Claudia Frey

In der Interview-Serie „I Do It My Way“ stelle ich Menschen vor, die einen nicht ganz gradlinigen Weg hinter sich und einiges zu erzählen haben: Diese Interviews sollen Mut machen und aufzeigen, dass „Erfolg“ nicht immer stromlinienförmig aussieht.

Viel Freude damit!

„Sich vermarkten“ klingt für mich nicht wirklich nach etwas Gutem. So, als würde man lügen oder die eigenen Leistungen aufbauschen –  um sein Gegenüber mit eher unlauteren Methoden von sich zu überzeugen. Ich bin froh, dass mich Isabella von Philippovich eines Besseren belehrt hat. Sie ist Marketing-Expertin aus Leidenschaft und davon überzeugt, dass Marketing nur dann funktioniert, wenn man authentisch ist und seine Persönlichkeit zeigt – und nicht, wenn man so tut „als ob“. Ich freue mich sehr, dass sie uns hier einiges über sich und Ihre Gedanken erzählt.

Wie haben Sie beruflich gestartet? Warum auf diese Art? Und was ist ihr Beruf, was Ihr wichtigstes Tätigkeitsfeld heute?

authentisches Marketing

Photo von: Swandhild Kruckelmann

Ich habe als Unternehmensberaterin im strategischen Marketing gestartet und es über etliche Jahre geliebt. Ich habe die verschiedensten Orte gesehen, mit tollen Kollegen zusammengearbeitet un lösungsorientierte und langfristig Marketingstrategien entworfen. Dazu Projektvorhaben und Prozesse moderiert und dabei irsinnig viel gelernt und ausprobieren können. Das lag mir und passte auch gut zu meinen damaligen beruflichen Vorstellungen. Es war ein glücklicher Zufall, man hat mich direkt von der Uni abgeworben und ich war dankbar, diese Erfahrungen machen zu dürfen.

Nach ein paar Jahren habe ich gewissermaßen die Seite gewechselt und den Schritt in die Tourismusbranche gewagt. Ich wurde Geschäftsführerin einer Marketingorganisation und hatte nicht nur ein Team von Mitarbeitern zu führen, sondern auch das Unternehmen völlig neu zu strukturieren.

Das war auch schon ein Vorgeschmack auf die Selbstständigkeit, denn als Geschäftsführung einer GmbH ist man mit allen Rechten, Pflichten und der Verantwortung die man trägt sehr nah am Unternehmertum.

Heute bin ich rundherum meine eigene Chefin und verbinde meine Erfahrung aus diesen beiden – für mich nach wie vor hochspannenden – beruflichen Phasen in meinem eigenen Unternehmen. Dem Thema Marketing bin ich treu geblieben, nur die Perspektive hat sich verändert. Ich helfe Persönlichkeiten und Menschen, die ihr Profil schärfen möchten, ihr Personal Branding zu entwickeln und sich damit authentisch zu vermarkten, ohne das ganze innere Unbehagen das dabei entstehen kann, und welches viele davon abhält mit ihren Talenten nach außen zu treten. Im Kern geht es eben um Business mit Persönlichkeit.

Was waren Ihre persönlichen „Meilensteine“ auf Ihrem Weg? Gibt es eine Lehre daraus? Was hat Ihnen geholfen, diese Meilensteine jeweils zu überwinden?

Zwei Meilensteine markieren meinen Weg bis zu dem Punkt an dem ich heute stehe.

Zum einen hatte ich schon sehr jung eine hohe Führungsverantwortung für Mitarbeiter und Projekte, ich war quasi immer gleich Chefin, es fehlten die bei anderen üblichen Zwischenschritte. Das war Fluch und Segen zugleich und es hat mich in jedem Fall zur Weiterentwicklung angetrieben. Daraus habe ich für mich mitgenommen, dass ich mir viel zutrauen kann, denn die Dinge ergeben sich immer aus der Notwendigkeit und der Sache heraus.

