In der Interview-Serie „I Do It My Way“ stelle ich Menschen vor, die einen nicht ganz gradlinigen Weg hinter sich und einiges zu erzählen haben: Diese Interviews sollen Mut machen und aufzeigen, dass „Erfolg“ nicht immer stromlinienförmig aussieht.

Viel Freude damit!

„Storytelling“ – was ist das? Und was ist eine „Storybank-Party Challenge“??? Lesen Sie dieses spannende Interview mit Susan Graul, die über viele Umwege dahin gekommen ist, wo sie sich jetzt richtig wohl fühlt: Sie unterstützt ihre Kunden dabei, ihre eigene Geschichte besser zu verstehen und dann so zu vermitteln, dass auch andere viel damit anfangen können. Denn das ist es, was man unter „Storytelling“ versteht.

[Tweet „Unsere persönlichen Geschichten sind unser größtes Kapital. Spannendes Interview mit SusanGraul.com @IdoItMyWay @SUGRSTEPS“]

Wie haben Sie beruflich gestartet? Warum auf diese Art? Und was ist ihr Beruf, was Ihr wichtigstes Tätigkeitsfeld heute?

Interview mit Susan GraulAls Kind wollte ich unbedingt Rechtsanwältin werden. Ich hatte einen Onkel, der war Strafverteidiger und auf Familienfeiern erzählte er die faszinierendsten Geschichten von seinen Mandanten. Er machte es immer sehr spannend, indem er uns einen Blick hinter die Kulissen gewährte: Was war die ungeschminkte Wahrheit, worin lag die Motivation für die Taten und für welche Verteidigungsstrategie hatte er sich entschieden? Dann durften wir raten, wie das Urteil ausgefallen war. Es war herrlich!

Heute arbeite ich in meinem Traumberuf als Storytelling Beraterin. Das heißt, ich unterstütze Online-Unternehmer dabei, ihr Business mit Hilfe ihrer eigenen Geschichten klar, attraktiv und erfolgreich zu machen. Good Stories, Better Business ist mein Motto.

Witzigerweise empfinde ich meine heutige Arbeit als „same same, but different“ zu dem, was ich mir als Kind unter dem Beruf der Anwältin vorgestellt hatte: Geschichten anhören, Kontext betrachten, Klarheit reinbringen und eine Strategie entwickeln, wie die Kernelemente wirksam vermittelt werden können, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.

Was waren Ihre persönlichen „Meilensteine“ auf Ihrem Weg? Gibt es eine Erfahrung/eine Lehre daraus? Was hat Ihnen geholfen, diese Meilensteine jeweils zu „knacken“/zu überwinden?

Ich bin in Wernigerode im Ostharz, also der damaligen DDR, aufgewachsen und mit 18 war ich noch 1.000 %ig auf Jura und die Laufbahn als Anwältin programmiert. Auch insgesamt rechnete man in meiner Familie oder auch sonst üblicherweise in der DDR wohl eher mit einem klaren Lebensverlauf. Bei mir hielt der Berufswunsch Anwältin allerdings nur bis zum Abbruch meines Jurastudiums Ende des zweiten Semesters vor. Danach hatte ich keine Ahnung was mein neues berufliches Ziel sein sollte.

Darf ich fragen, warum Sie Ihr Jura-Studium abgebrochen haben?

Es war kurz nach der Wende und ich war so hungrig danach, die Welt zu sehen. Ich erinnere mich noch, wie ich im ersten Semester an der Uni in Göttingen die Aushänge und Flyer über Bewerbungen um Auslandssemester las und es klang alles so niederschmetternd kompliziert und unerreichbar. Schließlich teilte ich doch mit 700 anderen Studenten den Hörsaal. Dazu wurden einige Profs nicht müde uns zu erzählen, dass eh nur 1/3 von uns das 1. Staatsexamen schaffen würden … das sah überhaupt nicht nach einem lustigem Studentenleben aus, irgendwie konnte ich mir nicht vorstellen, so meine nächsten Jahre zu verbringen.

Wie ging es denn nach dem abgebrochenen Jurastudium weiter mit Ihnen?

