zu wenig geschlafen habe und zu wenig Zeit mich alleine habe zum Beispiel, dann können sich Gedanken des Zweifels auch schnell bei mir breit machen. Wir alle kennen das, erst ist es nur ein Mini-Gedanke, ein Art Gedankenfetzen, der dann heimlich aber schnell mehr Zweifel wie magisch anzieht. Gegen Zweifel anzukämpfen sehe ich als vergeudete Energie. Für mich ist es besser sie zu erkennen, sie kurz zu würdigen, mir klar zu machen was in meinem Leben die Zweifel gerade hervorruft und mich ganz bewusst etwas zu widmen, dass mich entweder aus meiner Komfortzone bewegt, denn das benötigt meist Mut. Oder mich ganz bewusst etwas zu widmen, dass mich tief erfreut. Und schon verpuffen diese Zweifel von ganz alleine.


Wenn Sie sich in die Zeit zurückversetzen, in der Sie – sagen wir – 18 Jahre alt waren: Wie hätten Sie über Ihre heutige Situation gedacht? Hatten Sie eine Ahnung davon, geplant/gedacht/gehofft, dass Sie diesen Weg gehen/an diesem „Ort“ landen würden?

Jein…haha. Mit 18 lebte ich in London, studierte, genoss mein Leben in vollen Zügen und habe nicht viel darüber nachgedacht wie ganz genau mein Leben mit 34 aussehen könnte. Aber ich wusste immer wie mein Weg/mein Leben sich anfühlen sollte, wie ich mich in meinem Leben fühlen möchte. Dafür hatte ich immer eine klare Vision. Auch heute mache ich mir keine Gedanken für einen ganz genauen Plan, darüber wie mein Leben in 30 Jahren genau aussehen soll. Aber ich weiß ganz genau wie mein Weg dahin sich anfühlen soll, wer ich auf diesem Weg sein möchte, wie ich mich in meinem Leben fühlen möchte. Das ist für mich auch immer ein sehr gutes Barometer um festzustellen, ob ich auf dem richtigen Weg bin oder vielleicht abgekommen bin…Wie fühle ich mich? Fühle ich mich gut, glücklich, voller Begeisterung, dann bin ich auf dem richtigen Weg. Sind meine Gefühle längerfristig nicht so, dann müsste ich definitiv meinen Weg neu gestalten.


Gab es – rückblickend gesehen – einen Moment, an dem Sie sich ganz bewusst für genau diesen Weg entschieden haben? Oder wie verlief das für Sie?

Nein, es gab nicht einen speziellen Moment, an dem ich mich ganz bewusst für diesen Weg entschieden habe. Vielmehr unzählige kleine Momente, Entscheidungen, Erfahrungen und Ah-Momente, die mich immer wieder weitergehen, stehen bleiben, Abkürzungen nehmen oder rechts / links abbiegen ließen auf meinem Weg bis heute.


Eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt, lautet: Wie findet man neue, spannende Ziele, wenn ein ursprüngliches Ziel erreicht ist? Wie lautet Ihre Antwort darauf?

Spannende Frage, wirklich! Ich glaube, dass es hier für verschiedene Menschentypen verschiedene richtige Antworten gibt. Die alles erklärende Antwort hierzu habe auch ich nicht. Kundinnen hilft es oft weiter, wenn wir vorab eine Art aktuell generelles Lebenszielthema/-motto festlegen, etwas an dem sich dann alle anderen Ziele orientieren. So entwickeln sich immer automatisch neue Etappenziele, das funktioniert für das private wie das berufliche Leben sehr gut.


Gibt es derzeit ein Thema, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Es sind immer die gleichen Themen, die mich rumtreiben und mir wahnsinnig am Herzen liegen: Dass Frauen sich wieder trauen Karriere machen zu wollen, ganz entspannt und ohne schlechtes Gewissen. Dass Karriere nicht bedeutet, dass man mit Ellenbogen raus, im schwarzen Hosenanzug und null eigener Persönlichkeit und ohne Rücksicht auf Verluste eine steile Karriereleiter erklimmen muss, um das Gefühl von Karriere zu haben. Dass Karriere ganz viel mit Selbstwert zu tun hat. Dass speziell wir Frauen uns nicht immer unter Wert verkaufen, ob in den Jobs, die wir wählen, in Bewerbungsgesprächen oder Gehaltsverhandlungen. Dass man wahnsinnig weiblich Karriere machen darf.


Work-Life- Balance ist für viele ein großes Thema. (Wie) schaffen Sie das bzw. welchen Tipp können Sie aus Ihrer Erfahrung zu dieser Herausforderung geben?

Ich liebe die Frage, denn ich muss gestehen, dass ich kein großer Fan der Begrifflichkeit `Work-Bindestrich- Life-Bindestrich- Balance` bin…und das aus zwei Gründen.

Zum einen habe ich in meiner HR-Arbeit die Erfahrung gemacht, dass das Wort Balance vielen Menschen unbewusst Druck vermittelt, dass sie hier ständig zwischen zwei Themen, die ihnen sehr unterschiedlich erscheinen, die Waage finden und dann halten müssen.

Zum anderen bringt für mich der Work-Life- Balance eine so starke Separierung der Wörter Arbeit und Leben mit sich. Genau wie mit dem Wort Karriere verbinden wir heute mit dem Wort Arbeit meist viele negative Gefühle. Als ginge es um Leben ODER Arbeit. Ich sehe es mehr als Integration und Zusammenspiel von beiden. Wenn wir uns einreden, dass es Work-Life- Balance ist, wenn wir um 17.00 Uhr gestresst mit dem Handy noch am Ohr aus dem Büro rennen in der Hoffnung, dass pünktlich zum Start des 17.30 Uhr-Pilateskurs im Sportstudio die Entspannung und Work-Life-Balance auf Knopfdruck einsetzt (überspitzt gesagt), dann hat das für mich wenig mit Balance und Wagen halten zu tun.

