Burn–out, ade

Wie ein Strudelwurm den Weg aus der Stressfalle zeigt (eine Buchrezension)

Wer diesen Blog schon seit einiger Zeit verfolgt, weiß, dass ich ein Fan von Maja Storch und ihrem „Zürcher Ressourcenmodell (ZRM)“ bin. Ich finde sowohl ihre Vorträge wie auch ihre Bücher sehr originell und anregend. Und neue Wege aus der Stressfalle und gegen Burn-out kann man ja immer brauchen. Deshalb hatte ich mich auch schon auf dieses Buch gefreut, das im Februar 2017 veröffentlicht wurde.

Shame on me, dass ich so lange gebraucht habe, um darüber zu schreiben!

Im Mittelpunkt steht wieder das „Würmli“ (= Strudelwurm), eine Figur, die ich schon in einer früheren Besprechung (hier) vorgestellt habe und der im Kampf gegen den Burn-out gute Dienste leisten soll. Leider bin ich dieses Mal aber nicht restlos überzeugt. Das liegt gar nicht so sehr an den Inhalten selbst: Die sind stimmig und gut und auch gut zu lesen. Aber für meinen Geschmack ist es zu sehr eine Werbung für die ZRM-Kurse. Schade.

Aber der Reihe nach:

 

Was ist Burn-out eigentlich?

In diesem Buch wird die Meinung vertreten, dass Burn-out zwar nicht im derzeit gültigen Diagnosesystem („ICD-10“) als Krankheit gelistet wird. Dennoch handle es sich dabei aber um eine ernstzunehmende Störung, die behandelt werden solle.

Ich selbst sehe es ähnlich.

Weil Burn-out nicht zum Katalog der „krankheitswerten Störungen“ (so heißt das offiziell!) gehört, wird die Behandlung aber nicht von den gesetzlichen oder privaten Kassen in Deutschland übernommen. Betroffene, die sich damit auseinandersetzen möchten, wenden sich also sinnvollerweise eher an einen darauf spezialisierten Coach als an einen/e Psychotherapeuten/in. Letztere würden sie nämlich vermutlich wegschicken müssen.

Aber auch ein Buch zum Thema kann ja manchmal schon weiterhelfen.

 

Welche Strategie gegen Burn-out schlagen Storch & Co vor?

Wichtig, so meinen die Autoren, ist es, das „Selbstmanagement“ zu fördern. Weshalb man sowohl das Bewusste wie auch das Unbewusste mit ins Boot holen sollte.

 

Dafür muss man sich Folgendes klarmachen:

Es gibt zwei unterschiedliche Bewertungs- und Entscheidungssysteme im Gehirn:

  • Einerseits den Verstand („bewusst“). Er sei eher langsam, aber überlegt und uns (logischerweise) direkt zugänglich.
  • Dann das „Unbewusste„, das als altes System beschrieben wird. Es sei schnell, erzeuge diffuse Gefühle und kann von uns kaum gesteuert werden. Dieses System hat Maja Storch das „Würmli“ genannt, denn es ist nicht viel anders als das System urzeitiger Lebewesen.

Am zufriedensten sind wir, wenn beide Systeme im Einklang sind. Es gibt sogar eine Faustregel für Lebenszufriedenheit:

 

1/3 gewürgter Wurm, 2/3 freier Wurm

Wenn wir chronisch gestresst und überfordert sind, wird der Wurm quasi zu häufig gewürgt. Dann ist es nicht mehr weit zum Burn-out oder anderen Störungen.

 

Was also tun?

Dieses Buch schlägt vor, kluge Selbstmanagament-Techniken einzusetzen, dafür nennt es auch einige recht ausführlich. Die können Sie wirklich gut im Buch nachlesen, wenn Sie das möchten. Allerdings gibt es auch hierzu schon in vorherigen Büchern von Maja Storch viele Anregungen. Grundsätzlich solle man auf „Selbstregulation“ setzen (Würmli tut etwas freiwillig und sitzt mit im Boot). „Selbstkontrolle“ hingegen (Würmli liegt in Ketten) funktioniert immer nur kurzfristig.

Soweit meine Ultrakurzzusammenfassung dessen, was mir am Buch wichtig erscheint.

 

Was ich an diesem Buch gut finde:

  • es ist als Ratgeber schnell und leicht verständlich, liest sich flüssig
  • es werden leicht verständliche Analogien zu komplizierten Prozessen geschaffen (Bsp. Burn-out = Tiefenentladung des Handyakkus)
  • die vorgestellten Methoden sind alltagsnah und einfach umsetzbar
  • es gibt einen sehr detaillierten Einblick in den Ablauf des GUSI®-Programmes. Damit kann man für sich klären, ob man an einem solchen Programm teilnehmen möchte
  • Burn-out wird aus Sicht verschiedener Personen dargestellt —> der/die LeserIn kann sich gut in einer der Beispiele wiederfinden; verschiedene Facetten von Stress werden beschrieben
  • der/die LeserIn wird angeregt, über ihre/seine eigenen Bedürfnisse nachzudenken
  • der/die LeserIn wird angeregt, die für ihn/sie ideale Methode, Stress abzubauen, herauszufinden
  • es gibt viele vorgestellte Selbsthilfetechniken, die sogar mit Comic-Zeichnungen veranschaulicht  werden —> das ist „wurmfreundlich“

 

Kritische Anmerkungen:

  • starker Fokus auf der Vorstellung des GUSI®-Programmes bzw. ZRM®-Trainings (von Autoren selbst entwickelt) —> deutliche Eigenwerbung der Autoren
  • Unterschied zwischen GUSI® und ZRM® durch ungünstige Buchgliederung zuerst nicht klar
  • Dopplung des ZRM®-Trainings, was in der ersten Hälfte des Buches detailliert umschrieben wird, und dann nochmals im vorletzten Kapitel zur besseren Verständlichkeit erneut verkürzt wiedergegeben wird

 

Mein ganz persönliches Fazit:

Es handelt sich durchaus um einen Ratgeber für Burn-out Gefährdete und/oder Interessierte, der bereichert und zu eigenem Handeln motiviert – es gibt aber tiefer gehendes zum Thema. Auch von der Autorin selbst.

Quelle: „Burn-out, ade – Wie ein Strudelwurm den Weg aus der Stressfalle zeigt“ von Johannes Storch und Olbrich Dieter

Photo by Bill Craighead on Unsplash

Claudia Frey
Diplom-Psychologin Psychologische Psychotherapeutin

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