Vor vielen Jahren besuchte ich einen Workshop zum Thema „Humor in der Psychotherapie“. Ich lache gerne und im Gegensatz zu manchen KollegInnen finde ich durchaus, dass man in Therapien Humor anwenden darf (soll!). Deshalb wollte ich hören, wie der damals sehr bekannte Trainer das Thema anging.

 

Humor und Respektlosigkeit: Eine feine Linie

Kurz gesagt: Ich fand es grauenvoll. Vielleicht erinnere ich mich falsch, es ist schon lange her. Oder ich habe keinen Sinn für Humor (das glaube ich zwar nicht – aber das denken ja alle von sich …). Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier auf Kosten anderer Lacher provoziert wurden.

Einer übergewichtigen Dame, die sich zum Rollenspiel zur Verfügung gestellt hatte, wurde vom Trainer entgegen geschleudert, dass es doch kein Wunder wäre, dass sie keinen Partner fände. Sie sollte sich doch mal ansehen. Viele lachten. Manche schrieben mit.

 

Ist das Humor?

In meinen Augen gar nicht. Humor ist nicht, sich

  • Schwächen anderer herauszugreifen und jemanden bloß zu stellen (das ist einfach nur respekt- und geschmacklos)
  • Auch Witze zu reißen, wenn ein ernsthaftes Gesprächsangebot gemacht wird, ist nicht humorvoll sondern ein Ablenkungsmanöver.

 

Was ist Humor?

Diese Definition von Wikipedia gefällt mir sehr gut: „Guter, echter Humor ist die Begabung eines Menschen, der Unzulänglichkeit der Welt und der Menschen, den alltäglichen Schwierigkeiten und Missgeschicken mit heiterer Gelassenheit zu begegnen“ (Quelle hier).

Mit „heiterer Gelassenheit“ auf fremde oder eigene Unzulänglichkeiten zu reagieren, kann wirklich gut tun und Situationen entspannen.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht ... oder: Humor in der Psychotherapie und im Leben: Wichtig, aber gar nicht so einfach. Klick um zu Tweeten

 

Oft ist es auch wirklich witzig, wenn es jemandem gelingt, eine unerwartete, neue Perspektive einzubringen.

Das alles kann im Leben (und in einer Psychotherapie) sehr nützlich und hilfreich sein. Allerdings nur, wenn eine vertrauensvolle Beziehung zwischen denjenigen besteht, die miteinander lachen.

 

Humor kann dabei helfen,

  • sich von Schwerem zu distanzieren
  • neue Gedanken zu fassen und –
  • dann vielleicht sogar eine Lösung oder eine neue Perspektive zu finden

Selbstverständlich ist „sich über jemanden lustig machen“ etwas völlig anderes als „mit jemandem lachen“ und diese Grenze ist unserem eigenen persönlichen Feingefühl überlassen.

Auf jeden Fall sollten wir uns mit Witzen zurückhalten, die auch nur auf Kosten anderer gehen könnten. Denn das ist gar nicht witzig. Sondern kann sehr verletzend sein, auch wenn sich das Gegenüber dies vielleicht gar nicht anmerken lässt.

 

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Zitat „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“:  von Otto Julius Bierbaum (s. Wikipedia)

Foto: Philipp Lublasser

Claudia Frey
Diplom-Psychologin Psychologische Psychotherapeutin

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