Zum anderen stand und arbeitete ich im Lichte der Öffentlichkeit. Ich wurde zu einer öffentlichen Person aufgrund meiner Position. Leider ging jedoch das öffentliche Interesse weit darüber hinaus. Das war ungewohnt und eine Lernkurve, um eine Balance zu finden zwischen mir und der Rolle, die ich ausfüllte. Diese Herausfoderung und Erfahrung hat mich schlussendlich zu dem geführt, was ich heute mache. Nämlich Menschen zu helfen mit der gewollten oder ungewollten öffentlichen Aufmerksamkeit umzugehen, sich selbst dabei treu zu bleiben und eben nicht zu verbiegen und dabei die Kontrolle zu behalten, wie man in der Öffentlichkeit gesehen wird.

Hat Ihr beruflicher Weg Ihr Privatleben beeinflusst? Wie? 

Ich denke das ist untrennbar miteinander verbunden. In meinem Fall hatte das zeitweise durchaus seine Kehrseite. Als öffentliche Person ist man Projektionsfläche für allerlei Erwartungen. Ich habe versucht meine Aufgabe bestmöglich auszufüllen, beruflich und privat war schwer zu trennen, bis ich irgendwann merkte, dass ich zu dieser Rolle wurde. Das war natürlich auch ein Schutz, aber ich spielte eine Rolle in einem Stück, das ich nicht selbst geschrieben hatte.

Mittlerweile laufe ich nicht mehr in einem fremden Hamsterrad, sondern bin gerne Unternehmerin, da gerate ich nicht mehr so leicht aus dem Gleichgewicht, denn ich kann mir Dinge viel freier einteilen. Das ist ein Riesenvorteil für mich im Vergleich.

Ich finde, Sie sind einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Stimmt das aus Ihrer Sicht? Was ist für Sie persönlich das Ungewöhnliche daran?

 

Ungewöhnliche Wege ergeben sich, man kann sie nicht absichtlich gehen. Gemessen an geradlinigen Karrierewegen, wo sich ein Schritt aus dem nächsten logisch ergibt, mag mein Weg eher von Umwegen geprägt sein, aber aus meiner Sicht und für mich nicht weniger sinnvoll. Wo wir beim Bild des Weges sind: Ich hatte immer die Einstellung meinen Weg mit offenen Augen und einer gehörigen Portion Flexibilität zu gehen. Denn wer weiß, welche Chance an der nächsten Weggabelung warten kann und so war es häufig bei mir. Und letztendlich haben mich die Umwege zu meinem heutigen Weg geführt.

Gab es Kritik an Ihrem Weg und wie sind Sie damit umgegangen?

Kritik gab es permanent an meiner Rolle bzw. wie ich sie ausgefüllt habe. Wie in der Politik oder im Fußball hat jeder eine Meinung, wie es sein müsste. Von daher bin ich es gewöhnt, mit Kritik umzugehen und das sachlich und nicht persönlich zu nehmen. Das versuche ich auch immer meinen Klienten zu vermitteln, dass es okay ist zu polarisieren und für seinen Standpunkt und das was einem wichtig ist einzustehen, um nicht in der Masse unterzugehen.

Gab es Zeiten in Ihrem Leben, in denen auch Sie gezweifelt haben? Wenn ja: Wie sahen diese Zweifel aus? Warum haben Sie gezweifelt? Und wie sind Sie damit umgegangen, was hat Ihnen besonders geholfen?

Zwangsläufig, das bleibt ja nicht aus! Und passiert regelmäßig immer wieder. Das gehört zum Unternehmerdasein wie natürlich aus zum Menschsein dazu! Und es schadet auch nicht, sich ab und an auch neu zu hinterfragen. Glücklicherweise lerne ich ja seit meinen Berufsanfängen ständig dazu, wie ich mein Leben entspannen und die Gedanken freier machen kann. Da sind auch Methoden dabei, die ich, wenn die Zweiflerei größer wird nutze und mit denen ich z. B. negative Glaubensmuster aus dem Weg räume. Das klappt bei mir und auch bei meinen Klienten, bei denen ich diese Methoden bei Bedarf auch anwende. Daran kann ich dann selbst spüren wie effektiv das ist und positiv aufgeladen und voller Tatendrang die nächsten Herausforderungen angehen.