Nach dem Studienabbruch ging ich dann erstmal als AuPair nach Südengland. Dann studierte ich Betriebswirtschaftslehre. Der Abschluss hat dann auch geklappt und war natürlich ein Meilenstein. Während meines BWL-Studiums habe ich dann in den USA und in UK studiert und in Finnland und Spanien ein Praktikum gemacht . All diese tollen Gelegenheiten haben mich absolut durch dieses Studium getragen.

Leider blieb jedoch die Begeisterung für dieses Fach aus. Ich traute mich zwar, weiter nach dem Richtigen für mich zu suchen und war bereit, dafür das Aufgabengebiet, die Branche oder gar die Stadt zu wechseln, doch innerlich bekam ich die Handbremse einfach nicht gelöst, war immer sehr zurückhaltend. Wenn es bei Meetings oder Präsentationen zur Sache ging, zweifelte ich schnell an meinem eigenen Wort, ging immer davon aus, dass andere es besser wüssten, denn ich war ja erst kurz dabei.

2006 entdeckte ich dann die Kunst des Drehbuchschreibens und es eröffnete sich eine völlig neue Welt. Ich liebte es, über Geschichten und Figuren nachzudenken, ins eigenständige Machen und Durchziehen zu kommen und genoss den Kontakt zu anderen Autoren, die sich auch gerne Gedanken zu diversen menschlichen Themen machten.

2008 wurde ich plötzlich gekündigt. Ich arbeitete inzwischen in einem Mode-Startup, das leider nicht funktionierte. Ich bin dort zwar voller Hoffnung und mit einem guten Vertrag eingestiegen aber nach einen knappen Jahr war dann auch schon wieder alles vorbei. Die Firma löste sich kurz nachdem ich entlassen wurde komplett auf.

Daraufhin entschloss ich mich, es beruflich selbst zu versuchen. Mit einer Vollzeit-Anstellung würde ich wohl nicht mehr glücklich. Ich gründete eine Videomarketing- und Imagefilmberatungsfirma. Für ein paar Jahre leistete ich mir den “Luxus der finanziellen Unsicherheit” wie ich es mit einem lachenden und einem weinenden Auge gegenüber Freunden, die weiter die Karriereleiter erklommen, bezeichnete.

Interview mit Susan GraulDoch die finanziellen Einbußen waren irgendwann nicht mehr lustig. Der Berliner Leitspruch „arm aber sexy“ tröstet ein Weilchen , aber dann tut es einfach nur noch weh. Die Lösung lag in einer Mischung aus Teilzeitjob und eigenem Business. Das entspannte so viele Dinge in meinem Businessaufbau, gab Raum fürs Erforschen meiner Stärken und ließ ein Fortschreiten in meinem eigenen Tempo und Stil zu.

Der rote Faden

Mein liebster Meilenstein war jedoch der Aha-Moment, in dem ich die oben erwähnte „Same same, but different“ Story fand. Da saß ich in der Bibliothek am Hackeschen Markt in Berlin, arbeitete am Storytelling für eine Testkundin und plötzlich wurde mir der rote Faden in meinem bisherigen Leben bewusst. Mit Menschen und ihren Geschichten arbeiten, das wollte ich schon immer.

Auf der einen Seite war ich super glücklich darüber, mich endlich beruflich angekommen zu fühlen, auf der anderen Seite tat es mir ein bisschen leid, dass ich bis dahin so oft mit mir gehadert und mir diesen unsteten Weg selbst vorgeworfen hatte. Und dabei hat mich meine Intuition ganz wunderbar geleitet!

Also, die Lehre aus all den Meilensteinen wäre wohl: auch wenn man gefühlt in einer dicken Nebelsuppe herumläuft, kann es gut sein, dass man schon viel weiter auf seinem Weg vorangeschritten ist, als man denkt. Trial and Error ist zwar machmal mühsam aber nie ein Fehler.

[Tweet „Auch wenn man gefühlt in einer dicken Nebelsuppe herumläuft, kann es gut sein, dass man schon viel weiter auf seinem Weg vorangeschritten ist, als man denkt. Tolles Interview mit SusanGraul.com @IdoItMyWay „]

Hat Ihr beruflicher Weg Ihr Privatleben beeinflusst? Wie?

Ja, sehr. Es gab immer wieder Freundschaften, die nur über den aktuellen Job funktionierten.

Das war manchmal nicht leicht zu verstehen, doch so ist das eben, auch Freundschaften kommen und gehen und die, die bleiben sind natürlich das Allerschönste!