Für mich selbst war es wichtig und wahnsinnig entspannend zu erkennen, dass ich nicht immer alles in Balance haben muss und dass es viel mehr eine entspannte Integration und Zusammenspiel von Arbeit und Leben ist, ob als Angestellte oder Selbstständige und dem privaten Leben. LifeWork…WorkLife…es ist Eins und für möglich entspannt eins zu sein, wenn ich auch wieder Wert in dem was ich tue finde. Meine Arbeit besteht auch darin Menschen zu zeigen, dass ein glückliches und erfolgreiches Zusammenspiel immer möglich ist.


Haben Sie einen Tipp für jemanden, der an einem Punkt im Leben steht, an dem er/sie nicht genau weiß, wie es weitergehen soll? An dem er/sie sich vielleicht sehr alleine fühlt?

Es mag sich wie ein abgedroschener Kalenderspruch anhören aber es ist so wahnsinnig wahr – Frage Dich: was soll ich in der aktuellen Situation lernen? Wenn Du nicht weiter weißt dann suche externen Rat. Wenn unser Auto liegen geblieben ist, dann rufen wir auch die Werkstatt an, holen uns Hilfe und lassen es nicht einfach da, wo es liegen geblieben ist, zurück. Es geht immer weiter! Meist wissen wir nur nicht wie es weitergehen soll, weil unser Kopf noch keine neue, schönere Version und Vision unserer Zukunft ausgemalt hat, also beginne damit! Mache einen Schritt, den ersten Schritt. Mache den ersten Schritt und es wird sich ein Weg finden, es wird sich dein Weg finden.

Wie können unsere Leser/innen Sie im Internet finden?

Online bin ich über www.ninakroberts.de zu finden sowie bei Facebook  und  Twitter .

Ich lebe und liebe meinen Job, also bitte schickt mir einfach eine Email oder meldet Euch bei mir solltet Ihr das hier lesen und Fragen haben. Ich freue mich über jeden persönlichen Kontakt.


Vielen herzlichen Dank, liebe Nina K. Roberts für diese interessanten Gedanken. Ich wusste bisher nicht, dass es eine solche Form der Karriere-Beratung gibt!

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Nathalie de Ahna: „I Do It My Way“

logoIn der Interview-Serie „I Do It My Way“ stelle ich Menschen vor, die einen nicht ganz gradlinigen Weg hinter sich und einiges zu erzählen haben: Diese Interviews sollen Mut machen und aufzeigen, dass „Erfolg“ nicht immer stromlinienförmig aussieht.

Viel Freude damit!


Nathalie de Ahna ist ein ganz wunderbares Beispiel für einen Menschen, der nicht in die üblichen Schablonen passt. Sie hat viele Interessen – zu viele vielleicht, für einen 0/8/15-Weg. Aber für das, was Sie heute macht, ist sie damit bestens aufgestellt.

Ich freue mich sehr über das Interview mit Nathalie de Ahna.


Wie haben Sie beruflich gestartet? Warum auf diese Art? Und was ist ihr Beruf, was Ihr wichtigstes Tätigkeitsfeld heute?

nathalieAls typische „Unternehmerin mit vielen Leidenschaften“ habe ich eine ganze Reihe an Studiengängen und Ausbildungen hinter mir: Mein Examen habe ich für das Gymnasiallehramt in Englisch und Französisch gemacht, danach kam die zertifizierte Wirtschaftsübersetzerin mit eigener Agentur (die habe ich übrigens heute noch).

Nach der Geburt meiner Kinder habe ich ein Studium zur orthomolekularen Ernährungstherapeutin absolviert mit Zusatzausbildung in Phytotherapie und Homöopathie.

Zudem bin ich NLP Master Practitioner, studiere gerade Hypnotherapie und bringe mir im Prinzip alles selber bei, was ich für meine Online-Unternehmen brauche.

Mein Schwerpunkt liegt heute bei meiner Seite www.pimpyourvisuals.com, wo ich DIY Unternehmern, die sich systematisch und ohne angsteinflößende Investitionen ihr eigenes Business aufbauen möchten, unter die Arme greife.


Was waren Ihre persönlichen „Meilensteine“ auf Ihrem Weg? Gibt es eine Erfahrung/eine Lehre daraus? Was hat Ihnen geholfen, diese Meilensteine jeweils zu „knacken“/zu überwinden?

Ein ganz großer Meilenstein war meine Bruchlandung in der Notaufnahme. Dahin hatte es mich mit Verdacht auf Herzinfarkt verschlagen – in der Nacht vor dem 6. Geburtstag meines Sohnes. Ich war alleine, angeschlossen an ein Dutzend Maschinen, und davon überzeugt, dass ich den nächsten Morgen nicht mehr erleben würde. Nach dieser Nacht hatte sich endlich bei mir eingebrannt, was wir natürlich alle wissen, aber nur allzu gerne ignorieren:

Kein Job, Projekt oder Kunde der Welt ist es Wert, die eigene Gesundheit auf‘s Spiel zu setzen.

Auch wenn ich noch nicht ganz so entspannt bin, wie ich es gerne wäre, arbeite ich seitdem deutlich anders und versuche, den Unternehmer-Wahnsinn mit viel Sinn für die Realität und einer kräftigen Prise Humor aufzumischen.


Hat Ihr beruflicher Weg Ihr Privatleben beeinflusst? Wie?

Eigentlich ist es bei mir vor allem umgekehrt: mein Privatleben hat immer meinen beruflichen Weg beeinflusst. Ich war schon immer etwas eigensinnig und schrullig, von daher war früh klar, dass ich in einem Büro vollkommen fehl am Platz sein würde. Interessen und Leidenschaften habe ich so einige, und da ich außerdem an unheilbarem „Ideendurchfall“ leide, liegt es bei mir immer nahe, dass ich das, woran ich Spaß habe, auch zu meinem Beruf mache. Phasenweise wurden mir meine Projekte zwar wie gesagt zu viel, aber die Lektionen, die ich daraus gelernt habe, teile ich nun wiederum mit meinen Kunden.

