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In der Interview-Serie „I do it my Way“ stelle ich Menschen vor, die einen nicht ganz gradlinigen Weg hinter sich und einiges zu erzählen haben. Die Serie soll Mut machen und aufzeigen, dass „Erfolg“ nicht immer stromlinienförmig aussieht.

Viel Freude damit!


Endlich ein Mann in dieser Serie! Ich freue mich sehr, dass Andy Schmidt einen Anfang wagt.  Ich habe ihn auf einer China-Reise kennengelernt, wo mich nicht nur seine Freundlichkeit und seine Offenheit – sondern auch seine Neugier und sein Mut dem chinesischen Essen gegenüber sehr beeindruckt hat. Derzeit kreiert er aber ganz andere Köstlichkeiten, ganz aktuell z.B. ein Menü im Rahmen der „Zugvogeltage“ – inspiriert durch die Flugroute der Zugvögel. Das würde ich ja SEHR gerne probieren!


Was ist ihr Beruf, was Ihr wichtigstes Tätigkeitsfeld heute?

Nach einer klassischen Kochausbildung und diversen Stationen danach, bin ich heute Küchenchef im Columbia Hotel in Wilhelmshaven.

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Ich finde, Sie sind einen ungewöhnlichen privaten/beruflichen Weg gegangen. Stimmt das aus Ihrer Sicht? Was ist für Sie persönlich das Ungewöhnliche daran?

Persönlich finde ich meinen privaten wie beruflichen Weg gar nicht so ungewöhnlich. Nachdem ich in Sachsen-Anhalt groß geworden bin, habe ich zum Zeitpunkt der deutschen Wiedervereinigung meinen Schulabschluss gemacht. Und dann standen meiner Generation durch die politischen Gegebenheiten alle Türen in beruflicher wie privater Hinsicht offen. Und das habe ich für mich genutzt:

Anhang 3Meine Leidenschaft als Koch konnte ich wunderbar mit meiner Leidenschaft neue Länder und Kulturen zu entdecken verbinden. So habe ich zum Beispiel lange auf einem Luxussegler arbeiten und leben können. Ich habe immer versucht mir meine Träume im privaten wie beruflichen zu erfüllen, was mir bis jetzt ganz gut gelungen scheint.

 

Aus heutiger Sicht betrachtet: Ist es der richtige Weg gewesen? Warum?

Für mich kann ich sagen war es bis jetzt der richtige Weg. Sicherlich kann man bei der ein oder anderen Sache im Nachhinein sagen, das hätte man anders machen können. Aber bestimmte Entscheidungen und die daraus entstehenden Niederlagen gehören zum Leben dazu und dienen meines Erachtens der Entwicklung eines jeden.

[Tweet „Den eigenen Weg gehen ist viel spannender als Mainstream. #IdoItMyWay. Interview mit Andy Schmidt“]

Gab es Zeiten in Ihrem Leben, in denen Sie gezweifelt haben? Wenn ja: Wie sahen diese Zweifel aus? Warum haben Sie gezweifelt? Und wie sind Sie damit umgegangen, was hat Ihnen besonders geholfen?

Klar gab und gibt es Zweifel. Aber so reflektierte ich auch das, was ich tue und was um mich herum passiert. Ich denke, somit kann ich meine Geschicke ein klein wenig selbst lenken. Die Stärken eines jeden einzelnen Menschen werden schon in der Kindheit geprägt: Zum Beispiel, wie ich dem Leben entgegen trete und mich mit Menschen umgehe. Sicherlich ändern sich  solche Muster im Laufe der Jahre, aber man sollte immer ein Bewusstsein dafür entwickeln, welchen Wert man in der Gesellschaft und in seinem privaten Umfeld hat.

Mir hat es in Situationen des Zweifels immer sehr geholfen, mich an der starken Schulter meines Partners anlehnen zu können und natürlich auch mit meinen Eltern über Schwierigkeiten oder neue Vorhaben zu sprechen bei denen ich unentschlossen war. Selbst wenn ich meist schon ein Plan B in der Tasche hatte. Besonders helfen tut mir also Reflexion und Kommunikation.

