PTBR

Ein Abkürzungsmonster in der Überschrift: Was verbirgt sich dahinter? Da Sie diesen Artikel lesen, stehen die Chancen nicht schlecht, dass Sie das schon wissen. Vielleicht sind Sie sogar von PTBR betroffen. Oder wissen, dass es dasselbe ist wie PTSD?

 

Was also ist eine PTBR?

Die kurze Antwort ist: PTBR = Eine Posttraumatische Belastungsreaktion (= post traumatic stress disorder = PTSD).

Wie immer bei psychischen Erkrankungen (die wir „Störungen“) nennen, handelt es sich dabei nicht um etwas, das man objektiv feststellen kann. Unsere Psyche ist natürlich nicht über ein Röntgenbild zu erkunden. Deshalb gibt es weltweit viele Forscherteams, die der Frage nachgehen, wie man nun z.B. eine PTBR definieren kann. Was die beste und genaueste Definition davon ist. Und diese Definition ist tatsächlich im Fluss.

 

Es gibt einen besonders gravierenden Auslöser

Bisher gilt für eine PTSD, dass es einen Auslöser geben muss (um überhaupt von einer PTBR sprechen zu können), der existenziell bedrohlich war und der für fast jeden eine Grenzerfahrung wäre. Meist ist das natürlich auch wirklich so. Eine PTSD entwickelt sich häufig nach Erfahrungen extremer Hilflosigkeit bei z.B.

  • Naturkatastrophen
  • Unfällen
  • Sexueller Gewalt
  • Kriegserlebnissen

Die Erfahrung z.B. einer Demütigung kann zwar eine ganz ähnliche (oder identische Symptomatik) haben und für die Betroffenen traumatisch sein. Dennoch würde sie nicht ausreichen, um der Definition zu genügen.

 

Definition der PTBR im Veränderungsprozess

Keine andere Diagnose definiert man über den Auslöser. Man definiert üblicherweise immer über die Symptomatik. Für mich ist das so ähnlich als würde man sagen: Von „Grippe“ kann man nur sprechen, wenn es bei der Ansteckung auch wirklich extrem kalt gewesen ist. Absurd. 

Es ist allerdings tatsächlich so, dass das von vielen Forschergruppen so gesehen wird. Daher wird sich die Definition der PTBR mit der nächsten Version des für uns gültigen Diagnosemanuals „ICD“ (= Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten) verändern.

 

Was sind die Symptome?

Die Erfahrungen, die der Entwicklung einer PTBR vorangehen, sind so einschneidend, dass sie alles verändern. Betroffene berichten häufig davon, dass „danach alles anders“ sei. Eine tiefe Erschütterung von dem, was als „normal“ verstanden worden war: Das Gefühl von Sicherheit und (sich oder anderen) vertrauen zu können, sind verloren gegangen. Typisch sind auch folgende Symptome:

  • sich aufdrängende Erinnerungen an das Trauma (Nachhall-Erinnerungen, Flashbacks)
  • Alpträume und Schlafstörungen
  • ein Gefühl von betäubt sein,
  • Freudlosigkeit, Abgestumpftheit
  • allgemeine Schreckhaftigkeit
  • Vermeidung von allem, was an das Trauma erinnert.

 

Was kann und was soll man gegen PTBR tun?

In den ersten Wochen oder sogar Monaten nach einer traumatischen Erfahrung kann ein Heilungsprozess einsetzen. Tatsächlich passiert das gar nicht selten. Häufig wird deshalb empfohlen, frühestens 1-6 Monate nach einer traumatischen Erfahrung mit einer Therapie zu beginnen. Das halte ich für falsch. Denn Was spricht dagegen, den natürlichen Heilungsprozess mit traumafokussierten Methoden zu unterstützen?

Die andere Seite ist, dass diejenigen Traumatisierungen, die nicht zu Beginn von selbst abklingen und die nicht behandelt werden, oft eine lang andauernde und quälende Belastung für die Betroffenen bedeutet. Hierzu gab es vor einigen Jahren ein interessantes Projekt. Wissenschaftler befragten Zeitzeugen des „Feuersturms auf Hamburg“ – 60 Jahre danach. Und sie fanden extrem schwere Belastungen, zum teil konnte nicht oder kaum über das Erlebte gesprochen werden und es löste tiefe häufig tiefe Berührung aus (hier zum Nachlesen).

Übrigens ist es für die meisten Betroffene nglaublich wichtig und hilfreich, auf aufrichtiges, menschliches Mitgefühl zu treffen. Und auf Menschen, die aushalten, dass es so ist, wie es nun ist. Damit meine ich wirklich das „da sein“ und das „Aushalten“, noch nicht einmal das darüber reden – denn das passt in vielen Fällen tatsächlich besser in eine Therapiestunde mit einer/m ausgebildeten Therapeut/in.

 

Welche Therapieform ist besonders hilfreich?

Es lohnt sich also wirklich, therapeutisch an Traumatisierungen zu arbeiten. Meiner persönlichen Meinung zufolge übrigens unabhängig davon, ob nun eine PTBR diagnostiziert werden kann oder eine andere Trauma-Folgestörung (hierzu kann z.B. auch eine Depression oder eine Angsterkrankung zählen).

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt vor allem zwei Therapieverfahren zur Behandlung von PTBR:

  • Traumafokussierte KVT (kognitive Verhaltenstherapie)
  • EMDR (hier und hier und hier gibt es bereits Blogposts darüber)

Vor der Entwicklung dieser Therapieverfahren galt die PTBR als chronische Störung, praktisch nicht behandelbar. Mit diesen beiden Verfahren aber sieht das völlig anders aus: Beide bieten eine sehr gute Möglichkeit und haben auch wirklich gute Erfolgsquoten. Dennoch: Eine Traumatherapie ist wirklich kein Zuckerschlecken und bedeutet immer noch einmal die Auseinandersetzung mit dem Grauen.

Das ringt mir als Therapeutin immer wieder tiefsten Respekt ab.

Quelle Definition: Bschor, T. & Grüner, S. (2014). Psychiatrie fast (4.Aufl.). Grünwald: Börm Bruckmeier Verlag GmbH.

Foto:Photo by Zany Jadraque on Unsplash

Claudia Frey
Diplom-Psychologin Psychologische Psychotherapeutin

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