Welche Therapieformen gibt es?

„Sie bieten Verhaltenstherapie an? Oh, dann ist das nichts für mich. Ich will nämlich eine Psychotherapie machen.“

Solche oder ähnliche Dinge höre ich immer wieder.

Das will ich zum Anlass nehmen, hier einmal zu klären, welche Therapieformen es gibt und welche vom deutschen Kassensystem übernommen werden.

Psychotherapie ist der Überbegriff

Psychiatrie ist etwas ganz grundlegend anderes als Psychotherapie, dazu hier mehr.

Aber was ist denn nun Psychotherapie?

Eine ganz einfache Antwort auf diese Frage habe ich gar nicht. Denn es gibt viele Formen der Psychotherapie, die sich im Laufe der Zeit ausgebildet haben und die sich zum Teil deutlich voneinander unterscheiden. Allen gemeinsam ist es allerdings, dass sie Menschen darin unterstützen möchten, Symptome und psychische Erkrankungen zu überwinden.

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Welche Formen der Psychotherapie gibt es also?

Die verschiedenen Formen der Psychotherapie nennen sich im Allgemeinen „Schulen“. Jede dieser Formen ist „Psychotherapie“ -eben eine spezifische Form davon.

Meiner Einschätzung nach die wichtigsten sind:

 

Psychoanalyse:

Die Psychoanalyse nenne ich zuerst, weil es historisch die älteste und bedeutsamste der Schulen ist. Sie wurde von Sigmund Freud begründet. Freud war sicherlich einer der ganz großen, einflussreichen und bedeutsamen Menschen des letzten Jahrhunderts. Viele der heute wichtigeren Therapie-Schulen haben sich aus der Psychoanalyse heraus entwickelt.

Wichtige Thesen der Psychoanalyse konnten aber nie wissenschaftlich belegt werden, deshalb ist sie inzwischen sehr umstritten. Trotzdem gibt es auch heute noch große Befürworter der Psychoanalyse.

 

Verhaltenstherapie:

Die Verhaltenstherapie und vor allem deren moderne Form der kognitiven Verhaltenstherapie ist heute der „Goldstandard“. Sie wurde im letzten Jahrhundert als Gegenbewegung zur Psychoanalyse entwickelt.

Entsprechend wichtig war es den „Vätern“ der Verhaltenstherapie (meines Wissens waren keine Frauen dabei) von Beginn an, nur das zu behaupten, was auch wissenschaftlich nachweisbar war.

Bis heute ist es der Verhaltenstherapie ein zentrales Anliegen, Therapiestrategien zu erforschen. Es sollen nur diejenigen Strategien in einer Psychotherapie angewendet werden, die nützlich sind. Und die die PatientInnen dabei unterstützen, ihre Ziele zu erreichen.

KritikerInnen werfen der Verhaltenstherapie vor, sie übernehme alles mögliche aus anderen Therapieverfahren. Ich glaube, das stimmt bis zu einem gewissen Grad – und ich finde das super. So geht Weiterentwicklung, meine ich.

In den letzten Jahren kam es zur so genannten „dritten Welle der Verhaltenstherapie“. Dabei geht es darum, nun auch Verfahren in die Verhaltenstherapie zu integrieren, die auf den ersten Blick wenig verhaltenstherapeutisch erscheinen, z.B. Meditation oder Achtsamkeit.

Allerdings handelt es sich dabei genau um das, was Verhaltenstherapie auszeichnet: Sie übernimmt, das was der Behandlung nutzt, erforscht es und entwickelt es bei Bedarf weiter. Inhaltlich geht es in einer Verhaltenstherapie meist um heutiges Verhalten oder Befinden. Die Vergangenheit wird dabei nicht mehr (wie es früher häufig der Fall war) ausgeklammert, sondern mit in die Behandlung einbezogen. Der Fokus der Behandlung liegt aber tatsächlich auf Veränderung.