Wenn Sie sich in die Zeit zurückversetzen, in der Sie – sagen wir – 18 Jahre alt waren: Wie hätten Sie über Ihre heutige Situation gedacht? Hatten Sie eine Ahnung davon, geplant/gedacht/gehofft, dass Sie diesen Weg gehen würden?

Mir war immer klar, dass ich etwas schaffen und gestalten will. Wie das aussehen könnte, davon hatte ich damals keine Idee, aber das Grundgefühl war da.

Gab es – rückblickend gesehen – einen Moment, an dem Sie sich ganz bewusst für genau diesen Weg entschieden haben? 

Ja, nachdem ich meine öffentliche Position verlassen hatte wusste ich, dass ich auf ähnliche Art nicht weitermachen wollte, und der Zeitpunkt gekommen war etwas Neues zu kreieren. Daraus ist Business with Personality entstanden. Über die Jahre habe ich viele Menschen erlebt, die fachlich wunderbare Experten sind, aber extreme Mühe haben, das rüber zu bringen und sich selbst zu präsentieren. Darunter auch Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit stehen. Teilweise auch solche, die ein angelerntes Auftreten haben, was einfach farblos wirkt. Damit fehlt diesen Persönlichkeiten die Strahlkraft, die sie eigentlich für sich und ihre Arbeit bzw. ihr Anliegen in der Welt benötigen. Dahingegen gibt es andere, die mit Geschwafel viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen und scheinbar mehr Kompetenz vermitteln. Deshalb habe ich mir zum Ziel gesetzt, Menschen zu helfen ihre Präsenz und ihr Personal Branding zu entwickeln, ohne sich verbiegen zum müssen und dem eigenen Stil und der eigenen Persönlichkeit treu zu bleiben. Ich sage immer, Persönlichkeit ist das beste Marketing!

Eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt, lautet: Wie findet man neue, spannende Ziele, wenn ein ursprüngliches Ziel erreicht ist? Wie lautet Ihre Antwort darauf?

Für mich ist die Frage vielmehr, wie schaffe ich es alle Ziele die ich habe umzusetzen bzw. in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen, um sie alle zu erreichen. Ich persönlich glaube, dass es an Zielen nie mangelt. Manche tauchen ganz unvermittelt auf.

Gibt es derzeit ein Thema, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

authentisches Marketing

Ja, echtes Marketing. Und das ist wirklich ein Herzensthema für mich. Es gibt so viele Missverständnisse über Marketing, die Menschen davon abhalten sich der guten Seiten des Marketings zu bedienen. Zum einen will ich das aufräumen und – noch viel wichtiger – zeigen, wie man sich ehrlich und authentisch vermarkten kann. Und zwar ohne das Gefühl haben zu müssen anderen eine Bären aufzubinden, zu manipulieren oder gar sich selbst zu verbiegen um in ein vermeintlich vermarktbares Schema zu passen. Das ist alles Quatsch! Und ich glaube felsenfest, dass authentisches Marketing der einzige Weg zu langfristigem Erfolg ist. Zudem glaube ich das Echtheit und Authentizität der neue Maßstab im Marketing ist. Heutzutage kann jeder sich im Internet darstellen wie er mag und da ist häufig mehr Schein als Sein dabei. Fake riecht 10 Meilen gegen den Wind und die Leute merken das zunehmend.

Work-Life-Balance ist für viele ein großes Thema. (Wie) schaffen Sie das bzw. welchen Tipp können Sie aus Ihrer Erfahrung zu dieser Herausforderung geben?