 

Wenn Sie sich in die Zeit zurückversetzen, in der Sie – sagen wir – 18 Jahre alt waren: Wie hätten Sie über Ihre heutige Situation gedacht? Hatten Sie eine Ahnung davon, geplant/gedacht/gehofft, dass Sie diesen Weg gehen würden?

Anhang 2Nein, eine Ahnung über den Verlauf meines Lebensweges, die hatte ich nicht. Ich hatte aber auch bestimmt nicht den Anspruch, denn ich war noch nie der große Planer. Schon früher war ich immer erstaunt, wie Kollegen im Januar Ihren kompletten Jahresurlaub planen konnten. Klar, jetzt in der Partnerschaft sind wir meist auch 4-5 Monate in der Vorausplanung, aber ich weiß ja gar nicht was morgen oder übermorgen passiert, geschweige denn in einem halben Jahr.

Ich hatte immer klare Ziele, was ich wollte oder vielmehr, was ich nicht wollte. Aber nie in einem fest gesetzten Zeitrahmen. Ich wusste immer, wenn ich eine Sache beende, wird sich etwas Neues auftun. Ich weiß heute aus dem Bauch heraus, dass ich das Richtige mache und vor allem, dass ich Spass daran habe was ich mache. Als 18jähriger war ich sicher schon genauso. Nur, dass mir das damals nicht bewusst war. Wäre es mir bewusst gewesen, hätte ich das sicher als eine Art Freiheit wahrgenommen. Denn so empfinde ich es auch heute.

Gab es – rückblickend gesehen – einen Moment, an dem Sie sich ganz bewusst für genau diesen Weg entschieden haben? Oder wie verlief das für Sie?

Nein, bewusst dafür entschieden habe ich mich nicht. Ich habe mich eher bewusst gegen Dinge entschieden: Meine Familie hatte eine sehr gut gehende Bäckerei, in der ich mit allem drum und dran groß geworden bin. Das hat mich sicher stark geprägt. Als Jugendlicher empfand ich die Vorstellung  bis zum Ende meines Lebens in meinem Heimatort Brötchen und Kuchen zu backen als langweilig. Deshalb wollte ich auf keinen Fall Bäcker werden.

Eine andere Überlegung war es, das Studium des Lebensmittel-Ingenieurwesen aufzunehmen. Um dieses Studium absolvieren zu können, wollte ich nach meiner 10jährigen Schulausbildung das  Abitur machen. Im Zuge der Wende war allerdings unklar, in wie fern das DDR-Abitur anerkannt würde.

Vor diesem Hintergrund und meinem Faible für ein Handwerk, in dem man Lebensmittel gestaltet, kam ich auf den Beruf des Kochs. Diese Idee wurde auch von meiner Familie mitgetragen.

 

Anhang 4

Eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt, lautet: Wie findet man neue, spannende Ziele, wenn ein ursprüngliches Ziel erreicht ist. Wie lautet Ihre Antwort darauf? Wie gehen Sie mit dieser Frage um?

Um Ziele zu haben und sie zu finden, gehört es dazu, träumen zu können und auf sich und diese innersten Wünsche zu hören. Und dann muss man sich natürlich dafür einsetzen einen Teil dieser Träume Realität werden zu lassen.

So konnte ich gerade jetzt zu meinem 40. Geburtstag meinen Traum, bzw., mein Ziel die Nordlichter anzuschauen, verwirklichen. Wir sind nach Island gereist – ein unbeschreibliches Erlebnis für mich. Und da ich nichts spannender finde, als neue Länder und deren Menschen für mich zu entdecken, zu erleben, zu riechen und deren kulinarischen Besonderheiten zu entdecken, habe ich viele neue Ziele, die auch immer einen beruflichen Hintergrund mit abdecken…
 Gibt es derzeit ein Thema, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Anhang 1Ich finde das immer größer werdende Ungleichgewicht in der Weltgesellschaft und die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen durch die Menschheit um jeden Preis sehr bedenklich. Vor allem die Uneinigkeit der Weltmächte über den Naturschutz und das Machtstreben eines jeden einzelnen Landes bringen uns keine gute Zukunft. Seien es die Japaner im Bereich des Walfangs, die Norweger, die im Eismeer nach Erdöl bohren wollen, die Kanadier und Australier, die wahnsinnige Minen bewirtschaften um seltene Rohstoffe abbauen, und im Gegensatz dazu die in Afrika liegenden riesigen Müllhalden mit Elektroschrott der Wohlstandsgesellschaft. Ich denke wir sollten uns öfter auf das Wesentliche fokussieren und uns etwas von unserer „Höher-Schneller-Weiter“- Einstellung entfernen. Es würde der Menschheit gut tun, sich wieder auf ihre Wurzeln zu besinnen und der Macht der Natur mehr Aufmerksamkeit und Raum zu geben.

