Was kann man tun, wenn die ganzen Einschränkungen der letzten Monate allmählich auf die Seele schlagen? Welche Maßnahmen helfen gegen den Corona-Blues?

Leider gibt es darauf keine wirklich geniale Antwort, scheint mir. Es ist eine schwierige Zeit und gerade (aber nicht nur), wenn es einem sowieso schon schlecht geht. Die üblichen Ratschläge (Sport machen, Freunde treffen, etwas unternehmen)?: Tja. Wenn es nur möglich wäre.

Und jetzt? Was können Sie tun? Damit Sie möglichst stabil aus dieser Krise heraus kommen?

  • Seien Sie so freundlich und großzügig zu sich selbst, wie nur irgend möglich. Dazu zählt auch, abwertende Selbstgespräche möglichst zu stoppen
  • Unterstützen Sie andere, zum Beispiel durch Gesprächsangebote oder auch mit Handfestem, wenn Ihnen das möglich ist
  • Seien Sie im Rahmen der Möglichkeiten aktiv, z.B. machen Sie Spaziergänge, erforschen Sie Ihre Stadt (es gibt zB für Mannheim eine app ("Mannheim erleben"), die Stadtspaziergänge mit spannenden Aspekten vorschlägt)
  • Mit ausreichendem Abstand ist das ja auch mit z.B. einer Freundin möglich
  • Kontakte: Ein Riesenthema, gerade für Alleinlebende. Planen Sie, was immer hier möglich ist. Regelmäßige Telefonate und Kaffee-Plaudereien per Zoom ersetzen natürlich keine echten Begegnungen. Trotzdem können Sie uns viel geben und sind eine "besser als nichts"-Möglichkeit.

Auch die vereinigten Nationen haben sich Gedanken zu diesem Thema gemacht. Ich finde dieses Plakat sehr schön, es lohnt sich, es ein bisschen genauer anzuschauen.

Bald haben wir es geschafft - bleiben Sie bis dahin gesund!

Was tun gegen den Corona-Blues?

Was ist der Unterschied zwischen einem Trauma und PTBS?

Unsere Psyche ist nicht „sichtbar“. Und auch nicht über ein Röntgenbild zu erkunden. Deshalb ist die Frage „was ist eine PTBS?“ eigentlich die Frage danach, wie die Definition nach dem aktuellem Forschungsstand ist. Wie in so vielen Bereichen der Psychotherapie, gibt es auch hier eine enorme Weiterentwicklung. WissenschaftlerInnen und PsychotherapeutInnen verstehen immer besser, was eine traumatische Erfahrung mit uns macht und was wirksam dagegen hilft. Zunächst ist es aber wichtig sich klarzumachen, dass es einerseits einen Auslöser („Trauma“) gibt. Andererseits gibt es die Reaktionen und Symptomen unseres Körpers und unserer Psyche darauf („PTBS“).

 

Eine PTBS ist die normale Reaktion auf eine unnormale Erfahrung

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine Reaktion auf eine traumatische Erfahrung, auf ein Trauma. Definiert ist die PTBS so, dass es einen Auslöser (= Trauma) gibt, der bei „fast jedem Menschen“ Entsetzen und Verstörung auslösen würde. In vielen Fällen kommt es nach dem traumatischen Ereignis zum Gefühl von Hilflosigkeit und zu einer Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses. Es gibt aber noch mehr Symptome, dazu weiter unten.

PTBS: 

= Posttraumatische Belastungsstörung
= PTBR (Posttraumatische Belastungsreaktion)
= PTSD (Post Traumatic Stress Disorder)

 

Was ist ein Trauma?

So beschreibt es die Deutsche Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT): „Der Begriff Trauma (griech.: Wunde) lässt sich bildhaft als eine „seelische Verletzung“ verstehen, zu der es bei einer Überforderung der psychischen Schutzmechanismen durch ein traumatisierendes Erlebnis kommen kann.

Als traumatisierend werden im Allgemeinen Ereignisse wie schwere Unfälle, Erkrankungen und Naturkatastrophen bezeichnet. Aber auch Erfahrungen erheblicher psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt sowie schwere Verlust- und Vernachlässigungserfahrungen bezeichnet.

Ein Trauma ist also ein schwerwiegendes und belastendes Ereignis, das uns überwältigt oder überfordert. Es ist womöglich der Auslöser einer psychischen Erkrankung, aber es ist an sich keine psychische Erkrankung.

 

Auslöser einer PTSD

  • Naturkatastrophen
  • schwere Unfälle
  • Sexuelle Gewalt
  • Kriegserlebnisse
  • Zeugenschaft von Tod oder schwerer Verletzung

Eine PTBS wird nur diagnostiziert, wenn es einen existenziell bedrohlichen Auslöser gibt, der für fast jeden Menschen eine Grenzerfahrung wäre, wie die genannten Ereignisse. Die Erfahrung zum Beispiel einer Demütigung kann zwar eine identische Symptomatik auslösen und für die Betroffenen traumatisch sein. Dennoch würde sie der Definition nicht genügen. Ich selbst sehe das allerdings etwas anders und nutze die Definition: Eine traumatische Erfahrung ist eine Erfahrung, die unsere Bewältigungsmöglichkeiten übersteigt.

 

Die Definition der PTBS verändert sich

Keine andere psychische Erkrankung wird darüber definiert, was sie ausgelöst hat. Man definiert in allen anderen Fällen ausschließlich über die Symptomatik. Den Auslöser als Kriterium zu nehmen klingt für mich wie:

Von „Grippe“ kann man nur sprechen, wenn es bei der Ansteckung auch wirklich extrem kalt gewesen ist.