Wie heisst es so schön? Es passiert ja nichts ohne Grund…


Ich finde, Sie sind einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Stimmt das aus Ihrer Sicht? Was ist für Sie persönlich das Ungewöhnliche daran?

Das Besondere an meinem Weg ist, dass mir nach Umwegen wieder bewusst wurde, was mir eigentlich von Anfang an klar war: Ich passe nicht ins Schema F und „Erfolgsformeln“ sind bei mir vollkommene Zeit-und Geldverschwendung.

Das liegt zum großen Teil daran, dass ich hochsensitiv bin, was ich bis vor einiger Zeit gar nicht wusste. (Ich dachte immer, ich sei eben einfach etwas „schräg“). Ich finde „Verkaufen“ z.B. grauenvoll, weshalb ich früher oft lieber gratis gecoacht habe, als Kunden nach den Regeln des Mainstream-Marketings in mein Spinnennetz zu locken.

Natürlich kann auch ich nicht von Luft und Liebe leben, aber da ich extrem viel Wert auf echte Beziehungen lege, ist der Verkaufsprozess bei mir eher eine natürliche Nebensache geworden.

Meine Kunden kommen zu mir, weil sie wissen, dass ich mich vollkommen auf sie einlasse und ihnen einen bunten Schatz an Strategien und Wissen biete – und nicht, weil ich sie mit großen roten Buchstaben bedrohe oder ihnen am laufenden Band Schimpfwörter und Military-Drill in die Newsletter-Suppe spucke.


Gab es Kritik an Ihrem Weg und wie sind Sie damit umgegangen?

Na klar – es gibt immer Leute, die einen nicht mögen. Ich mag’s z.B. gerne locker und humorvoll, auch wenn ich ernsthaft an meinen Unternehmen arbeite. Oft höre ich, dass Leute meine Texte u.a. auch deswegen so gerne lesen, weil sie unterhaltsam sind. Ich schreibe, wie es mir in den Sinn kommt, und wenn dazwischen mal kleine Schweinereien rausrutschen, finde ich das kein Problem. Der Ein oder Andere stört sich daran und dann kommt auch mal eine weniger nette Reaktion. Ich bin ehrlich – das tut schon weh. Aber ich mag mich nicht verbiegen und da ich vieeel mehr positive Resonanz bekomme als Kritik, klicke ich bei gemeinen Kommentaren immer zügig auf „löschen!“.


Gab es Zeiten in Ihrem Leben, in denen  Sie gezweifelt haben? Wenn ja:Wie sahen diese Zweifel aus? Warum haben Sie gezweifelt? Und wie sind Sie damit umgegangen, was hat Ihnen besonders geholfen?

Hahaha. Ich zweifle regelmäßig! Und ich bin mir sicher, dass das allen Unternehmern so geht (auch denen, die das Gegenteil behaupten). Eine Wunderpille gegen das Zweifeln habe ich zwar noch nicht entdeckt, NLP- Strategien helfen mir aber dabei, meine Zweifel zu zerlegen und immer wieder mit neuem Elan weiter zu arbeiten.


Eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt, lautet: Wie findet man neue, spannende Ziele, wenn ein ursprüngliches Ziel erreicht ist? Wie lautet Ihre Antwort darauf?

Wenn ich ehrlich bin: ich muss eher darauf achten, dass ich mir nicht zu viele Ziele gleichzeitig vornehme. Das ist wieder so eine hochsensible Eigenschaft: Ich bin kreativ ohne Ende. Wenn ich bei meinem Zieldrachen einen Kopf abschlage, wachsen gleich drei neue hinterher. Leuten, denen das nicht so geht, kann ich Mastermind-Gruppen oder Coachings nur wärmstens empfehlen. Ich selber nehme daran zwar nicht teil, aber ich helfe meinen Kunden regelmäßig auf die Sprünge. Austausch und neuer Input. Die Welt mal durch andere Augen sehen. Dann kommt das nächste Ziel von ganz alleine auf den Tisch.


Gibt es derzeit ein Thema, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Ja! Unternehmerinnen unterstützen, die auch NEBEN der Arbeit noch ein Leben haben wollen. Ich möchte mit Menschen arbeiten, die kein Dauer-Abo beim Babysitter wollen und die nicht scharf sind auf schweißtreibende Investitionen. Ich habe gemerkt, dass neben Frauen, die ihr Unternehmen auf der Überholspur aufbauen (und die dann u.U. gesundheitlich oder finanziell einen Totalschaden erleiden), die „stilleren“ Damen oft gefühlt auf der Strecke bleiben. Weil sie nicht schnell genug wachsen. Nicht hart genug verkaufen. Finanzielle Risiken scheuen.

Gerade diesen Frauen – die übrigens auch oft hochsensibel sind ohne es überhaupt zu wissen – will ich neue Wege zeigen. Mit Fokus. Mit System. Mit meinen Sing-Along Kursen, die ich so aufbaue, dass wir zusammen tatkräftig ein Projekt von A bis Z durchziehen.


Work-Life- Balance ist für viele ein großes Thema.  Schaffen Sie das und welchen Tipp können Sie aus Ihrer Erfahrung zu dieser Herausforderung geben?

