Aber so ist es doch wirklich?!

Was ist real? Wie ist es wirklich? Das ist in Zeiten von Fake News manchmal gar nicht so leicht zu wissen. 

Aus psychologischer Sicht ist einer der Gründe, warum „Fake News“ so mächtig sind, folgender: Wir (als Menschen) sind auf „Erhaltung dessen, was ist“ programmiert. Unser Organismus versucht also ständig, den Staus Quo aufrecht zu erhalten oder wieder herzustellen. Das gilt z.B. nach einer Verletzung, wenn der Körper alles nur mögliche aktiviert, um die Wunde zu heilen. Das gilt aber auch für Psychologisches.

Deshalb ist es so schwer, von einer einmal gefassten Meinung wieder abzuweichen. Unser „mentales System“ filtert Informationen unterbewusst danach aus, ob sie bestätigen, was wir schon wissen – oder auch danach, was unsere Glaubenssätze bestärkt. 

Wir nennen das Phänomen „Confirmation Bias“ („Bestätigungs-Vorurteil“).

 

Bestätigungs-Vorurteil? Was soll das sein?

Ein „Conformation Bias“ meint die Neigung von Menschen, Informationen so auszuwählen, zu suchen und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen bestätigen (s. auch hier). Im Klartext bedeutet das, dass wir aus allen Informationen, die es so gibt, genau diejenigen herausfiltern, die bestätigen, was wir schon wissen. Oder zu wissen glauben.  Das bezieht sich besonders auf emotional aufgeladene Themen.

Wir konnten das bei der so genannten „Flüchtlingskrise“ beobachten. Manche hatten oder haben große Angst vor den Veränderungen, die die Aufnahme von vielen Geflüchteten im Jahr 2015 oder danach bedeutet. Und dann nehmen sie genau diejenigen Nachrichten auf, die Negatives über Geflüchtete berichten und fühlen sich in ihren Annahmen bestätigt. Positive oder entgegengesetzte Nachrichten nehmen sie gar nicht wahr oder werten sie ab („Lügenpresse“).

 

Fake News über sich selbst

Leider funktioniert dieser „Knick in der Optik“ meist auch uns selbst gegenüber ausgezeichnet. Wenn wir zum Beispiel der Überzeugung sind, dass wir klug sind, finden wir die Bestätigung dafür genauso, wie wenn wir das Gegenteil glauben. Und das ist gar nicht esoterisch. Wie das funktioniert? Ganz einfach: Ich bin davon überzeugt, klug zu sein und bekomme eine gute Bewertung. Bingo! Der Beweis, ich bin klug. Ich bekomme eine schlechte Bewertung? Ach was, das war ein schlechter Tag. Oder ich habe gestern eben zu lange gefeiert. Umgekehrt geht es zum Beispiel so: Ich fürchte, dumm zu sein. Und bekomme eine hervorragende Bewertung. Was mache ich daraus, wenn ich wirklich der festen Überzeugung bin, nichts zu taugen? Klar, das war eine super leichte Arbeit, Oder die Lehrerin hatte Mitleid mit mir. Ganz anders natürlich, wenn ich eine schlechte Bewertung bekomme, dann ist das natürlich der Beweis dafür, wie mies ich bin.

 

 

Wie kann man sich gegen „Fake News“ wehren?

 

 

Das Schlimme ist ja, dass Fakten unsere festen Überzeugungen oft gar nicht ändern – weil wir sie eben abwerten oder sogar verdrehen. Wenn wir sie überhaupt wahrnehmen. Übrigens wissen wir oft gar nicht, dass wir mit einem bestimmten Filter auf die Wirklichkeit schauen. Wir denken einfach, dass es sich um „die Realität“ handelt („ich bin doch wirklich nicht so besonders klug“, „Flüchtlinge sind doch wirklich xy“)

Was können wir also tun, wenn wir ein realistischeres Bild von der Welt und von uns haben möchten? 

Das Einzige, was den „confirmation bias“  ändert, ist eine bewusste Entscheidung, sich gegen die „angestammte“ Interpretation zu stellen. Aber das ist anstrengend und erfordert ein ständiges Hinterfragen unserer Ansichten. Leider ist das wirklich nicht einfach. Zumal die meisten von uns so gestrickt sind, dass wir sehr schnell bereit sind, eine Bestätigung einer vermeintlichen Wahrheit zu akzeptieren. Selbst wenn eine Information, die nicht zu unserem bisherigen Filter passt, viel angenehmer wäre.

Vielleicht lassen Sie sich kurz auf die folgende kleine Übung ein, um Ihren persönlichen „Fake News“ auf die Schliche zu kommen und sie vielleicht sogar zu verändern.

 

Eine kleine Übung gegen Ihre persönlichen „Fake News“

Wenn wir unseren Präfrontalen Cortex (= Erwachsenen-Ich oder auch „entwicklungsgeschichtlich sehr hoch entwickelter Hirnbereich“, genaueres bei Wikipedia) ganz bewusst einschalten und dazu nehmen, können wir solche Programmierungen aufspüren und auch verändern.

Stellen Sie einen Timer auf 5 Minuten. Dann schreiben Sie ohne Pause los und beschreiben sich, bis die Zeit um ist: 

Ich bin ….. 

Wenn Sie möchten, machen Sie das gleich noch einmal und beschreiben dieses Mal für 5 Minuten, wie die Welt in Ihrer Wahrnehmung ist:

Die Welt ist …. 

Und dann nehmen Sie sich das Blatt und hinterfragen Ihre Aussagen ganz bewusst, z.B. mit folgenden Fragen:
– Stimmt das? Stimmt das wirklich? Woher weiß ich das?
– Was ist das Gegenteil dieser Annahme? Kann ich beweisen, dass dieses Gegenteil falsch ist?
– Wie würde xy (vertrauter Mensch) zu diesem Satz sagen? Woher weiß ich, ob diese Ansicht stimmt, nicht stimmt?

Claudia Frey
Diplom-Psychologin Psychologische Psychotherapeutin

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