 

Work-Life-Balance ist immer ein großes Thema für mich und für viele meiner LeserInnen. (Wie) schaffen Sie das bzw. welchen Tipp können Sie aus Ihrer Erfahrung zu dieser Herausforderung geben?

Auch mir fällt es nicht immer leicht mein Leben im Gleichgewicht zu halten. Ich habe mir aber bis heute immer bewahrt, mich auch an kleine Dingen zu erfreuen und mir so Energie aus dem Alltag und vor allem der Natur zu ziehen. Ein anderer wichtiger Punkt ist Bewegung und neue Impulse: Wenn ich die Nase kurzfristig voll habe, setzte ich mich auf mein Rad, um einfach neue Sachen in Berlin oder jetzt in WHV zu entdecken, um so einfach etwas runter zu kommen, wenn ich verärgert oder genervt bin.

Last but not least: Kommunikation. Mein Partner und ich gehen gerne einfach nur spazieren, das am liebsten am Meer, denn so könne wir auch ganz entspannt reden reden und reden, was uns beiden meist ziemlich gut tut.

[Tweet „Niederlagen gehören zum Leben und dienen der Entwicklung. Andy Schmidt #IdoItMyWay.“]

Haben Sie einen Tipp für jemanden, der an einem Punkt im Leben steht, an dem er/sie nicht genau weiß, wie es weitergehen soll?

Ich denke es geht immer irgendwie weiter. Wenn man Hilfe braucht, sollte man Sie zulassen und sich auch Hilfe holen bzw. holen dürfen. Manchmal hilft schon ein kleiner Impuls und vielleicht ist der Weg, auf dem man sich gerade befindet, gar nicht so aussichtslos. Meine Mutter gab mir mit auf dem Weg, dass auch in jeder negativen Situation etwas Gutes steckt, auch wenn man es jetzt noch nicht erkennt. In der Reflexion war das bei mir auch oft so, auch wenn ich als Teenager nicht wirklich dran geglaubt habe.

 

Das Thema dieser Interview-Serie ist „I do it my Way“, angelehnt an den Titel eines bekannten Frank Sinatra Titels, in dem er seinen Umgang mit Niederlagen und seinen persönlichen Weg beschreibt. Gibt es einen Song, ein Buch, ein Gedicht, ein Kunstwerk oder ähnliches, das Ihre Haltung zu diesem Thema einfängt? Haben Sie einen Link zum Song/Buch etc.?

I will dance…… Von Katzenjammer

 

 

Gibt es noch etwas, das Ihnen in diesem Zusammenhang wichtig ist?

Ich denke, man sollte nie den Glauben an sich selbst verlieren. Auch wenn das für manche ziemlich einfach klingen mag – es kann manches Mal eine große Herausforderung sein, an der es sich aber immer lohnt zu arbeiten!

 

Wie können unsere Leser/innen Sie im Internet finden (Website, Blogs, Facebook, twitter etc)?

Klar, beim Job: http://www.columbia-hotels.de/

An Twitter habe ich mich noch nicht ran getraut, auch wenn ich meinen engen Freunden gerade ab und an etwas aus WHV schreibe und Bilder aus dem hohen Norden in einen Mini Blog stelle.

Claudia Frey
Diplom-Psychologin Psychologische Psychotherapeutin

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