Das mit der Work-Life Balance ist so eine Sache: manchmal muss man einfach mehr tun als einem lieb ist. Wenn mein Mann z.B. regelmäßig zwei Wochen am Stück auf Geschäftsreise ist, und ich Kinder, Hunde, Haushalt, Arbeit und den ganzen Rest alleine schmeißen muss OHNE dass ich die Pausen nehmen kann, die ich brauche, dann gehe ich am Ende auf dem Zahnfleisch und will danach auch mal Zeit für mich. Offene Kommunikation ist deswegen unheimlich wichtig. Mit dem Partner, mit den Kindern (insofern das möglich ist) aber auch mit den Kunden. Ich nehme in diesen Phasen z.B. keine neuen Coaching-Termine an und ich sage meinen Kunden auch, warum. Es gibt so unglaublich viele Unternehmer, die einem das perfekte Leben vorgaukeln und die kluge Tipps geben, an die sie sich selber nicht halten. Perfekt ist das Leben allerdings höchstens auf Facebook .


Diese Interviews sollen ja Mut machen, wenn jemand einen etwas holprigeren Weg geht – und vielleicht auch einmal strauchelt. Haben Sie vielleicht einen Tipp für jemanden, der an einem Punkt im Leben steht, an dem er/sie nicht genau weiß, wie es weitergehen soll? An dem er/sie sich vielleicht sehr alleine fühlt?

Ich denke, an diesen Punkt kommt jeder einmal. Wichtig ist es in so einer Situation, dass man sich selber kennt bzw. dass man herausfindet, was man eigentlich tickt. Mit meinen Coaching-Kunden durchlaufe ich z.B. ein ganz bestimmtes Training, bei dem wir herausfinden, wie sie genau gestrickt sind und was sie brauchen, um sich richtig entfalten zu können. Wenn man seine eigene Basis genau kennt, dann finden sich auch immer Strategien, die man anwenden kann, wenn es mal nicht rund läuft.



Interviews, die Mut machen wollenDas Thema dieser Interview-Serie ist „I do it my Way“, angelehnt an den Titel eines bekannten Frank Sinatra Titels, in dem er seinen Umgang mit Niederlagen und seinen persönlichen Weg beschreibt. Gibt es einen Song, ein Buch, ein Gedicht, ein Kunstwerk oder ähnliches, das Ihre Haltung zu diesem Thema einfängt? 

„I do it my Way“ trifft meine eigene Einstellung eigentlich schon sehr gut.

Ansonsten fällt mir dazu auch dieser Satz von Coco Chanel sehr gut: “The most courageous act is still to think for yourself. Aloud.”


Wie können unsere Leser/innen Sie im Internet finden ?

Auf meiner  Website, auf facebook, auf twitter und auf youtube


Ganz herzlichen Dank für dieses Interview!

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Jeanette Luft: „I Do It My Way“

logoIn der Interview-Serie „I Do It My Way“ stelle ich Menschen vor, die einen nicht ganz gradlinigen Weg hinter sich und einiges zu erzählen haben. Die Serie soll Mut machen und aufzeigen, dass „Erfolg“ nicht immer stromlinienförmig aussieht.

Viel Freude damit!


Jeanette Luft hat letztes Jahr ihr wunderschönes Yoga Studio „Ganesha Yoga Lounge“ in Heidelberg eröffnet – direkt unter meiner Praxis. Eine tolle Bereicherung, das Yoga Studio mitsamt einer so freundlichen neuen Nachbarin (und ihrem super Team) im Haus zu haben ;-).


Wie haben Sie beruflich gestartet? Und was ist ihr Beruf, was Ihr wichtigstes Tätigkeitsfeld heute?

In mein Berufsleben bin ich ganz solide mit einem Studium zur Diplom-Betriebswirtin gestartet und habe anschließend für einige Jahre in verschiedenen Positionen im Marketing und Key Account Management in größeren Unternehmen gearbeitet.

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In einer stressigen Phase während des Studiums bin ich zufällig in einen Yogakurs gestolpert. Die Yogalehrerin hat uns in der Stunde gebeten zu unserem Herzen zu spüren und der Melodie unseres Herzens zu lauschen. Das kam mir im ersten Moment sehr merkwürdig vor und wollte auch nicht so recht klappen. Doch, wie kann es sein, dass ich durch meinen Alltagsstress so fern von mir selbst war und es mir einfach nicht möglich war eine Verbindung zu mir aufzubauen? Das wollte ich üben und bin von diesem Zeitpunkt an regelmäßig in die Yogastunde gegangen und siehe da, es hat mit der Zeit geklappt. Ich konnte nicht nur die Melodie meines Herzens wahrnehmen. Ich lernte auch achtsam zu meinem Körper zu sein und durch Meditation meine Gedankenmuster besser kennen.

So begann meine Yogareise. Ich entschloss mich dazu, eine Yogalehrerausbildung zu machen und ging für ein paar Monate nach Indien. Ganz beflügelt wieder zurück in Heidelberg, begann ich einen kleinen wöchentlichen Yogakurs anzubieten. Ich tauchte immer tiefer in die Welt des Yoga ein, machte zahlreiche Weiterbildungen und schließlich eine Ausbildung zur Yogatherapeutin.

Heute bin ich Yogalehrerin und -therapeutin aus tiefstem Herzen und freue mich noch jeden Tag, wenn ich die Tür zu meinem wunderschönen Yogastudio aufschließe. Egal ob ich eine Gruppe, Personal Training oder auf Yogareisen unterrichte, es ist einfach schön in zufriedene und entspannte Gesichter nach den Yogastunden zu blicken.

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Ich finde, Sie sind einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Stimmt das aus Ihrer Sicht? Was ist für Sie persönlich das Ungewöhnliche daran?

Ungewöhnlich würde ich den Weg nicht beschreiben. Ich habe einfach versucht auf meine innere Stimme zu hören und dass in die Tat umzusetzen, was ich wirklich liebe und gerne tue. Ich weiss, dass dies vielen Menschen schwer fällt. Doch ich kam für mich irgendwann an den Punkt wo diese innere Stimme immer lauter wurde und mir gesagt hat, dass der eingeschlagene Weg nicht der Richtige ist. Und ich musste  dieser Stimme einfach mehr Raum geben. Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen ihren eigenen Weg finden und den Mut aufbringen ihn zu gehen.