Ich finde, Sie sind einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Stimmt das aus Ihrer Sicht? Was ist für Sie persönlich das Ungewöhnliche daran?

Worüber ich manchmal staune ist, wie beharrlich ich dran blieb und gewillt war, nach „meinem Ding“ zu suchen, nicht aufzugeben und trotz so vieler innerlicher und äußerlicher Unsicherheiten darauf zu vertrauen, dass ich es schon irgendwie schaffen würde.

Doch letztendlich ist dies wohl einfach eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen, um sich ein authentisches, attraktives und auf langfristigen Erfolg ausgerichtetes Business aufzubauen – jeder Leser möge mal die Geschichten seiner Lieblingsunternehmer anschauen, ich bin sicher da sind etliche solcher Beispiele dabei.

Gab es Kritik an Ihrem Weg und wie sind Sie damit umgegangen?

Für meine Eltern waren die vielen Wechsel nicht leicht und die Enttäuschung über das abgebrochene Jurastudium saß anfangs tief. Da half es teilweise nur, das Thema auch mal auszublenden, einfach im Kontakt so weiter zu machen. Ansonsten traf ich sicherlich häufig auf freundliches Unverständnis. Doch das war absolut ok, ich habe es ja häufig selbst nicht richtig verstanden.

Gab es Zeiten in Ihrem Leben, in denen (auch) Sie gezweifelt haben? Wenn ja: Wie sahen diese Zweifel aus? Warum haben Sie gezweifelt? Und wie sind Sie damit umgegangen, was hat Ihnen besonders geholfen?

Ich habe oft gezweifelt. Mein erklärungsbedürftiger Lebenslauf wuchs und wuchs und die Klarheit zu dem, was ich in meinem Business machen wollte, dauerte deutlich länger als ich es gebraucht hätte. Dankbar bin ich für die Freunde, die mir, auch wenn sie meine Entscheidungen nicht komplett nachvollziehen konnten, bedingungslos herzlich begegnet sind und mich auf vielfältige Weise unterstützt haben. Und ich bin glücklich darüber, einen wundervollen Partner an meiner Seite zu haben, der einfach auf dieser Reise dabei ist und mich sowohl durch seine realistische als auch positive Einstellung bei vielen Entscheidungen unterstützt.

Wenn Sie sich in die Zeit zurückversetzen, in der Sie – sagen wir – 18 Jahre alt waren: Wie hätten Sie über Ihre heutige Situation gedacht?

Interview mit Susan GraulIch würde sagen, ich bin relativ gemütlich aufgewachsen, ohne viel Druck. Meine Eltern waren sehr liebevoll mit mir. Meine schulischen Leistungen waren gut, da gab es wenig Stress und wir alle waren ganz entspannt miteinander. Vielleicht kommt ja daher mein gutes Urvertrauen.

Als ich siebzehn war, kam dann Ostdeutschland gerade frisch zum Westen dazu. Dieses unglaubliche „Jetzt-ist-alles-möglich“ – Gefühl, das da aufkam, war großartig.

Dass man so etwas wie Storytelling Beratung machen kann, war dann aber absolut jenseits meines Horizontes, vielmehr war ich zu der Zeit ja noch komplett auf die Anwaltskarriere ausgerichtet. Dass mein Weg so verlaufen würde, hätte mich eher gewundert – so ein Hin und Her war in der DDR nicht vorgesehen.

Gab es – rückblickend gesehen – einen Moment, an dem Sie sich ganz bewusst für genau diesen Weg entschieden haben? Oder wie verlief das für Sie?

Mit der Entdeckung des Drehbuchschreiben begann für mich ein neuer Abschnitt. Ich wurde innerlich mutiger, selbstbewusster, ich hatte etwas gefunden, hinter dem ich 100% stand. Das bedeutete mir viel und half mir dabei, aus mir raus zu kommen, meine Gedanken und Ideen auszudrücken, mich zu zeigen. 2012 startete ich meinen ersten Blog, auf dem ich Tipps zum Plotting & Pitching von Geschichten für Drehbuchautoren teilte.

Das war auch der Start für meine Reise in der Online-Business-Welt und definitiv der Vorläufer meiner heutigen Arbeit bei Good Stories, Better Business.

