Sie kennen das bestimmt, oder?  Ich kenne es jedenfalls:  Es wäre sooo vernünftig,  in den Apfel zu beißen (der gar nicht so sauer sein muss). Und auf die Praline zu verzichten. Oder endlich Aufgabe xy zu erledigen, statt im Internet zu surfen oder herum zu zappen.

Und statt dessen? Übernimmt der Autopilot und schon ist es um die guten Vorsätze geschehen.

Was passiert da eigentlich? Und wie damit umgehen?

In ihrem kleinen Büchlein „Machen Sie doch, was Sie wollen“ (Hans Huber-Verlag, 2010) stellt die Psychoanalytikerin Maja Storch ein liebenswürdiges, aber manchmal etwas schwer-von-kapito „Würmli“ dem schrecklichen inneren Schweinehund entgegen (den es nicht gibt, meint sie – und ich schließe mich aus vollstem Herzen an).

Denn „das Würmli“ meint es eigentlich gut mit uns. Es handelt sich dabei übrigens um eine Abkürzung für „Strudelwurm“. Diese Bezeichung hat Maja Storch für ein entwicklungsgeschichtlich uraltes, aber durchaus sinnvolles Gehirnareal eingeführt, das ganz schlicht – und ganz schnell – reagiert und alte Erfahrungen fest abgespeichert hat.

Gut/schlecht, Belohnung/Bestrafung, das sind die Kategorien, auf die das „Würmli“ blitzschnell reagiert, schneller als man denken kann. Und schaltet damit zuweilen unser „bewußtes“ oder vernünftiges Denken aus. Immer dann, wenn es Widersprüche gibt.

Dabei ist „das Würmli“ wie gesagt nicht dumm oder faul. Sondern stellt uns alte Erfahrungen und Überlebensstrategien jederzeit mit den besten Absichten zur Verfügung.

„Nix wie weg“, kann z.B. so eine alte, tief verwurzelte Strategie sein, wenn es darum geht, seine Leistungen zu zeigen (und sich womöglich zu blamieren – wie damals in der 3. Klasse an der Tafel…). Das kann der Grund dafür sein, wichtige Aufgaben immer wieder vor sich herzuschieben. Sich nicht weg zu bewerben, obwohl es doch wirklich so gut wäre, eine andere Stelle mit passenderen Aufgabe zu finden.

Die Kunst ist es nun, unsere Vernunft, unser Bewußtsein so einzusetzen, dass „das Würmli“ mitzieht. Manchmal, so meint Frau Storch, muss und darf man es auch zwingen, sich zusammen reißen, „das Würmli an die Kette nehmen“. Aber allzu oft sollte man es nicht tun. Schlecht für die Lebensqualität. Und es funktioniert auf Dauer auch nicht. Klüger ist es da schon, die Beweggründe zu verstehen und Alternativen zu finden, quasi mit dem „Würmli“ zu verhandeln.

Maja Storch stellt richtig gehend liebevolle Methoden und Wege vor, wie wir mit diesem oft gescholtenen Teil von uns gut und sinnvoll umgehen können. Lesenswert.

Foto: © negrobike – Fotolia.com

Claudia Frey
Diplom-Psychologin Psychologische Psychotherapeutin

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