Aus heutiger Sicht betrachtet: Ist es der richtige Weg gewesen? Warum?

Mit dem Unterrichten und Weitergeben von Yoga habe ich meine wahre Berufung gefunden. Es erfüllt mich, Yogastunden mit Liebe zu gestalten und einen Yoga zu unterrichten, der leicht zugänglich ist. Viele Menschen haben, so wie ich damals, das Gespür für den eigenen Körper und Geist verloren. Mit achtsamen Bewegungen und tiefem Atem, kann so jeder wieder mehr Bewußtsein für das eigene Sein schaffen und es freut mich, dass ich viele Besucher meines Yogastudios ein Stück auf ihrem Weg begleiten darf.

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 Gab es – rückblickend gesehen – einen Moment, an dem Sie sich ganz bewusst für genau diesen Weg entschieden haben? Oder wie verlief das für Sie?

Das war eher ein schleichender Prozess. Das Unterrichten hat sich mit der Zeit immer weiterentwickelt und die Kurse sind kontinuierlich gewachsen. Immer mehr Menschen kamen zum Yoga. Ich habe das Wachstum der Yogakurse lange beobachtet bis ich irgendwann an einen Punkt kam, an dem es für mich nicht mehr möglich war einen Vollzeitjob im Marketing und noch einen zusätzlichen als Yogalehrerin zu haben. Eine Entscheidung musste her. Wie ich mich entscheiden habe, kann man in der Hauptstrasse 33 sehen 😉

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Eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt, lautet: Wie findet man neue, spannende Ziele, wenn ein ursprüngliches Ziel erreicht ist? Wie lautet Ihre Antwort darauf? Wie gehen Sie mit dieser Frage um?

Ich denke, dass jeder Mensch aus einer inneren Motivation und Inspiration heraus handelt. Nur so können Ziele erreicht werden, sich weiterentwicklen und der Wunsch nach Neuem entstehen.

Meine Ziele entwicklen sich stetig weiter. Dies kann auch aus der Begegnung heraus mit inspirierenden Menschen geschehen. Einige unserer Teilnehmer wünsche sich z. B. tiefer in das Thema Yoga einzutauchen, in Verbindung mit einem Urlaub. Sich also, bewusst die Zeit zu nehmen Yoga auf eine neue Art zu erfahren und die Seele baumeln zu lassen. Gemeinsam mit einer Freundin organisiere ich deshalb seit diesem Jahr Yogareisen und habe so ein neues Ziel für mich entdeckt. Und ich freue mich schon sehr auf die erste große Reise an die lykische Küste in der Türkei.

Hängematte


Gibt es derzeit ein Thema, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Ein Thema, dass mich schon seit längerer Zeit beschäftigt ist die Yogatherapie, darüber Hinaus eine meiner größten Säulen der täglichen Arbeit.

Yoga kann therapeutisch wirksam in vielen Bereichen eingesetzt werden, u. a. bei psychosomatischen Beschwerden und chronische Schmerzen des Bewegungsapparates. In diesem Bereich begleite ich Menschen, die unter Stresssymptomen oder Unruhe leiden, Schlafstörungen haben, Rückenschmerzen oder Arthrose lindern möchten.

Die Yogatherapie kann beispielsweise komplementär zu einer psychologischen Betreuung oder ganz allegmein zur westlichen Medizin angewendet werden. Erfreulicherweise gibt es mittlerweile auch immer mehr fundierte Studien, die die Wirksamkeit der Yogatherapie belegen und so das therapeutische Yoga immer ernster genommen wird. Ich betreue viele Patienten bereits seit einigen Jahren und erlebe immer wieder wie gut Yoga wirkt.


Work-Life-Balance ist für viele ein großes Thema. (Wie) schaffen Sie das bzw. welchen Tipp können Sie aus Ihrer Erfahrung zu dieser Herausforderung geben?

Zum Einen versuche ich mir immer wieder bewußt Auszeiten im Alltag zu schaffen. Das kann ein Spaziergang im Wald sein, eine leckere Tasse Kaffee oder ein Wochenendausflug.

Außerdem tragen natürlich Yoga & Meditation einen großen Beitrag zu meiner Work-Life Balance und helfen mir sehr innere Ruhe zu finden und mit mir im Einklang zu sein. Achtsamkeit ist z.B. auch ein gutes Stichwort. Täglich zu üben im Augenblick zu sein und so innere Balance finden ist eine große Herausforderung. Da merke ich, dass ich noch üben muss. Doch mit zunehmender Balance und Gelassenheit werden auch die inneren, meist stressauslösenden, Diskussionen mit einem selbst weniger. Es lohnt sich!

Dazu fällt mir noch eine schöne Geschichte ein:

Zenmeister


Ja, das ist eine Geschichte, bei der auch nicke und denke, „ja stimmt“. Wie können unsere Leser/innen Sie denn im Internet finden?

Das ist ganz einfach, nämlich hier:

www.ganesha-yogalounge.de

www.ganesha-yogalounge.de/yogareise/

www.facebook.com/ganesha.yoga

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Vielen Dank, liebe Jeanette, für dieses schöne und nachdenklich machende Interview!

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Ricarda Gregori: „I Do It My Way“

logoIn der Interview-Serie „I Do It My Way“ stelle ich Menschen vor, die einen nicht ganz gradlinigen Weg hinter sich und einiges zu erzählen haben. Die Serie soll Mut machen und aufzeigen, dass „Erfolg“ nicht immer stromlinienförmig aussieht.

Viel Freude damit!


Ricarda Gregori habe ich vor mehr als 15 Jahren bei unserer Weiterbildung in Systemischer Beratung kennengelernt und nie mehr aus den Augen verloren. Aus unserem  gemeinsamen Interesse für Brasilien und für die Arbeit mit Menschen ist eine tiefe Freundschaft geworden, für die ich sehr dankbar bin. Ich freue mich sehr über dieses Interview mit einer Überzeugungstäterin der interkulturellen Beratung und einer ungewöhnlichen Frau. Toll, dass sie uns auch einige Fotos von ihren Reisen mitgebracht hat.