Gibt es derzeit ein Thema, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Neben dem Erzählen von Geschichten, finde ich es genau so wichtig, dass wir einander auch immer wieder mal gut zuhören. Geduld füreinander aufbringen und dem anderen Raum geben, einfach zu erzählen. Muss nicht immer alles superwichtig und druckreif gesprochen sein. Im privaten Bereich ist das ein Geschenk, das jeder für jeden in petto haben kann.

Haben Sie einen Tipp für jemanden, der an einem Punkt im Leben steht, an dem er/sie nicht genau weiß, wie es weitergehen soll? An dem er/sie sich vielleicht sehr alleine fühlt?

Sei nicht so hart zu Dir selbst!

Ich habe es oben ja schon ein bisschen beschrieben, Andreas Bourani bringt es mit diesem Lied auch noch mal wunderschön auf den Punkt.

Das Thema dieser Interview-Serie ist „I do it my Way“, angelehnt an den Titel eines bekannten Frank Sinatra Titels, in dem er seinen Umgang mit Niederlagen und seinen persönlichen Weg beschreibt. Gibt es einen Song, ein Buch, ein Gedicht, ein Kunstwerk oder ähnliches, das Ihre Haltung zu diesem Thema einfängt?

Da mache ich gleich bei der Musik weiter. Sixto Rodriguez, US amerikanischer Singer-/Songwriter mit mexikanischen Wurzeln ist einer meiner Lieblingskünstler. Seine Geschichte ist ziemlich unglaublich und auf jeden Fall sind seine zwei Alben aus den 1970er Jahren brillant, kein Song davon ist bisher alt geworden.

Das Lied “To whom it may concern” handelt davon, nach Enttäuschungen wieder aufzustehen und weiter nach seiner Liebe zu suchen. Ich denke das gilt genauso für das Traumbusiness, nach dem wir uns auch sehnen:

Don’t sit and wait
. Don’t sit and dream
. Put on a smile
. Go find a scene
. I’m sure you’d meet
. Someone who would really love you.
Don’t sit and hope
. Don’t sit and pine
. If you’ve been hurt
. Make up your mind. 
I’m sure you’d find
. Someone who would really love you.
I don’t know why you sit around. 
I only know if love is gone
. Don’t sit alone with your pride.
To whom this may concern to say
. Don’t wait for love to come your way. 
Don’t waste your time
. Make up your mind
. And make it happen.
I don’t know why you sit around. 
I only know if love is gone
. Don’t sit alone with your pride. 
Listen to me and you would see
. Just how fine your romance could be.
I don’t know why you sit around
. I only know if love is gone. 
Don’t sit alone with your pride
. Listen to me and you would see
. Just how fine your romance could be.

Gibt es noch etwas, das Ihnen für dieses Interview wichtig ist?

Ja. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Geschichten führt vor allem auch erstmal zu sich selbst und legt ganz viel Kraft und Energie frei, um sein Leben stimmig zu gestalten.

Meiner Arbeit liegen drei Annahmen zu Grunde, die ich gerne den Lesern mit auf den Weg geben möchte:

1.) Unsere Geschichten sind unser größtes Kapital

2.) Wenn wir unsere Geschichten erzählen, werden wir gefunden – und zwar (auch) von unseren Traumkunden

3.) Wir alle tragen erzählenswerte Geschichten in uns, auch wenn wir nicht alle das Glück haben, dass eine alles überspannende Signature Story (= ine Geschichte die auf Anhieb Kernelemente einer Person oder eines Businesses vermittelt) dabei ist.

Der einzige Fehler, den man beim Storytelling machen kann ist, Storytelling zu ignorieren.

Ganz herzlichen Dank für dieses interessante Interview, bei dem ich wieder viel gelernt habe! Wie können unsere Leser/innen Sie im Internet finden?

Meine Website ist www.susangraul.de

Bei Twitter bin ich derzeit noch hier zu finden und bei facebook hier.

[Tweet „Unsere persönlichen Geschichten egal ob laut oder leise, mühelos oder anstrengend sind unser größtes Kapital. Spannendes Interview mit SusanGraul.com @IdoItMyWay @SUGRSTEPS „]

Alle Fotos, Links, Texte: susangraul.de

Claudia Frey
Diplom-Psychologin Psychologische Psychotherapeutin

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