In arbeitsintensiven Phasen hilft es mir immer sehr zu wissen, dass es eine Phase danach geben wird, in der Zeit für Entspannung und Muße ist. Ich brauche diese Perspektive, die trägt mich durch Anspannung und Intensität. Wichtig ist nur, sich dann die Entspannung und das Vergnügen auch wirklich zu gönnen. Langfristig aus der Balance zu sein hindert den Zugang zu Inspiration und Kreativität, allein schon deshalb ist es wichtig auf sich selbst zu achten und sich auch Gutes zu tun, damit die eigene Quelle nicht versiegt.

Haben Sie einen Tipp für jemanden, der an einem Punkt im Leben steht, an dem er/sie nicht genau weiß, wie es weitergehen soll? An dem er/sie sich vielleicht sehr alleine fühlt?

Eine meiner Überzeugungen ist, dass sich immer eine Lösung findet. Manchmal ist es auch so, dass man sie einfach nur zulassen muss. Bisher hat sich das in meinem Leben immer bewahrheitet und ich habe erfahren, dass ich aus jeder schwierigen Situation gestärkt hervorgehe, ob beruflich oder privat. Heute begleitet mich diese Einstellung im Hinterkopf in schwierigen Momenten und Phasen. Das macht es gefühlt natürlich in keiner Weise einfacher, aber ein kleines Bisschen zuversichtlicher schon. Zum anderen bin ich die Akteurin meines Lebens und führe Regie. Andere für Missstände in meine Leben verantwortlich zu machen ist auf Dauer wenig hilfreich, deshalb bevorzuge ich den aktiven Part und frage mich, was kann ich lernen und wie kann ich zu einer guten Lösung kommen. Zu diesem Perspektivwechsel kann ich nur jeden ermuntern.

Das Thema dieser Interview-Serie ist „I did it my Way“, angelehnt an den Titel eines bekannten Frank Sinatra Titels, in dem er seinen Umgang mit Niederlagen und seinen persönlichen Weg beschreibt. Gibt es einen Song, ein Buch, ein Gedicht, ein Kunstwerk oder ähnliches, das Ihre Haltung zu diesem Thema einfängt? 

Das Gedicht “Vorschlag” von Günter Kunert hat eine dynamische Kraft und bringt unsere Vergänglichkeit aber auch unser Entfaltungspotenzial im Leben gut auf den Punkt, wie ich finde.

Vorschlag

Ramme einen Pfahl
in die dahinschießende Zeit.

Durch Deine Hand rinnt der Sand
und bildet Formlosigkeiten,
die sogleich auf Nimmerwiedersehen
in sich selbst einsinken:
vertanes Leben.

Was Du nicht erschaffst, du
bist es nicht. Dein Sein, die Gleichung
nur für Tätigsein: Wie will denn
wer nicht Treppen zimmert
über sich hinausgelangen?
Wie will heim zu sich selber finden,
der ohne Weggenossen?

Hinterlass mehr als nur die Spur
deiner Tatze, das Testament
ausgestorbener Bestien, davon die Welt
übergenug schon erblickt.

Ramme einen Pfahl ein. Ramme
einen einzigen, einen neuen Gedanken
als geheimes Denkmal
deiner einmaligen Gegenwart
in den Deich
gegen die Flut.

Günter Kunert

Das Gedicht ist auch online zu finden, z.B. hier.

Wie können unsere Leser/innen Sie im Internet finden (Website, Blogs, Facebook, twitter etc)?

Bisher läuft bei mir alles auf Englisch, so langsam fange ich aber an, Dinge ins Deutsche zu bringen und auch mit deutschsprachigen Klienten zu arbeiten. Deshalb bitte nicht davon abschrecken lassen, das meine Website und die Socialmediakanäle (bisher) nur auf Englisch sind.

Hier ist meine Website zu finden, hier findet man mich auf facebook. Hier gibt es eine Facebook-Gruppe zum Thema, die ich initiiert habe, und hier bin ich auf Twitter zu finden.

 

Vielen Dank für dieses interessante Interview!

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Claudia Frey
Diplom-Psychologin Psychologische Psychotherapeutin

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