Wie haben Sie beruflich gestartet? Und was ist ihr Beruf, was Ihr wichtigstes Tätigkeitsfeld heute?

Eigentlich wollte ich Medizin studieren und in die Fussstapfen meiner Mutter treten. Dieser Entschluss kam jedoch gehörig ins Wanken als ich nach dem Abitur eine 6-monatige Rucksackreise durch Nord- und Mittelamerika unternommen hatte. Ich war fasziniert  von den Menschen und ihren so unterschiedlichen Lebensweisen, die ich auf dem Weg angetroffen hatte.

in Belo Horizonte
Ricarda Gregori in Belo Horizonte (Brasilien)

Ein paar Monate nach meiner Rückkehr habe ich dann ein Studium der Ethnologie begonnen und nach meinem Magister ein Jahr in einem Sozialprojekt in Sao Paulo verbracht.  Brasilien hat mich von da an in den Bann gezogen. Weitere Forschungs- und Arbeitsaufenthalte insbesonders auf dem Land und mit ethnischen Gruppen schlossen sich an. Zwischendurch habe ich einen praxisorientierten Postgraduiertenstudiengang im Bereich der Beratung von Entwicklungsprojekten absolviert und später eine Weiterbildung in systemischer Beratung. Damit habe ich mir das grundlegende Handwerkszeug angeeignet, das ich bis heute nutze.

Amazonas 2011_BooteBrasilien: Boote in Amazonien

Seit 2000, also bald schon 15 Jahre, bin ich selbstständig  als Prozessbegleiterin, Trainerin, Beraterin und Coach im interkulturellen Umfeld tätig. Ich begleite Unternehmen wie non-profit Organisationen in Fragen der interkulturellen und internationalen Zusammenarbeit.  Häufig handelt es sich dabei um Trainings oder Workshops, in denen die Teilnehmer ihre Kommunikation-  und Umgangsweisen in internationalen Teams reflektieren und bearbeiten. Oder ich coache Führungskräfte, die etwa vor der Aufgabe stehen, Mitarbeiter in anderen Ländern zu führen, und dabei kulturell wie auch räumliche Distanz überwinden müssen. Mein Klassiker, mit dem ich einst in die Selbstständigkeit gestartet bin,  ist allerdings die interkulturelle Vorbereitung von Fach- und Führungskräften auf Ihre Tätigkeiten in Brasilien. Meine ersten Kunden aus dieser Anfangszeit fragen dieses  Coaching  auch heute noch regelmäßig nach. Das sind nur einige Beispiele. Meine Tätigkeit ist vielfältig und entwickelt sich ständig.

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 Ricarda Gregori in ihrem manchmal auch improvisierten Seminaralltag

Hat Ihr berufliche Weg Ihr Privatleben beeinflusst? Wie?

Ja, natürlich hat er das und wie! Ich habe ab dem Studium für die nächsten circa 20 Jahre häufig den Wohn- und Standort im Inland wie auch im Ausland gewechselt, 1 Jahr hier, 6 Monate dort, 3 Jahre wieder woanders usw. Das hat bewirkt, dass ich mich nirgendwo „niedergelassen“ habe und meine sozialen Kontakte in der Welt verstreut waren (damals übrigens noch überwiegend ohne Internet). Gleichzeitig habe ich mich an den Orten, an denen ich war, meist als Neuling oder als Fremde gefühlt. Mir hat dieses Leben weitgehend  entsprochen und es ist mir lange gar nicht in den Sinn gekommen, dass z.B. Familie und Kinder auch eine bedenkenswerte Option in meinem Leben sein könnten.

Zwar wohne ich jetzt seit über 10 Jahren an einem Ort  und zwar mehr oder weniger seit dem Moment, in dem mein Sohn geboren wurde. Trotzdem spüre ich  ein „inneres Nomadentum“ immer noch. Auch wenn es mir gefällt, wo ich bin, fühle mich eigentlich nicht „sesshaft“ oder „heimisch“.

Also hat mein beruflicher Weg eigentlich nicht nur mein Privatleben beeinflusst, sondern meine ganze Art, mich in der Welt zu fühlen und zu bewegen. Oder ist es umgekehrt, hat letzteres meinen beruflichen Weg geprägt? Gute Frage!


Ich finde, Sie sind einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Stimmt das aus Ihrer Sicht? Was ist für Sie persönlich das Ungewöhnliche daran?

Es war ein ungewöhnlicher Weg, denn er entsprach keiner vorgezeichneten Laufbahn. Ich würde sagen, ich gehöre zur Generation der Pioniere in meinem Feld in Deutschland.  Es gibt  auf meinem Weg eine grundlegende inhaltliche Kontinuität, nämlich die Beschäftigung mit „dem Fremden“ oder mit den Unterschieden in Denk- und Lebensweisen. Dieses zentrale Thema hat sich immer weiter herauskristallisiert.  Die Umfelder und Ansatzpunkte haben jedoch recht  krasse Wechsel erfahren und das passiert auch heute noch. Ich glaube, genau das ist auch etwas sehr Spezielles an meinem Weg:

Ich habe im ersten Teil meines Berufsweges, den ich den eher „ethnologischen“ nenne, in kleinbäuerlichen abgelegenen  Dörfern in Brasilien mit Nachkommen der schwarzen Sklavenbevölkerung  gearbeitet. Ich habe dort das Alltagsleben „erforscht“ und selber mitgelebt. In der Ethnologie nennt man das „teilnehmende Beobachtung“.  Ich wollte aus nächster Nähe etwas über die andere Kultur und Lebensweisen erfahren.  Das war oft sehr abenteuerlich.

frechal Dorotea mit pilaoBrasilien: Reisdreschen im Hinterhof meiner „Gastfamilie“

Ich war da meistens ein sehr offensichtlicher „Fremdkörper“. Die Menschen um mich herum und ich – wir waren von außen gesehen so verschieden, wie man verschiedener wohl nicht sein kann. Trotzdem ist es mir immer wieder passiert, dass nach einiger Zeit und tieferem Kennenlernen ein Verständnis vom jeweils anderen entstanden ist,  seinen Wünschen, Motiven, Fragen und Begrenzungen. Damit waren die Unterschiede waren zwar noch da, aber nicht mehr so ausschließlich und kategorisch.  So ist eine Verbindung entstanden, eine Brücke, über die Verständigung eben auch über unsere Unterschiede und Besonderheiten möglich wurde. Das war eine prägende Erfahrung für mich.