Absurd.

Dieses so genannte „A-Kriterium“ (der Auslöser) wird heftig diskutiert und soll demnächst gestrichen werden.

 

Was ist eine PTBS?

Die Erfahrungen, die eine PTBS auslösen, sind so einschneidend, dass sie alles verändern, oben haben wir ja schon von der Hilflosigkeit und tiefer Erschütterung gesprochen. Betroffene berichten häufig davon, dass „danach alles anders“ sei. Eine tiefe Erschütterung von dem, was als „normal“ verstanden worden war: Das Gefühl von Sicherheit ist weg. Und das Vertrauen in sich oder andere. In die Welt, wie man sie gekannt hat.

 

Wie sehen die Symptome einer PTBS aus?

  • sich aufdrängende Erinnerungen an das Trauma (Nachhall-Erinnerungen, Flashbacks)
  • Alpträume und Schlafstörungen
  • ein Gefühl von betäubt sein
  • Freudlosigkeit, Abgestumpftheit
  • allgemeine Schreckhaftigkeit
  • Vermeidung von allem, was an das Trauma erinnert

 

Kann und soll man etwas gegen PTBS tun?

In den ersten Wochen oder Monaten nach einer traumatischen Erfahrung setzen oft Heilungsprozesse ein, ohne dass eine Behandlung statt findet. Tatsächlich passiert das gar nicht selten. Häufig wird deshalb empfohlen, frühestens 1-6 Monate nach einer traumatischen Erfahrung mit einer Therapie zu beginnen. Das halte ich aber für falsch. Denn was spricht dagegen, den natürlichen Heilungsprozess mit traumafokussierten Methoden zu unterstützen? Und damit dafür zu sorgen, dass bei möglichst vielen Menschen eine Heilung einsetzen kann?

Traumatisierungen, die nicht zu Beginn von selbst abklingen und die nicht behandelt werden, bedeuten oft eine lang andauernde und quälende Belastung für die Betroffenen. Hierzu gab es vor einigen Jahren ein interessantes Projekt. Wissenschaftler befragten Zeitzeugen des „Feuersturms auf Hamburg“ – 60 Jahre danach. Und sie fanden extrem schwere Belastungen, zum Teil konnte nicht oder kaum über das Erlebte gesprochen werden und es löste tiefe häufig tiefe Berührung aus (hier zum Nachlesen).

Übrigens ist es für die meisten Betroffene sehr wichtig und hilfreich, auf aufrichtiges, menschliches Mitgefühl zu treffen. Und auf Menschen, die aushalten, dass es so ist, wie es nun ist. Damit meine ich wirklich das „da sein“ und das „Aushalten“. Denn das „darüber reden“ passt in vielen Fällen tatsächlich besser in eine Therapiestunde mit einer/m ausgebildeten Therapeut/in.

 

Andere Traumafolgestörungen

Nicht alle Menschen, die ein Trauma erleiden, entwickeln eine PTSD.

Manchen gelingt es tatsächlich, trotz allem gesund und stabil zu bleiben.

Viele entwickeln aber auch andere psychische „Störungen“, manchmal erst Jahre danach. So liegen hinter Depressionen und Angststörungen sehr häufig traumatische Erfahrungen. Auch chronische Schmerzen, für die keine körperliche Ursache gefunden wird, können eine Reaktion auf unverarbeitete Traumata sein. Ebenso andere psychosomatische Beschwerden, dissoziative Störungen und die Borderline Persönlichkeitsstörung.

 

Welche Therapieform ist besonders hilfreich?

Therapeutisch an Traumatisierungen zu arbeiten ist nicht leicht und einfach. Denn um eine Auseinandersetzung mit dem Geschehenen kommt niemand herum. Aber die Erfolgsaussichten sind wirklich gut, auch wenn das traumatische Ereignis lange zurück liegt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt vor allem zwei Therapieverfahren zur Behandlung von PTBS:

  • Traumafokussierte KVT (kognitive Verhaltenstherapie)
  • EMDR (hier und hier und hier gibt es bereits Blogposts darüber)

Allerdings gibt es noch weitere Verfahren, die auf die Bearbeitung traumatischer Erfahrungen zugeschnitten sind und die gute Erfolge erzielen. Allerdings liegen hier noch nicht ausreichend Studien vor, um sie ganz offiziell empfehlen zu können. Das betrifft z.B. „PEP“ (oder „tappen“) und imaginative Verfahren wie „IRRT“.

Vor der Entwicklung dieser Therapieverfahren galt die PTBS als chronische Störung, praktisch nicht behandelbar. Mit diesen Verfahren aber sieht das völlig anders aus: Sie bieten gute Behandlungsmöglichkeiten und wir sehen wirklich gute Erfolgsquoten.

Dennoch: Eine Traumatherapie ist wirklich kein Zuckerschlecken und bedeutet immer noch einmal die Auseinandersetzung mit dem Grauen.

Das ringt mir als Therapeutin immer wieder tiefsten Respekt ab.

Quellen:
– Bschor, T. & Grüner, S. (2014). Psychiatrie fast (4.Aufl.). Grünwald: Börm Bruckmeier Verlag GmbH.
– S3 Leitlinie der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT), https://www.awmf.org/

Photo by Christian Regg on Unsplash

Claudia Frey
Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin. Mehr ...

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