 

Tiefenpsychologie:

Dabei handelt es sich um eine „Unterform“ der Psychoanalyse, eine Weiterentwicklung. Leider wird sie von PsychoanalytikerInnen häufig als nicht ausreichend und nicht tief genug angesehen. In meiner persönlichen Wahrnehmung stimmt das so nicht – wobei ich das als Verhaltenstherapeutin nicht fundiert behaupten kann, meine Einschätzung beruht vor allem auf der Rückmeldung meiner PatientInnen über frühere Therapien.

Gerade wenn es um die Bearbeitung und das Verstehen von frühen Erfahrungen geht, kann die Tiefenpsychologie in meinen Augen eine sehr gute Wahl sein.

 

EMDR:

EMDR ist eigentlich keine „Therapieschule“ sondern ein Behandlungsverfahren, das in den letzten 15-20 Jahren entwickelt wurde. Da es aber inzwischen sehr bedeutend geworden ist und in vielen Therapiestudien als erfolgversprechend bewertet wird, will ich es hier aufnehmen.

Die „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“ (EMDR=Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegung) ist ein recht neues Verfahren, das besonders erfolgreich in der Traumatherapie eingesetzt wird.

Es klingt völlig verrückt und deshalb habe ich mich lange geweigert, mich damit zu beschäftigen. Inzwischen ist EMDR aber eines der psychotherapeutischen Verfahren, das am meisten überhaupt erforscht wird: mit unfassbar guten Ergebnissen.

Es handelt sich also überhaupt nicht um „irgend-etwas Esoterisches“ (wie manche glauben), sondern um ein wirksames Therapieverfahren. Kurz und sicherlich nicht umfassend zusammengefasst werden hierbei traumatische Erfahrungen strukturell im Gehirn aufgelöst, so dass eine gesunde Weiterentwicklung ermöglicht wird (genaueres hier).

In Deutschland ist EMDR inzwischen zur Kassenbehandlung bei Erwachsenen zugelassen, (nur) wenn sie eine PTSD-Diagnose haben. Es gibt jedoch bereits viele Studien über die Wirksamkeit auch in anderen Fällen (z.B. bei Depression oder bei chronischem Schmerz). Solche Behandlungen wären in Deutschland jedoch nicht über die gesetzlichen Kassen abgedeckt.

In allen Therapieformen, die ich hier beschreibe – am wenigsten vielleicht in EMDR – wird natürlich gesprochen. Dennoch spricht man dabei nicht von „Gesprächspsychotherapie“. Damit ist eine andere Behandlungsform gemeint (s. unten), die (noch?) keine Kassenleistung ist.

 

Kostenübernahme der Behandlung

Die Behandlung psychischer Erkrankungen (oder „Störungen“, wie man eigentlich sagt) durch die genannten „Therapieschulen“ wird in Deutschland von den gesetzlichen Kassen und meist auch von den privaten Kassen übernommen.

Die „Systemische Therapie“ (früher häufig als „Familientherapie“ bezeichnet) ist wissenschaftlich inzwischen durchaus anerkannt. Dennoch wird sie derzeit noch nicht vom deutschen Kassensystem erstattet, was – so meine ich – vor allem daran liegt, dass man nicht noch mehr Geld für den „psychischen Zweig“ der Kassen ausgeben möchte. Ähnliches gilt für die „Gesprächspsychotherapie„.

 

Es gibt noch viel mehr „Therapieschulen“, zum Teil auch sehr bedeutsame, z.B.

  • Gestalttherapie
  • Hypnotherapie
  • Logotherapie
  • Psychodrama
  • Sexualtherapie

Daneben gibt es auch noch Paartherapie. Auch das ist keine Kassenleistung (ich glaube, die Logik dahinter ist, dass Beziehungsprobleme Privatsache seien. Was natürlich absurd ist, wie jeder weiß, dessen Gesundheit und Leistungsfähigkeit je durch eine Paarthematik beeinträchtigt war).

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photo: „Female psychologist with client in office“ ©Datei: #186112174 | Urheber: Africa Studio, fotolia.de

Claudia Frey
Diplom-Psychologin Psychologische Psychotherapeutin

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