Frechal Kind auf Ochsenkarren

Brasilien: Kind auf Ochsenkarren

In ähnlichen Umfeldern- nämlich in Entwicklungsprojekten mit indianischen Gemeinschaften- habe ich später auch meine ersten Erfahrungen als Beraterin und Prozessbegleiterin gemacht und dieses Art zu arbeiten für mich entdeckt.

Mit diesem Erfahrungspaket ausgestattet bin ich vor 15 Jahren in die Selbstständigkeit gegangen und habe von Anfang an Aufträge bei großen Unternehmen z.B. in der Automobilbranche übernommen. Das war ein totaler Wechsel der Szenerie! Die Welt des Managements hat mir zu Beginn wahrscheinlich ähnlich „exotisch“ angemutet wie die der Dörfer in Brasilien. Auch hier waren mir unbekannte Kulturen zu entdecken.

Das Erstaunliche ist, dass das ziemlich reibungslos funktioniert hat und dass – ungeachtet der objektiven Unterschiede, die grundlegenden Fragen und Motive dieser „Welten“ mir so verschiedenen gar nicht vorkamen.

Ricarda Gregori_MG_6551-kleinIn den vergangen Jahren hatte ich es überwiegend mit Führungskräften und Managern zu tun, die ihre Aufgaben innerhalb komplexer global vernetzter Arbeitsbeziehungen wahrnehmen. Das sind überwiegend Deutsche, aber auch Amerikaner, Japaner, Franzosen usw. Es gibt weiterhin immens viel für mich zu entdecken und zu verstehen und ich glaube der Blick der Ethnologin ist mir nützlich geblieben.

Nach wie vor schätzte ich es, meine Arbeitskontexte und das Zielpublikum zu wechseln. Ich finde es enorm bereichernd neben Unternehmen z.B. auch soziale Organisationen zu meinem Kunden zu zählen, deren Fragestellungen sich auf das Zusammenleben  verschiedener  Kulturen hier in Deutschland beziehen.

Ich glaube, dass dieser Wechsel der Zusammenhänge und der Umgang mit Widersprüchen dabei, ein Spannungsfeld entsteht, das meiner Arbeit Kraft und Intensität verleiht.


Wenn Sie sich in die Zeit zurückversetzen, in der Sie – sagen wir – 18 Jahre alt waren: Wie hätten Sie über Ihre heutige Situation gedacht? Hatten Sie eine Ahnung davon, geplant/gedacht/gehofft, dass Sie diesen Weg gehen würden?

Als ich am Anfang meines Berufsweges stand, hatte ich sicherlich keinen Schimmer davon, dass ich diese Richtung nehmen würde. Das Berufsbild „interkulturelle Beraterin“ gab es vermutlich noch gar nicht. Mein Leitmotiv war tatsächlich „Wissensdurst“, bezüglich fremder Lebenswelten.  Ich habe damals eher diffus meinen Weg als eine wissenschaftliche und forschende Karriere gesehen.

frechal Kind beim Fischen
Brasilien: Ein Kind beim Fischen

Aus heutiger Sicht betrachtet: Ist es der richtige Weg gewesen? Warum?

Was ich heute mache, passt zu mir. Ich kann mich voll und ganz damit identifizieren. Der Weg dahin war oft anstrengend, ich hätte es mir manchmal leichter gewünscht. Denn wenn das Berufsbild und der Weg nicht vorgezeichnet ist,  bedeutet das laufende Überlegung und immer wieder Eigeninitiative. Aber letztlich passt auch das zu mir. Ansonsten glaube ich, dass es für die meisten Menschen mehr als nur den einen „richtigen Weg“ gibt.


Gab es Zeiten in Ihrem Leben, in denen Sie gezweifelt haben? Wenn ja: Wie sahen diese Zweifel aus? Warum haben Sie gezweifelt? Und wie sind Sie damit umgegangen, was hat Ihnen besonders geholfen?

Bei mir gibt es immer wieder Zweifel. Nicht so sehr an dem inhaltlichen Tun: ich bin mir sicher, dass das internationale und interkulturelle Beratungsfeld „mein Ding“ ist. Jedoch an der Sinnhaftigkeit von Aufgaben. Für mich muss meine Tätigkeit vor allem Sinn mache und ich muss spüren, das ich wirksam sein kann. Ich finde, es hilft zu wissen, warum man eine Arbeit tut – und zwar über die Sachzwänge hinaus.


Gab es – rückblickend gesehen – einen Moment, an dem Sie sich ganz bewusst für genau diesen Weg entschieden haben? Oder wie verlief das für Sie?

Es gab immer wieder Weggabelungen, wo ich mich gegen die eine und für die andere Richtung entschieden habe. Gut in Erinnerung ist mir ein Moment ganz am Anfang: Ich erwähnte schon, dass ich vorhatte, Medizin studieren und ich hatte mich auch schon für einen Studienplatz beworben. Dann kam ich von meiner Rucksackreise zurück und bekam fast gleichzeitig über die Kirchengemeinde meiner Stadt das Angebot, mich einer kleinen Gruppe junger Leute anzuschließen, die eine Hilfslieferung nach Süditalien bringen wollte, wo gerade ein schweres Erdbeben stattgefunden hatte. Ich war sofort dabei und kaum in am Zielort angekommen, erreichte mich der Anruf von zuhause: Du hast einen Studienplatz bekommen und auch noch in der Stadt deiner Wahl.

Ich glaube, da habe ich keine 10 Sekunden überlegt. Ich war mir sicher, dass das was ich da gerade in Süditalien machte – nämlich „fremde Welten“ kennenlernen und dabei auch noch nützlich sein, soviel spannender für mich war als alles andere. Das war sicher keine durchdachte Entscheidung, aber intuitiv die richtige.


Eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt, lautet: Wie findet man neue, spannende Ziele, wenn ein ursprüngliches Ziel erreicht ist? Wie lautet Ihre Antwort darauf? Wie gehen Sie mit dieser Frage um?

Es ist mir selten so gegangen, dass ich ein Ziel für erreicht erklärt habe. Manche Ziele habe ich nie erreicht, andere haben sich direkt weiterentwickelt. Es hat sich ein neues Ziel daraus ergeben. Völlig neue Ziele „springen“ mich manchmal an, d.h. ich spüre spontan, dass mich eine Sache interessiert und dann versuche ich eine Strategie dazu zu entwickeln.

frechal Kinder mir Stelze 2Brasilien: Die drei jüngsten Geschwister (von acht) meiner „Gastfamilie“

Gibt es derzeit ein Thema, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Mich beschäftigt seit geraumer Zeit das Thema der neuen Einwanderung in Deutschland.

Damit meine ich das Bemühen, das es um die Rekrutierung und die Integration ausländischer Fachkräfte gibt und die Etablierung einer so genannten „Willkommenskultur“.

Ich finde, da tut sich eine beachtliche Entwicklung auf, weg von dem jahrzehntelangen Dogma, Deutschland sei kein Einwanderungsland. Ich wünsche mir, dass aus dieser Debatte entsprechende Taten hervorgehen und dass dies über die wirtschaftliche Argumentation hinaus  in der Mitte der Gesellschaft ankommt.  Ich meine, unsere Gesellschaft könnte immens von einer solchen Veränderung profitieren.

Bei diesem Thema kommt für mich vieles zusammen, was mich seit Jahren professionell und persönlich umtreibt.  Deshalb möchte ich gern in diesem Zusammenhang  mitwirken. Ich habe  ein Konzept zur Integration ausländischer Fachkräfte in kleine und mittlere Betriebe entwickelt und ich bin dabei, potentielle Interessenten anzusprechen.


Work-Life-Balance ist für viele ein großes Thema. (Wie) schaffen Sie das bzw. welchen Tipp können Sie aus Ihrer Erfahrung zu dieser Herausforderung geben?

Als Selbstständige kann ich Arbeit und Freizeit nicht gut auseinander halten. Das ist auch für mich immer wieder ein Problem.  Ich bin sehr zufrieden damit, dass ich über die letzen Jahre verbindlich in einem Chor, einem brasilianischen übrigens,  mitsinge, mich auf Konzerte vorbereite usw. Außerdem habe ich die Aquarellmalerei für mich entdeckt und nehme regelmäßig an Kursen und Workshops teil. Dabei kann ich wunderbar abschalten. Mir persönlich hilft es, dass ich für diese Aktivitäten Mitstreiter habe und verbindliche Termine.

Mit einigen Chorkolleginnen von brasil. Chor Encanto Stuttgart2

Mit einigen Chorkolleginnen von brasilianischen Chor Encanto Stuttgart

 

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Aquarell: Blätter

Haben Sie einen Tipp für jemanden, der an einem Punkt im Leben steht, an dem er/sie nicht genau weiß, wie es weitergehen soll? An dem er/sie sich vielleicht sehr alleine fühlt?

Ich  halte solche Momente manchmal für notwendig, denn das bedeutet ja auch einmal innezuhalten und sich zu fragen, was man wirklich möchte und braucht.


Das Thema dieser Interview-Serie ist „I do it my Way“, angelehnt an den Titel eines bekannten Frank Sinatra Titels, in dem er seinen Umgang mit Niederlagen und seinen persönlichen Weg beschreibt. Gibt es einen Song, ein Buch, ein Gedicht, ein Kunstwerk oder ähnliches, das Ihre Haltung zu diesem Thema einfängt?

Ich habe leider keinen spezifischen Titel. Ich finde allerdings die Lektüre von  Biographien, insbesondere die von mutigen Frauen, hierfür inspirierend. Ich habe zuletzt  mit Faszination die über Lou Andreas-Salome  gelesen.


Gibt es noch etwas, das Ihnen in diesem Zusammenhang wichtig ist?

Das Thema dieses Interviews ist ausgeprägt eines der modernen westlichen Welt. Trotzdem gab und gibt es überall auf der Welt Menschen, die sich trauen etwas anderes und ganz Eigenes zu machen. Ich fände es spannend, dieses Thema beispielsweise einmal mit meinen Kunden aus Indien oder Japan anzusprechen.

Das werde ich mir direkt notieren!


Das finde ich auch ein sehr spannendes Thema. Es würde mich freuen, wenn wir hier auf diesem Blog davon erfahren würde.

Wie könnnen unsere Leser/innen Sie im Internet finden?

Meine Website ist: www.con-cipio.de, dort finden Sie alle meine Kontaktdaten.

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 Brasilien: Acai-Handel in Amazonien

 

 

 

 

 

 

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freyflug: Der eKurs schließt zum 15.11.14

ff endet

WANN WIRD freyflug WIEDER ANGEBOTEN?

Ich weiß es nicht. Vielleicht gar nicht. Frühestens Ende 2015.

Aber noch gibt es ihn – und noch dazu die Möglichkeit, einen Platz zu gewinnen.

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